Zum Inhalt springen

Header

Video
EU verfügt Preisdeckel für russisches Öl
Aus Newsflash vom 02.12.2022.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 26 Sekunden.
Inhalt

Folgen des Kriegs Was kann der Preisdeckel für russisches Erdöl bringen?

EU, G7 und Australien wollen den Preis für russisches Öl möglichst tief halten. Ob das funktioniert, wird sich zeigen.

Die EU macht Druck. Sie hat selbst wegen des Ukraine-Kriegs ein Öl-Embargo gegen Russland verhängt. Und nun will sie mit anderen westlichen Staaten durchsetzen, dass weltweit nur noch bestimmte Preise für russisches Öl gezahlt werden.

Preisdeckel und Embargo ab Montag

Das Konzept mutet erstmal verwegen an: Die EU und ihre Partner wie die G7 und Australien wollen dem Gegner Russland vorgeben, zu welchem Preis es sein Erdöl auf dem Weltmarkt verkaufen darf. Der Preisdeckel soll bei 60 Dollar pro Fass liegen. Das vereinbarten die EU-Staaten am Freitagabend nach langem Hin und Her.

Embargo für russisches Öl

Box aufklappen Box zuklappen

Ab Montag gilt auch das lange angekündigte Embargo der EU für russisches Öl. Künftig sind Einfuhren mit Schiffen verboten, doch Lieferungen per Pipeline in die EU bleiben erlaubt – ein Zugeständnis an die osteuropäischen EU-Länder, die ihre Öllieferungen aus Russland kaum anderweitig ersetzen können.

Kurz darauf kündigten die sieben führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) und Australien ihre Beteiligung an. Vom Montag an soll der Preisdeckel gelten, zeitgleich mit dem Start des EU-Öl-Embargos gegen Russland.

So soll der Ölpreisdeckel wirken

Box aufklappen Box zuklappen

Das Ziel des Ölpreisdeckels ist es, die russischen Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu drücken und so die Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine schwieriger zu machen. Andererseits soll Russland durchaus weiter Öl vermarkten. Sonst würde die wertvolle Ressource auf dem Weltmarkt noch knapper und die Preise würden auch im Westen steigen.

Im Zusammenhang mit dem Ölpreisdeckel stellen sich einige Fragen:

Wie funktioniert der Preisdeckel? Nur wenn der Preisdeckel von 60 Dollar pro Fass russisches Öl eingehalten wird, dürfen westliche Reedereien mit ihren Schiffen künftig weiterhin russisches Öl nach Indien, China oder in andere Länder bringen. Dieselbe Regelung soll für Dienstleistungen wie Versicherungen, technische Hilfe sowie Finanzierungs- und Vermittlungsdienste gelten. Fakt ist: Europäische Reeder betreiben mehr als die Hälfte aller Tanker auf der Welt.

Symbolbild: Öltanker vor Anker.
Legende: Europäische Öltanker dürfen kein russisches Öl mehr transportieren, wenn dieses über dem Preis des Deckels gehandelt wird. Ob das funktionieren wird? Reuters/Jean-Paul Pelissier

Was könnte die Massnahme bewirken? Die Hoffnung ist, dass die Preisobergrenze zu einer Entspannung an den Energiemärkten führt und Drittländer entlastet. Sie soll auch dafür sorgen, dass Russland nicht mehr von Preisanstiegen für Öl profitiert und damit seine Kriegskasse füllen kann. Die Einbussen für Russland sollen 1.9 Milliarden Dollar pro Jahr betragen.

Wie wurde die Preisgrenze festgesetzt? Östliche EU-Länder wie Polen und Estland wollten eine möglichst niedrige Grenze, um die russischen Einnahmen so weit wie möglich zu begrenzen. Andere befürchteten, dass Russland die Produktion herunterfährt, wenn der Preis zu niedrig angesetzt wird. Die nun vereinbarten 60 Dollar je Barrel liegen deutlich unter dem derzeitigen Marktpreis von rund 69 Dollar. Die Höhe des Deckels wird alle zwei Monate überprüft.

Ukraine: 60 Dollar ist zu viel

Box aufklappen Box zuklappen
Legende: Reuters

Der Ukraine ist der Deckel von 60 Dollar je Fass russisches Öl nicht tief genug. Er sollte auf 30 Dollar halbiert werden, liess sich Präsident Wolodimir Selenskis Stabschef vernehmen. «Damit kann die Wirtschaft des Feindes schneller zerstört werden», schrieb er auf Telegram. Zugleich aber begrüsste Andrij Jermak, dass man sich überhaupt auf einen Preisdeckel für russisches Öl habe einigen können.

