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Adnan Tabatabai: «Mit der Tötung wurde ganz klar eine rote Linie überschritten»
Aus SRF 4 News aktuell vom 03.01.2020.
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General Soleimani getötet «Iran wird jetzt Amerikaner töten wollen»

Die Tötung des iranischen Al-Kuds-Chefs Ghassem Soleimani durch die USA werde zu einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran führen, befürchtet der Iran-Spezialist Adnan Tabatabai.

Adnan Tabatabai

Adnan Tabatabai

Iran-Kenner

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Tabatabai ist Geschäftsführer des Forschungszentrums Carpo in Bonn (D). Der Iran-Experte berät unter anderem Bundestagsabgeordnete und das Auswärtige Amt zu politischen Fragen rund um Iran.

SRF News: Kommentatoren weltweit befürchten, der US-Angriff auf den iranischen General könne eine gefährliche Eskalation nach sich ziehen. Wie beurteilen Sie das?

Adnan Tabatabai: Mit der Tötung wurde ganz klar eine rote Linie überschritten. Seit dem Ende des Iran-Irak-Kriegs vor 40 Jahren ist kein so bedeutender iranischer Soldat getötet worden. Eine Eskalation ist vor allem die Tatsache, dass die USA die Operation offen und direkt durchgeführt haben.

Ist die von Iran angedrohte «schwere Rache» also ernst zu nehmen?

Auf jeden Fall. Auch wenn schwierig einzuschätzen ist, wie und wo Rache-Aktionen durchgeführt werden: Es ist leider alles denkbar.

Irak ist zum Schlachtfeld der amerikanisch-iranischen Spannungen geworden.

Der US-Luftschlag auf Soleimani erfolgte in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Was bedeutet das für die Beziehungen der USA zu Irak?

Irak ist zu einem Schlachtfeld der amerikanisch-iranischen Spannungen geworden. Dabei spielte Soleimani schon nach dem Einmarsch der USA in Irak 2003 eine wichtige Rolle, indem er versuchte, den Einfluss der Amerikaner möglichst klein zu halten. Mit der Trump-Regierung wurde der Stellvertreterkrieg in Irak dann stark befeuert. Dass Soleimani jetzt in Bagdad getötet wurde, passt genau in dieses Bild.

Soleimani war in Iran eine der populärsten Figuren.

Soleimani galt als Top-Stratege des iranischen Militärs. Was ist über ihn bekannt?

Er war Kommandant der Al-Kuds-Brigaden. Diese setzt Iran ein, um die militärische Unterlegenheit gegenüber Israel und den USA zu kompensieren. Dazu werden in verschiedenen Ländern der Region – in Libanon, Syrien oder Irak – Gleichgesinnte unterstützt. So soll eine Abschreckung der USA entwickelt werden. Soleimani war dabei der klar wichtigste Mann Irans.

In Iran gilt Soleimani unbestritten als eine der populärsten Figuren überhaupt. Das veranschaulicht die gefährliche Dimension der Tötung Soleimanis durch die US-Armee: Er war nicht irgendein Terroristenchef wie Bin Laden, sondern ein in der Region sehr populärer Mann. Die iranische Bevölkerung wird die angedrohte Rache deshalb sicher mittragen.

Einst ein Gesprächspartner der USA

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Einst ein Gesprächspartner der USA

Al-Kuds-Chef Soleimani hat mitunter auch mit den USA Gespräche geführt – so etwa 2001. Damals sprachen Washington und Teheran direkt miteinander über die Zukunft Afghanistans nach der Invasion der USA. Soleimani war Mitglied der iranischen Delegation, die mit den Amerikanern die Installation des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai vereinbarte. (Adnan Tabatabai)

Was bedeutet der Verlust Soleimanis politisch für Iran?

Die Iraner haben eine Figur verloren, die viele Fraktionen für eine politische Sache im Ausland vereint hatte – den Widerstand gegen die USA. Auch wenn Soleimani nicht einfach zu ersetzen sein wird, wird der politische Widerstand gegen die USA jetzt eher verstärkt werden. Iran wird den Amerikanern Schaden zufügen wollen – auf verschiedenste Weise und koste es, was es wolle.

Iran könnte auch in den USA eine Rache-Aktion durchführen.

Was heisst das?

Für alle US-Militärbasen und -truppen in der Region gilt jetzt höchste Alarmbereitschaft. Dort ist Iran in der Lage, fatale Operationen durchzuführen. Auch befürchte ich, dass die Iraner dabei gezielt Amerikaner töten wollen. Es ist aber auch denkbar, dass Iran eine Operation in den USA selber durchführen könnte – auch wenn es für Teheran einfacher ist, in seiner unmittelbaren Nachbarschaft gegen die USA vorzugehen.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

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