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Legende: Video Generalstreik legt Hongkong lahm abspielen. Laufzeit 01:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.08.2019.
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Generalstreik in Hongkong Proteste sorgen für Chaos in der Metropole

  • In Hongkong haben die Proteste gegen Regierungschefin Carrie Lam und den Einfluss Chinas mit einem Generalstreik einen Höhepunkt erreicht.
  • Bahn- und Busdienste wurden eingestellt. Demonstranten blockierten Gleise und Bahnhöfe. Auf den Strassen bildeten sich lange Staus.
  • Unterdessen hat Carrie Lam die anhaltende Gewalt bei den Demonstrationen verurteilt.
  • Die Regierung werde entschlossen dabei vorgehen, Recht und Ordnung in Hongkong aufrechtzuerhalten und das Vertrauen wiederherzustellen.

Lam wandte sich zum ersten Mal seit zwei Wochen an die Öffentlichkeit und warnte, die Proteste seien eine Herausforderung für die Souveränität Chinas und würden eine «extrem gefährliche Situation» heraufbeschwören.

Lam, die von der Regierung in Peking unterstützt wird, erklärte mit versteinertem Gesicht, die Demonstranten wollten eine Revolution. Damit werde die Vereinbarung «ein Land, zwei Systeme» infrage gestellt. Ihre Regierung werde entschlossen Recht und Ordnung durchsetzen.

Furcht vor Verlust der Freiheit

Der früheren britischen Kronkolonie Hongkong wurden nach der Übergabe an China 1997 besondere Freiheitsrechte eingeräumt. Diese sehen die Regierungsgegner nun gefährdet. «Es ist totale Zeitverschwendung, ihr zuzuhören», sagte der 20 Jahre alte Student Jay Leung über Lam. «Ich glaube, die Regierung tut gar nichts, um die Gesellschaft zu heilen.»

Der 49 Jahre alte Geschäftsmann Mark Schmidt sagte, die Regierung schaffe eine Situation, die für jedermann unerträglich werde. «Jetzt etwas Geld zu verlieren, ist nicht so ein grosses Problem im Vergleich zum Verlust von allem, für was die Freiheit von Hongkong steht.»

Carrie Lam
Legende: Die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam bleibt hart. Reuters

Die Kundgebungsteilnehmer fordern den Rücktritt Lams, was diese ablehnt. Auch den vollkommenen Verzicht auf das ausgesetzte Gesetz zur Auslieferung Verdächtiger an China will Lam nicht zusagen.

An diesem Gesetz hatten sich die seit Wochen anhaltenden Proteste entzündet. Lam hat das Gesetz mittlerweile zwar für «tot» erklärt, mittlerweile wenden sich die Demonstranten aber grundsätzlich gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Führung in Peking. Zudem soll eine unabhängige Kommission den Umgang der Hongkonger Regierung mit der Krise untersuchen.

«Mit ihrer harten Haltung erzürnt Carrie Lam die Aktivistinnen und Aktivisten auf der Strasse», sagt SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi. Die Menschen hier fühlten sich nicht ernst genommen. Und China? «Noch greift Peking nicht direkt ein und hofft, dass die Hongkonger Polizei die Lage in den Griff bekommt», so Aldrovandi.

Anhaltende Proteste

In der Nacht zum Montag hatten hunderte Demonstranten eine Strasse blockiert. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Protestierer vor. 82 Menschen wurden festgenommen.

Demonstranten blockieren U-Bahn-Türen
Legende: Demonstranten blockieren die Türen der U-Bahn. Keystone

Die Demonstrationen sollten im Laufe des Tages auf weitere Distrikte ausgedehnt werden. Bahn- und Busdienste wurden eingestellt. Demonstranten blockierten Gleise und Bahnhöfe. Am Flughafen von Hongkong wurden mehr als 200 Flüge gestrichen.

Am Wochenende hatten Protestierer Polizeistationen belagert, Wände mit Losungen besprüht und Schaufenster eingeworfen. Seit dem 9. Juni sind nach Polizeiangaben 420 Menschen in Gewahrsam genommen worden.

Grafik zeigt Karte, Fakten und Zahlen zu Hongkong
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9 Kommentare

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  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Xi Jinping hätte jetzt die Chance, ein grosser Staatsmann zu werden, und China in eine demokratische Zukunft zu führen. Leider traut man ihm das nicht zu.
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  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Die Protestbewegung sollte sich sofort von allen Gewalttaten (auch allerkleinsten) und Sachbeschädigungen verabschieden. Die sind billiger Vorwand für jede gewalttätige Überreaktion der Regierung. Wenn hunderttausende gewaltfrei auf der Strasse sitzen, kann keiner behaupten, dem müsse mit Gewalt begegnet werden. Auch die Zürcher Polizei muss sich schämen, gegen Klimademonstranten gewalttätig vorgegangen zu sein, anstatt gegen klimazerstörende Banken, welche grosse Verbrechen und Schäden begehen.
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  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Das Auslieferungsgesetz hat auch seine Begründung. Wer will schon auf dem Festlandmörder in HK sitzen bleiben? Nur traut niemand der Zentralregierung, dass sie es nicht nur auf "gewöhnliche" Kriminelle anwendet, sondern in HK auf polit. Dissidentenjagd geht. Dieses fehlende Vertrauen ist der springende Punkt. Anstatt wie gewohnt dreinzuschlagen, wäre es jetzt an der Zentralregierung, für Vertrauen zu sorgen, und vielleicht sogar in ganz China erste lokale Demokratieschritte zu unternehmen.
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