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Gaza, Teheran, Moskau Steve Witkoff – Trumps Mann für alles und jedes

Seit einem Jahr taucht in der internationalen Berichterstattung immer wieder ein Name auf, den zuvor noch kaum jemand gehört hat: Steve Witkoff, 68-jährig, Immobilienhändler. Mit Donald Trump verbindet ihn eine vierzigjährige Freundschaft. Sie beruht auf drei Gemeinsamkeiten: der Herkunft aus New York, der Berufstätigkeit im Immobiliengeschäft und Golf als Steckenpferd. Und natürlich das Vertrauen Trumps in Witkoff und dessen offenbar unerschütterliche Loyalität zu Trump und Bewunderung für diesen.

Schon bevor Trump sein Amt antrat, diente ihm Witkoff als diplomatischer Strippenzieher. Es ging damals darum, die Beziehungen zu jenen Republikanern zu kitten, die auf Distanz zu Trump gegangen waren, etwa die frühere UNO-Botschafterin Nikki Haley.

Erfolg, Entsetzen und ein gescheiterter Versuch

Auf dem internationalen Parkett herrschte zunächst Verblüffung über die Rolle, mit der Trump Witkoff betraut hat. Er war ein völlig unbeschriebenes Blatt und Novize in der internationalen Diplomatie. Und erntete Hohn und Spott. Doch der Präsident misstraut offenkundig all den bewährten US-Topdiplomaten mit Sach- und Länderkenntnissen. Ihr Fehler: Sie hatten auch unter anderen Präsidenten gedient. Witkoff ist Trumps Mann.

Mal war er erfolgreich, mal strauchelte er auf der diplomatischen Weltbühne. Eine positive Rolle spielte Witkoff beim ersten kurzen Waffenstillstand in Gaza und der Befreiung mehrerer israelischer Geiseln. Entsetzen löste indes die von ihm mitentwickelte Idee aus, Gaza zu einer Riviera für die Schönen und Reichen zu machen und dafür die Palästinenser in Nachbarländer umzusiedeln. Krachend scheiterte ebenfalls sein Versuch, den Iran wieder einzubinden in ein Atomabkommen.

Am Gaza-Plan, der eine Lageberuhigung brachte, wenngleich noch keine nachhaltige Lösung absehbar ist, war Witkoff ebenfalls beteiligt. Hier fiel aber auf US-Seite die Hauptrolle nicht ihm zu, sondern Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

Putins Ohr gesichert

Am heftigsten umstritten ist Witkoffs Vermittlertätigkeit im Ukraine-Krieg. Schon mehrfach und bisweilen stundenlang traf er den russischen Präsidenten Wladimir Putin, fand also beim Kreml-Herrn offenkundig Gehör. Das ist von Vorteil. Allerdings wird immer deutlicher, dass er sich Putins Ohr gesichert hat, indem er voll und ganz russische Positionen vertritt. In den vergangenen Tagen publik gewordene Dokumente zeigen, wie er den Russen half, Trump und sein Umfeld zu umgarnen. Mit einigem Erfolg. Der 28-Punkte-Ukraine-Plan, der weitgehend einem russischen Weihnachtswunschzettel gleicht, wurde von der Führung in Washington als US-Plan übernommen.

Dies, obschon der Plan die langfristigen sicherheitspolitischen Interessen der USA nicht abbildet. Und jenen Europas krass zuwiderläuft. Von den ukrainischen ganz zu schweigen. Die Ukraine, ihre Anliegen und ihr Schicksal scheinen Witkoff nicht zu interessieren. Während er emsig nach Moskau reist, meidet er Kiew. Willkommen wäre er dort ohnehin nicht mehr.

Welche Werte und Prinzipien Steve Witkoff vertritt, sind von aussen nicht erkennbar. Im persönlichen Umgang gilt er, anders als sein Mentor Trump, als angenehm, unterhaltsam und zurückhaltend. Seine Aktivitäten basieren nicht auf einer Strategie mit Analyse des Ist-Zustands, den US-Zielen und einem definierten Weg, um diese zu erreichen. Es scheint, als sei für Witkoff ein «Deal» ein «Deal». Egal ob es um einen Hauskauf geht oder um das Schicksal von zig Millionen Ukrainern.

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent

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Fredy Gsteiger ist diplomatischer Korrespondent und stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

Hier finden Sie weitere Artikel von Fredy Gsteiger und Informationen zu seiner Person.

Heute Morgen, 26.11.2025, 6 Uhr

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