Die USA und Iran haben Friedensverhandlungen unter der Vermittlung Pakistans in Islamabad aufgenommen. Der Diplomatische Korrespondent von SRF, Fredy Gsteiger, mit den Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den Gesprächen.
Wer verhandelt in Islamabad mit wem?
Auf der Seite USA führt Vizepräsident JD Vance die Delegation an. Ihr gehören auch Steve Witkoff und Jared Kushner an. Auf Seite Iran ist es Parlamentspräsident Mohammad Bakr Khalibaf. Er steht den Revolutionswächtern nahe, die in Teheran den Ton angeben. An seiner Seite steht Aussenminister Abbas Arragchi, der bereits bei den Verhandlungen vor dem Krieg in Genf dabei war.
Verhandeln die Delegationen direkt miteinander?
Zunächst trafen sich beide Delegationen mit dem pakistanischen Regierungschef und Vermittler Shebaz Scharif. Am frühen Nachmittag begannen dann die Verhandlungen – wobei die beiden Delegationen zumindest am Anfang nur indirekt, über die pakistanischen Vermittler, miteinander sprachen. Inzwischen bestätigte das Weisse Haus aber auch Direktgespräche. Das ist symbolisch bedeutsame Premiere. Gleichzeitig sollen nun auch Verhandlungen auf Fachebene beginnen.
Weshalb ist Israel bei diesen Verhandlungen nicht dabei?
Die Gespräche sind als bilaterale Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran vorgesehen. Der Iran hätte zudem kaum akzeptiert, dass Israel mit am Tisch sitzt. Denn die Führung in Teheran bestreitet nach wie vor das Existenzrecht Israels. Gleichzeitig dürfte man in Teheran darauf hoffen, dass – wenn es zu einer Verständigung mit den USA kommt – Washington Einfluss darauf nimmt, dass Israel die Angriffe auf den Iran und die verbündete Hisbollah im Libanon einstellt.
Wie lauten die Forderungen beider Seiten?
Die USA verlangen eine sofortige und vollständige Öffnung der Meerenge von Hormus. Sie wollen, dass der Iran jegliche Schritte in Richtung eines militärischen Atomprogramms definitiv beendet. Dass sein Raketenprogramm stark begrenzt wird und dass der Iran nicht weiter Milizen gegen Israel unterstützt. Die iranische Führung will weiterhin Uran anreichern. Sie verlangt, die Strasse von Hormus zu kontrollieren und dort gar Durchfahrtszölle zu erheben – was dem internationalen Seerecht krass widerspricht. Sie fordert Reparationen für Kriegsschäden, einen Abzug aller US-Truppen aus dem Nahen Osten, eine sofortige Aufhebung aller Sanktionen und ein Ende der israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon.
Wie gross sind die Erfolgsaussichten dieser Gespräche?
Schaut man sich die den Verhandlungen vorgelegten Forderungskataloge an, sieht man, dass die Positionen weit auseinanderliegen. Eine Verständigung auf einen Frieden ist entsprechend einzig dann möglich, wenn beide Seiten erhebliche Zugeständnisse machen, von ihren Maximalforderungen und den sogenannten «roten Linien» abrücken. Dass sie das tun, ist zumindest nicht gänzlich ausgeschlossen - jedenfalls, wenn sie nüchtern an die Sache herangehen und nicht ideologisch.
Welche Partei ist dringender auf eine Einigung angewiesen?
Beide Seiten stehen stark unter Druck, den Krieg zu beenden. Das iranische Regime ist militärisch enorm geschwächt und das Land wirtschaftlich am Boden. Die USA wiederum können mit einer Fortsetzung oder Wiederaufnahme des Kriegs kaum noch etwas erreichen, was sie nicht bereits erreicht haben. Gleichzeitig steigt der wirtschaftliche und der politische Preis dieses Kriegs mit jedem Tag, an dem er länger dauert. Ein hoher Preis für die ganze Welt, aber eben durchaus auch für die Amerikaner und für Präsident Trump.