Das steht in dem Bericht: Laut einem europäischen Geheimdienst hält sich Russlands Präsident Wladimir Putin aus Sicherheitsgründen kaum mehr in seinen Residenzen auf und verbringt mehr Zeit auf besonders gesicherten Stützpunkten. Sein Personal – Köche, Leibwächter, Fotografen – darf keine Mobiltelefone mit Internetzugang benutzen. Dass sich Putin aus Sicherheitsgründen abschottet, ist zwar nichts Neues. Seit März 2026 sei man im Kreml aber besonders alarmiert, so der Bericht: Putin befürchte einen Putschversuch oder sogar ein Attentat aus der eigenen Machtelite.
Die Glaubwürdigkeit: «Westliche Geheimdienste waren nie die verlässlichste Quelle», so SRF‑Russlandkorrespondent Calum MacKenzie – auch diese wüssten nicht alles und hätten ein Interesse, gewisse Narrative über Russland zu streuen. Doch der Bericht wurde neben anderen Medien dem russischen Exilmedium «iStories» zugespielt, das Teile des Berichts unabhängig hat verifizieren können. Mehrere Quellen im russischen Staatsapparat bestätigten etwa, dass Putin an die Gefahr eines Putsches glaube. «Auch wenn in diesem Bericht nicht alles verifiziert werden kann und man ihm mit einer gesunden Skepsis begegnen sollte, sagt er etwas über die Stimmung im Kreml aus», so MacKenzie.
Vor wem soll Putin Angst haben? Der russische Präsident fürchte sich laut Bericht vor Leuten in der eigenen Machtelite: Politiker, Beamte im Staatsapparat oder gewichtige Figuren in der Privatwirtschaft. Sie würden immer unzufriedener, da auch sie neu unter den massiven Einschränkungen des Internets in Russland leiden, sagt Calum MacKenzie. Dass Putin wegen der Wirtschaftslage in der Bevölkerung immer unbeliebter wird, mache zudem lokale Machthaber nervös, weil sie bei den Parlamentswahlen im Herbst dem Kreml gute Resultate liefern sollen. Der SRF-Korrespondent glaubt aber nicht, dass ein Putsch bevorsteht: «Erstens ist die Lage noch keine akute Krise. Und die Elite ist nicht einfach ein Block, der geschlossen handelt, sondern besteht aus vielen kleinen Gruppen, die einander überwachen und jeweils selbst vor der Repression Angst haben.»
Kampf um Ressourcen: Politik, Bürokratie, Geheimdienst, Militär, Rüstungsindustrie, Privatwirtschaft – sie alle seien Teile des Systems, bildeten aber verschiedene Gruppen und Netzwerke, sagt MacKenzie. Diese Gruppen kämpften um Macht und Staatsgelder – darauf beruhe das ausbalancierte System Putins. Doch durch den Ukraine-Krieg fliesse nun viel Geld in Militär und Sicherheit, während die zivile Wirtschaft darbe. Die zivilen Gruppen in der Elite kämpften um stark reduzierte Geldflüsse. Das könne zu verschärften Zerwürfnissen führen, so MacKenzie. «Sie müssen den Gürtel enger schnallen und sind daher weniger von Putins Sache überzeugt.»
Wie gefährlich ist das alles für Putin? Im Vergleich zu 2025 hat sich die Situation der Elite deutlich verschlechtert. Die Wirtschaft läuft schlechter, militärische Fortschritte im Krieg gegen die Ukraine bleiben aus und die Repression schränkt nun alle tagtäglich ein, nicht mehr nur Regimekritiker. Doch: «Von einem Putsch oder einem Attentat sind wir sehr weit entfernt», so die Einschätzung von SRF-Korrespondent Calum MacKenzie. «Aber Putin hat Grund zur Besorgnis.»