Wird die Rechnung aufgehen? Das ist unklar. So wurde Rohöl wohl nicht zuletzt wegen des angekündigten Preisdeckels in letzter Zeit billiger. Allerdings kündigte Moskau an, kein Rohöl an Länder verkaufen, die sich an den Preisdeckel halten. Hielte Moskau das durch, könnte es zu einer Verknappung und damit zu steigenden Ölpreisen führen. Es kommt deshalb stark darauf an, wie sich etwa China, Indien oder Ägypten verhalten, die derzeit einen grossen Teil des russischen Öls kaufen.

Was wird Russland tun? Moskau könnte seine Ölexporte vollständig vom Markt nehmen oder eine Untergrenze für sein Rohöl festlegen, unter der kein Öl exportiert werden darf. Darüber hinaus könnte Russland versuchen, den Preisdeckel mit einer Verschleierung des Seetransports zu umgehen. Eine weitere Möglichkeit: Moskau wirkt in der Opec+ darauf hin, dass die weltweite Ölförderung gekürzt wird. Damit würden die Preise steigen und die globale Energiekrise verschärft.

SRF 4 News, 3.12.2022, 07:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen
  • Kommentar von SRF (SRF)
    Guten Abend liebe Community, vielen Dank für Ihre Beiträge - für heute schliessen wir die Kommentarspalte und wünschen Ihnen einen schönen Abend! Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Herbert Menzi  (hmenzi)
    Gute Idee. Warum aber diesen Deckel nicht gleich gegen alle Öllieferanten durchsetzen? Vieleicht sollte ich mir auch überlegen, den Benzinpreis auf Fr. 1.- / Liter zu deckeln ;-).... die Russen und die Tankstellen werden sich krumm lachen!
  • Kommentar von Lilli Roffler  (Lilli Roffler)
    Tönt für mich nach einer weiteren Selbstüberschätzung des Westens. Denke da gibt es noch so einige Ausweichmöglichkeiten für Russland. Die Staaten, welche sich nicht an den Sanktionen beteiligt haben, werden sich wohl kaum an diese Preisdeckelungsvorschriften halten. Und die vergangenen Monate habe sehr deutlich gezeigt, wie wenig die Sanktionen greifen und welchen Preis die ukrainische Bevölkerung dafür bezahlt. Wie im Artikel beschrieben kann dies leicht zu einem Eigengoal für Europa werden.
  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Da die EU und G7-Staaten nur ein Drittel der weltweiten Wirtschaftskraft ausmacht und jetzt schon 2/3 der weltweiten Wirtschaftskraft (BRICS+ und Rest der Welt) sich nicht an die vom Westen verhängten Sanktionen gegen Russland beteiligen, dürfte der Preisdeckel ein weiterer Schuss ins eigene Knie des «Wertewestens» sein. Die EU in ihrer masslosen Hybris kann so viel Druck machen – der Westen ist schon lange nicht mehr der Mittelpunkt der Welt, schon gar keine dominierende Wirtschaftsmacht mehr.
    1. Antwort von Dominic Müller  (Domi3)
      Das ist richtig, der Westen ist nicht mehr Allein entscheidend. Russland ist allerdings als "Wirtschaftsmacht" auf der Höhe Spaniens. Zudem sind die BRICS und der "Rest der Welt", wie Sie es bezeichnen, keineswegs dermassen geeint, wie Sie es meinen.
    2. Antwort von Brigitte Sponchia  (Brigitte Sponchia)
      Verstehe nicht, was Sie da meinen. Es geht auch darum den Rohölpreis auf der Welt zu drücken, weil viele Drittländer können sich die Preise einfach nicht mehr leisten und das hat überhaupt nichts mit "Mittelpunkt der Welt" zu tun die EU hat zumeist sowieso ein Ölembargo ab Montag. Und "Wertewesten" ist auch sowas- ich bin froh, dass wir noch Werte vertreten und nicht nur einfach egoistisch und korrupt auf unseren eigenen Vorteil schauen und andere Länder den Bach abgehen lassen
    3. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Frau Sponchia, viele «Drittweltländer» oder Entwicklungsländer wie z.B. Guyana, wurde vor ihrer Küste 13 Ölfelder mit einem geschätzten Gesamtvolumen von 5 bis 10 Milliarden Barrel Öl entdeckt (2020). So meinte Vickram Bharrat, ein Minister von Guyana, dass seine Regierung die Chance auf Wohlstand und Erfolg nicht ungenutzt lassen werde. Hierbei handelt es sich also um das so genannte «Grüne Paradoxon». Und, wenn der «Wertewesten» tatsächlich Werte vertreten würde, akzeptierte die USA den IStGH.