Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Die Proteste werden noch lange weitergehen, glaubt Aktivist Law abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 15.08.2019.
Inhalt

Freie Wahlen gefordert «Die Hongkonger werden nicht aufhören mit den Protesten»

Nathan Law kämpfte schon 2014 für seine demokratische Überzeugung. Jetzt hofft er auf ein Einlenken der Regierung.

Nathan Law gehörte zu den Köpfen der Regenschirm-Bewegung in Hongkong 2014. Der Aktivist und Politiker setzt sich heute noch für Demokratieforderungen ein. Trotz seines jungen Alters hat der 26-Jährige schon so einiges erlebt. Er sass bereits im Hongkonger Parlament – und im Gefängnis.

Jahrelanger Kampf für die Demokratie

Vor fünf Jahren legte Law zusammen mit Zehntausenden Hongkongerinnen und Hongkongern bei den sogenannten Regenschirm-Protesten über Wochen ganze Strassenzüge der Stadt lahm. Damals forderten die Menschen auf der Strasse das allgemeine Wahlrecht.

Daran hält er auch heute noch fest. «Die Menschen in Hongkong kämpfen seit vielen Jahren für Demokratie. Doch gerade jetzt erleben wir die grösste Massenbewegung in Hongkongs Geschichte», sagt Law.

Nathan Law mit Brille.
Legende: Nathan Law, einer der führenden Köpfe der Regenschirm-Bewegung von 2014. Martin Aldrovandi/SRF

International gab es schon für die Proteste vor fünf Jahren viel Sympathie, doch sie gingen ohne Zugeständnisse der Hongkonger Regierung zu Ende. Wieso soll es dieses Mal anders sein?

Demonstranten nehmen Rücksicht auf Hongkonger

Die Organisatoren seien sich der öffentlichen Meinung inzwischen sehr bewusst, sagt Law. Damals sei es der Regierung erfolgreich gelungen, dass sich die öffentliche Meinung gegen die Demonstranten gewandt habe. «Deshalb finden die Proteste dieses Mal vor allem an Wochenenden statt, um den Alltag der Menschen nicht zu beeinträchtigen.»

Auch ist die Organisation der Proteste dank dem Einsatz von Social Media diesmal dezentral. Und so gibt es auch nicht einzelne bekannte Köpfe des Protests, sondern unzählige Demonstrantinnen und Demonstranten, die sich für ihre Anliegen einsetzen.

Wir verlangen ja nicht die Unabhängigkeit von China.
Autor: Nathan LawDemokratie-Aktivist

Während die Demonstrationen vor fünf Jahren mehrheitlich friedlich verliefen, kippt die Stimmung dieses Mal häufig in Aggression um. Tatsächlich sei der Ärger unter den Protestierenden gross, sagt Law.

Denn die Forderungen seien sehr bescheiden: Allgemeines Wahlrecht, Untersuchung der Polizeieinsätze und Rückzug des Auslieferungsgesetzes. Dies könnte die Regierung doch erfüllen. «Wir verlangen ja nicht die Unabhängigkeit von China.»

Demonstrant im Tränengas-Nebel.
Legende: Die Demonstrationen werden immer wieder von Gewalt überschattet. Reuters

Doch die Hongkonger Regierung ist auf die Forderungen bisher nicht eingegangen. Gleichzeitig verschärft auch die Zentralregierung in Peking den Ton, Meldungen und Videos eines Zusammenzugs von Sicherheitskräften an der Grenze zu Hongkong machen die Runde. Trotzdem hat Law keine Angst. Er glaubt nicht, dass die Chinesen wirklich einmarschieren werden.

Dutzende geparkte Miltiärfahrzeuge, aus der Ferne fotografiert.
Legende: Chinesischer Aufmarsch nahe der Grenze zu Hongkong: Das seien die üblichen Drohgebärden der Pekinger Regierung, sagt Law. Reuters

«Hongkong hat schon immer eine wichtige Rolle in Chinas Wirtschaft gespielt. Die kommunistische Partei wird dieses «goldene Ei» doch nicht kaputtmachen wollen. Sie will die neue Seidenstrasse vorantreiben, sind auf den internationalen Ruf angewiesen.»

Wie weiter in dem Patt?

Als internationales Finanzzentrum etwa ist Hongkong mit seinen rechtsstaatlichen Prinzipien und dem freien Kapitalfluss auch für Chinas Wirtschaft nach wie vor äusserst wichtig. Nur schon deshalb wird Peking den Sonderstatus von Hongkong nicht leichtfertig aufgeben.

Kein Einmarsch also, aber auch kein Nachgeben der Regierung. Wie lange werden die Proteste denn noch weitergehen? Das wisse er auch nicht, sagt Law. «Es kommt wirklich auf die Regierung an, ob sie auf die Forderungen der Menschen hier eingeht. Die Hongkonger sind dieses Mal sehr entschlossen, sie werden sicher nicht aufhören, zu protestieren.»

Grafik zeigt Karte, Fakten und Zahlen zu Hongkong
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Stefan Olarte  (Oikaner)
    @Planta
    Das Eine nicht - und das Andere auch nicht!
    Ich bin nicht Herrn Stanics Meinung, dass zu viel über Demokratiebew. berichtet wrden könnte (erst nach Polizeigewalt und Mafiaschläger, antworten die Leute mit Lasern). Doch sollte im Hinblick auf die globalisierte, vernetzte Welt es doch gestattet sein, Parallelen zwischen den aufkeimenden Volksanliegen ziehen zu dürfen.
    Ohne Tiananmen Massaker keine friedliche Demokratiebewegung in Polen und DDR und keine Wiedervereinigung, keine EU etc!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Das stimmt so nicht. Die Befreiungsbewegungen in der DDR und in Polen kamen von innen und wurden von Reagan und Gorbatschow begünstigt.
      Die Chinesen hatten damals keinen Einfluss.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Drago Stanic  (drago stanic)
    Wieso haben wir nie Gelegenheit bekommen so viel über Gelbe Westen oder damals von Occupy Bewegung zu lesen? Diese Proteste würden verschwiegen und jede der ein Stein in Moskva, Kiew oder Hongkong wirft bekommt eine ganze seite in unseren Medien zu seine Welt Vorstellungen zu presentieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Hier geht es um Hong Kong, also diskutieren wir über Hong Kong. Über die Demonstrationen in Moskau und Paris wurde im Srf ausführlich berichtet.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Hongkong ist nicht Tibet und China ist nicht die USA. China wird zwar mehr Einfluss gewinnen in Hongkong, der Preis wird aber auch sein, dass Hongkong an wirtschaftlichem Einfluss verliert. So genau kann das niemand voraus sagen und die wirklichen Effekte sieht man frühestens in 2 Jahrzehnten. Die Forderungen sind aber dringend nötig und völlig legitim. Mit einem Land das diese Grundwerte nicht einhält sollte man gar nicht Geschäften dürfen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen