Rund um das Aztekenstadion herrscht Baulärm statt Torjubel. Noch bis zum Anpfiff wird renoviert. Über 200 Millionen Franken flossen ins Stadion. Künftig finden über 80’000 Fans darin Platz. Weitere 350 Millionen gingen in den Ausbau des Flughafens, dazu kommen Velowege und modernisierte Metrostationen.
Octavio de la Torre, Präsident des Dachverbands für Handel und Tourismus Concanaco, ist überzeugt: «Wenn man in die Infrastruktur investiert, denkt man nicht nur an die Weltmeisterschaft. Diese Investitionen werden Bestand haben.» Die rund fünf Millionen WM-Besuchenden sollen Mexiko Einnahmen von drei Milliarden Franken bescheren.
Die Hoffnung: Dank verbesserter Infrastruktur sollen die Fussballfans schon bald als Touristen ins Land zurückkehren.
WM beschleunigt Gentrifizierung
Doch manch Einheimischer spürt auch die Schattenseiten. Daniel Castillo, Barbetreiber beim Stadion, berichtet von Wasserknappheit durch neue Leitungen. Während der Spiele drohen zudem Alkoholverbote und Strassensperren.
Gleichzeitig führt der Bauboom, der durch die WM-Vergabe mitbeschleunigt wurde, zu höheren Mieten und Lebenshaltungskosten. Wohlhabende Zuzüger verdrängen in der Gegend rund ums Stadion langjährige Bewohnerinnen.
Journalistin Eliana Gilet beobachtet dies seit Jahren: «Das war mal ein Dorf, ein Quartier, das von den Bewohnern selbst erbaut wurde. Solche Bauvorhaben führen zu Nachbarschaftskonflikten. Das Viertel verliert sein Gesicht.»
Paradox: Viele Wohnungen stehen leer oder werden auf Plattformen wie Airbnb an WM‑Gäste vermietet – und fehlen auf dem regulären Wohnungsmarkt. Staatliche Gegenmassnahmen greifen laut Beobachtern bislang kaum.
Tickets als Luxusgut
Noch ist die WM‑Euphorie gedämpft. Sportmoderatorin Vianey Zárate von «Canal Once» sagt: «Für viele ist ein Ticket so teuer wie drei bis vier Monatslöhne. Selbst wenn du einen Monat auf alles verzichtest, reicht es kaum für ein halbes Ticket.»
Die WM vor der eigenen Haustür bleibt damit für viele unerreichbar weit weg. Dass das Aztekenstadion nach dem Umbau offiziell den Namen einer mexikanischen Grossbank tragen wird, ist für viele Fans ebenso unverständlich. Dennoch glaubt Zárate: «Die Begeisterung beim Fan-Fest im Zentrum von Mexiko-Stadt wird spürbar sein. Und die Bürgermeisterin hat den Tag des Eröffnungsspiels gar zum Feiertag erklärt.»
Angespannte Sicherheitslage
Parallel rüstet der Staat auf: 100’000 Soldaten sollen die Austragungsorte sichern. Nach Gewaltausbrüchen im Umfeld von Drogenkartellen im Februar bleibt die Lage angespannt.
Sicherheitsexperte Raúl Benítez Manaut warnt vor möglichen Anschlägen, sieht die Situation derzeit aber unter Kontrolle – auch dank möglicher informeller Absprachen zwischen Regierung und kriminellen Gruppen.
Mexiko schreibt Geschichte mit der dritten WM‑Eröffnung im selben Stadion. Ob neben Fifa, Bauwirtschaft und Tourismus aber auch die Einheimischen längerfristig profitieren, wird sich erst lange nach der Pokalübergabe zeigen.