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Gewalt an Frauen in Österreich
Aus SRF 4 News aktuell vom 06.05.2021.
abspielen. Laufzeit 06:22 Minuten.
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Forderung nach Massnahmen Frauenmorde in Österreich sorgen für Welle der Entrüstung

Nach bereits elf Morden an Frauen dieses Jahr geht in Österreich ein Aufschrei durch Medien und Politik. Der Druck auf die Regierung und die Entscheidungsträger wächst. Massnahmen sind gefordert und versprochen.

Um was geht es? In Österreich wurden jüngst mehrere Frauen getötet. Eine 35-jährige Frau wurde mutmasslich von ihrem Ex-Freund erschossen. Das gleiche Schicksal erlitten eine 50-Jährige und ihre Mutter. Davor war eine Kioskverkäuferin von ihrem Ex-Partner angezündet worden und starb. Seit Anfang Jahr sind somit bereits elf Frauen getötet worden. Die Femizide sorgten für einen Aufschrei in Medien und Politik, bis hoch zu Bundespräsident und Bundeskanzler. Der Tenor ist eindeutig: Wir müssen etwas tun. Kanzler Sebastian Kurz verspricht etwa mehr Geld für Opferhilfe-Organisationen.

Warum wird der Fall so intensiv diskutiert? Der mutmassliche Mörder der 35-Jährigen ist vor Jahren durch einen Prozess aufgefallen. Damals hatte er der grünen Klubobfrau Sigrid Maurer sexistische Nachrichten geschrieben, die sie veröffentlicht hat. Er hat sie daraufhin verklagt. «Diese Tötung, die mutmasslich er begangen hat, ist das Symbolbild, dass Gewalt eben nicht mit körperlicher Gewalt beginnt, sondern schon früher», sagt Eva Linsinger, Leiterin Innenpolitik beim österreichischen Nachrichtenmagazin «Profil».

Was hat diese Debatte zum Vorschein gebracht? Vor zwei Jahren war Österreich noch ein «Vorreiterland», wie Linsinger es nennt: Dank dem Wegweiserecht durfte die Polizei Gewalttäterinnen und -täter auch aus der eigenen Wohnung wegweisen und ein Betretungsverbot verhängen. Mittlerweile hinkt Österreich aber hinterher. Beispielsweise stehen nur im Bundesland Wien die gemäss Istanbul-Konvention geforderten Anzahl Plätze in Frauenhäusern zur Verfügung. Zudem wurde laut Linsinger lange davon ausgegangen, dass Gewalt vor allem von Migranten verübt wird.

Warum gab es diese Kehrtwende? Politisch gesehen wurde von verschiedenen Seiten ein starker Fokus auf Zuwanderung und Migration gelegt. Weiter hat das Frauenministerium ein kleines Budget von 15 Millionen Euro pro Jahr. «Pro Opfer und Jahr gibt es derzeit Ressourcen von fünf Stunden pro Jahr», erläutert Linsinger. Und auch die Medien spielen eine Rolle. So berichteten kürzlich zwei ehemalige Moderatorinnen live im Fernsehen über sexuelle Belästigung durch einen Medienmanager, der dies bestreitet.

Wie geht es weiter? Die versprochenen Massnahmen gehen laut der Journalistin in die richtige Richtung. Es sind weitere Gipfel geplant. Die Bundesregierung hat für kommende Woche einen runden Tisch angekündigt. Schon 2018 und 2019 gab es in Österreich sehr viele Frauenmorde und einen runden Tisch. Umgesetzt wurde dann allerdings wenig, so Linsinger. «Es hoffen eigentlich alle, dass es diesmal nicht beim Versprechen bleibt und dass der Elan, der jetzt an den Tag gelegt wird, von der Regierung, von der Politik, nicht wieder erlahmt, wenn ein anderes Thema in den Schlagzeilen ist.»

SRF 4 News, 06.05.2021, 09:45 Uhr;

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63 Kommentare

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  • Kommentar von Martin H. Meier  (Mahame)
    2020 Schweiz: vollendete Tötungsdelikte:47, Opfer m: 20, w 27, davon häusliche Gewalt: m: 7, w: 21. Positiv zu erwähnen ist, dass die Polizei immerhin 46 der Delikte aufklärte.
    Die umfassenden Statistiken sind online zu finden beim Bundesamt für Statistik. Jeder ziehe seine eigenen Schlüsse daraus. Vielleicht ergeben sich auch Fragen?
    1. Antwort von Aaron Davis  (aaron.davis)
      Da lese ich aber andere Zahlen.

      Zitat BFS:
      "Im Jahr 2020 registrierte die Polizei 47 vollendete Tötungsdelikte (2019: 46), 28 davon wurden im häuslichen Bereich verübt (2019: 29). Bei elf dieser 28 Todesopfer handelte es sich um Frauen, die von ihrem aktuellen oder ehemaligen Partner getötet wurden, und bei neun um Kinder, die von einem Elternteil getötet wurden."

      Also sind die Opfer m8, w11 und k9. Zusätzlich dazu ist das eine viel zu kleine Menge um irgendwelche Trends zu erkennen.
  • Kommentar von Domenica Walti  (BiDoKi)
    @ kev baumann
    mein eindruck und meine erfahrungen widerspricht aber ihrer meinung.machogehabe sollte daher nicht mit ehrgeiz verwechselt werden...!!
  • Kommentar von Cornelia Back  (momorge)
    Immer soll der Staat mehr tun, ich weiss von unzähligen Frauen, denen geholfen wurde aus solchen Situationen raus zu kommen, nur um danach zu 'diesem' Mann zurückzukehren...
    1. Antwort von Lilian Albis  (L.A.)
      @ Back. Und weil es Frauen gibt, die in die ungesunde Beziehung zurück gehen, soll der Staat nichts tun?