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Gefangenenaustausch in Zürich Noch kein Tauwetter zwischen USA und Iran

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Gefangenenaustausch zwischen USA und Iran
Aus Tagesschau vom 07.12.2019.
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Es ist ein überraschender Moment des persönlichen Glücks: US-Bürger Xiyue Wang ist nach drei Jahren in iranischer Gefangenschaft frei. Der Gefangenenaustausch in Zürich sorgt in den USA für grosse Schlagzeilen. Neben Wangs Angehörigen und Freunden ist die Freude auch an der renommierten Princeton-Universität gross, wo Wang studiert hatte. Studenten und Angestellte der Uni hatten in der Vergangenheit für seine Freilassung demonstriert.

Keine Anzeichen für Dialog

Durchaus möglich, dass der Verhandlungserfolg – unter tatkräftiger Mithilfe der Schweiz – das Vertrauen zwischen den USA und dem Iran fördert. In offiziellen Mitteilungen zeigt sich das Weisse Haus denn auch hoffnungsvoll, dass der Iran nun auch Offenheit für Verhandlungen über alle anderen Themen zeigen könnte, insbesondere das Atomwaffen-Programm.

Doch hinter den Kulissen tönt es offenbar anders. Die «New York Times» zitiert mehrere ranghohe Vertreter der Administration, die keine Anzeichen für einen breiteren Dialog mit dem Iran sehen. Im Gegenteil, die Krise zwischen den beiden Ländern hat sich in den letzten Wochen weiter verschärft.

Da sind zum einen die Meldungen, dass die Trump-Administration die Entsendung von bis zu 14'000 weiteren Soldaten in den Nahen Osten prüfe. Während sich die USA von anderen Konfliktplätzen zurückziehen, verstärken sie ihre Drohkulisse gegenüber dem Regime in Teheran weiter. Das erhöht zugleich aber auch das Risiko für iranische Gegenaktionen.

US-Position gestärkt

Da ist zum anderen aber auch die angespannte Situation im Iran selbst. Im November schlug das Regime Demonstrationen mit äusserster Härte nieder. Dabei seien bis zu tausend Menschen getötet worden, heisst es vonseiten der US-Regierung. Andere Quellen sprechen von mehreren Hundert Toten, verifizierbare Zahlen gibt es nicht.

Die Trump-Administration dürfte dies als Zeichen deuten, dass die Sanktionen gegen das Regime Wirkung zeigen: Die iranische Bevölkerung, die unter den Sanktionen leidet, begehrt auf. Somit haben die USA aus ihrer Sicht zurzeit keinen Grund, nachzugeben.

Hoffnung für Gefangene

An der grundsätzlichen Ausgangslage hat sich also nichts geändert: Der Iran ist nur zu Verhandlungen bereit, wenn die USA die Sanktionen umgehend aufheben. Für Trump kommt das nicht in Frage.

Neuer Optimismus dürfte aber bei anderen Inhaftierten in den beiden Ländern aufkommen. Mindestens fünf Menschen mit US-Pass sitzen derzeit in iranischer Gefangenschaft, womöglich sind es noch mehr. Der Verhandlungsweg über die Schweiz scheint zu funktionieren, der aktuelle Erfolg nährt also zumindest die Hoffnung auf weitere Freilassungen.

Thomas von Grünigen

Thomas von Grünigen

USA-Korrespondent, SRF

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Thomas von Grünigen ist seit Januar 2015 SRF-Korrespondent in New York. Zuvor arbeitete er in der «Rundschau»-Redaktion von SRF. Seine ersten Schritte im Journalismus machte er beim US-Sender ABC News und beim Lokalsender TeleBärn. Er hat an den Universitäten Freiburg und Bern sowie an der American University in Washington DC Medienwissenschaft, Journalistik und Anglistik studiert.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Ich staune, dass der Iran diesen modernen westlichen Business Jet überhaupt noch flugtüchtig halten kann. Oder ist das Getöse um den Boykott des Iran doch nicht ganz so ernst zu nehmen?
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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Weshalb setzt sich die Schweiz nicht auch für schweizer Gefangene, Whistleblower, Unterdrückte und Ausgebeutete so ein?
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Denken sie an die Schweizerische Vetternwirtschaft. Beispiel Graubündner Baufirmenskandal.
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  • Kommentar von Christian Szabo  (C. Szabo)
    Den USA ging es nie um Ausgleich, sondern immer nur um Raub in ganz grossem Stil. Das Schicksal von Menschen ist ihnen egal. Es wird höchstens zu Propaganda-Zwecken missbraucht.
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    1. Antwort von Matthias Sommer  (abcdef)
      Wahrscheinlich ist das bei Staaten generell so, bei grösseren wohl in stärkerem Ausmass als bei kleineren. Wenn ich aber die Verbrechen Russlands als kompetitiv-autoritäre Demokratie und Chinas als Diktatur anschaue, ist mir USA dann doch noch lieber!
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    2. Antwort von R. Raphael  (R.Raphael)
      @Sommer. Also wenn ich mir die Kriegsbilanz der USA seit 9/11 anschaue mit 6 Billionen Ausgaben und 3.4 Mio Toten in 81 Ländern, dann sind mir die Chinesen weit lieber, die in der selben Zeit 400 Mio.aus der Armut geholt haben, und auch Russland, das den Komunismus trotz westlicher Sanktionen überwinden konnte. Übrigens plädieren beide Länder, im Gegensatz zum Hegemonialen Anspruch der USA, für eine multipolare Welt.
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    3. Antwort von Matthias Sommer  (abcdef)
      Quod erst demonstrandum, mister Raphael. China mit ihrer äusserst aggressiven Politik in Südostasien hat es geschafft, dass sogar Vietnam nebst diversen anderen Staaten USA Verbündete sind. Von den Überwachungssystemen gegen ihre Leute und den Lagern der Uiguren will ich mal nicht anfangen. Die russische Unterdrückung von Meinungsfreiheit, deren Drohungen gegen das Baltikum/Polen, die Bombardierung von Spitälern in Syrien, ja der russische Chauvinismus generell ist keinen Deut besser!
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