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Schwierige Logistik nach dem Brückeneinsturz in Genua
Aus Echo der Zeit vom 23.08.2018.
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Genua nach dem Brückeneinsturz Auf die Hafenstadt kommen schwierige Zeiten zu

Genua beherbergt Italiens grössten Hafen: Ohne die Autobahnbrücke fehlt nun eine wichtige Lebensader für die Wirtschaft.

Noch im vergangenen Jahr hat der Güterumschlag im Hafen von Genua zugenommen. Das werde sich aber nicht wiederholen, sagt Paolo Emilio Signorini. Der Chef der Hafenbehörde Genuas rechnet damit, dass seine Leute ohne den Autobahnviadukt bis zu zehn Prozent weniger Waren umschlagen werden. Er erwartet Verluste: «Ohne die Brücke fehlt das Bindeglied zwischen den verschiedenen Hafenbecken Genuas.»

Damit ein Sattelschlepper Waren von verschiedenen Schiffen aufnehmen könne, müsse er nun weite Umwege fahren: «Unter dem Strich sind das Mehrkosten und so ein Wettbewerbsnachteil.»

Frau blickt auf die Morandi-Brücke
Legende: Nach der Katastrophe steht die Hafenmetropole auch vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Reuters

Der einzige Lichtblick, den Signorini ausmachen kann: Die Versorgung der Bevölkerung und der Industrie in der Po-Ebene über den Hafen Genua sei ohne Abstriche gewährleistet: «Trotz des Einsturzes der Brücke ist die Po-Ebene weiterhin gut erreichbar.» Denn der Einsturz betreffe vor allem den Strassenverkehr von Ost nach West, nicht aber jenen nach Norden.

Trotzdem bleiben die Mehrkosten für die schwierigere Logistik zwischen den Hafenbecken. Die Hafenverwaltung hofft darum auf den Staat. Sie möchte einen Teil dieser Mehrkosten kompensieren durch Zuschüsse, die der Staat nach der Katastrophe in Aussicht gestellt hat – zumindest vorübergehend.

Genua soll vom Gotthard-Basistunnel profitieren

Langfristig hat der Chef der Hafenbehörde eine andere Strategie. Signorini möchte unabhängiger werden von der Strasse und zunehmend Güter auf die Schiene verlagern. Dabei helfe auch der Gotthard-Basistunnel, der neue Kunden in der Schweiz und in Süddeutschland bringen werde.

Spielverderber ist aber der Apennin. Denn der neue, schnelle Eisenbahntunnel unter der Gebirgskette nördlich von Genua lässt weiter auf sich warten. Auch deshalb kommen und gehen noch immer 85 Prozent der in Genua verschifften Güter über die Strasse.

Antike Strasse als Ausweichroute

Paradoxerweise sind seit dem Einsturz des Autobahnviadukts gar noch mehr Waren auf der Strasse unterwegs. Sie zwängen sich irgendwie über jene Küstenstrasse, die es seit der Römerzeit gibt: die altehrwürdige Aurelia. Denn die Trümmer der Morandi-Brücke fielen ausgerechnet auf eine der beiden Eisenbahnlinien, die Genua mit Mailand und Turin verbinden.

Die Trümmer richteten noch weitere Schäden an. Die riesigen Bruchstücke behindern den Zugang zu jener Industriezone, die sich unter und neben der Brücke befindet. Dort steht die Produktion still, auch hier ist mit Verlusten zu rechnen. «Für eine Schätzung ist es aber noch zu früh», sagt Giovanni Mondini, Präsident des Arbeitgeberverbandes in Genua.

Mit Einbussen rechnet Mondini auch, weil alle Unternehmen in und um Genua über Monate oder gar Jahre hinaus mehr für den Transport ihrer Waren aufwenden müssen: «Wegen des Brückeneinsturzes müssen die Camionneure Umwege von bis zu 130 Kilometern fahren. Das kostet und bringt Wettbewerbsnachteile.»

Die eingestürzte Brücke und die Strassen seien das eine, sagt Mondini. Aber auch sonst stehe es um die Infrastruktur in der Hafenstadt mitnichten bestens. Die Industriellen hätten immer wieder bemängelt, dass man zu wenig investiere, zum Beispiel in den Hafen oder in die Eisenbahn.

Blick auf den Hafen von Genau
Legende: Genua beherbergt den grössten Hafen Italiens: Die Infrastruktur der Stadt hat aber schon bessere Tage gesehen. Reuters/Archiv

Die Stadt Genua zählt rund 600'000 Einwohner. Trotzdem gibt es kein leistungsfähiges S-Bahn-Netz. Arbeitgeber-Präsident Mondini möchte aber auch ein positives Beispiel erwähnen und kommt wie schon Hafen-Chef Signorini auf den neuen Eisenbahntunnel unter dem Apennin zu sprechen. Dieser werde Genua näher an die Metropolen Mailand und Turin bringen.

Italien als Ganzes hat keine ‹bella figura› gemacht.
Autor: Giovanni MondiniPräsident Arbeitgeberverband Genua

Das ist eine Chance – und die könnte Genua bestens brauchen. Denn Mondini rechnet neben dem finanziellen auch mit einem Reputationsschaden: «Italien als Ganzes hat keine ‹bella figura› gemacht.» Der Arbeitgeber-Präsident hofft, dass man die tragischen Bilder des Brückeneinsturzes und Genua nicht allzu lange miteinander in Verbindung bringe oder gar gleichsetze.

Video
Überwachungsvideo zeigt den Viadukt-Einbruch in Genua (unkommentiert)
Aus News-Clip vom 20.08.2018.
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13 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Schmidlin  (Queren life)
    Der Brückeneinsturz könnte in Italien auch für eine Aufbruchstimmung sorgen. Ich würde es dem schönsten Land Europas nur wünschen.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Der Artikel übertreibt massiv. Klar diese Verbindung war schon wichtig um die Stadt zu entlasten, aber mit Verlaub, die LKW können den Ostteil des Hafens normal via A7 erreichen und den Westteil via A26/A10. Nur wer vom Ostteil des Hafens in den Westteil muss, der muss durch den Ort fahren und sage und schreibe ganze drei Kilometer auf der 4-spurigen "antiken Römerstrasse".....
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Der Unterschied Europa USA: In Europa jammern Bürokraten rum, während in den USA Macher anpacken. Die Brücke hätte längst mittels eines Stahltrestle unterstützt werden können, das fehlende Teil mittels eines Stahltrestle provisorisch ersetzt werden können und nächste Woche würde der Verkehr einigermassen wieder fliessen. Stattdessen streiten sich Juristen und Richter diskutieren über Freigaben... Leute... Leute... Italien und der EU fehlt ein Trump.
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    1. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      Wenn Trump so ein grossartigen Macher ist, wie kommt es, dass Teile Puerto Ricos nach 10 Monaten immer noch ohne Strom sind?
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      @Koch: In Puerto Rico hat jeder Strom und notfalls halt mit einem Generator. Nur weil Deutsche Medien was von sich geben heisst das noch lange nicht, dass das stimmt. War vor 4 Wochen geschäftlich dort und es gab "in allen Teilen" (so gross ist ja die Insel nicht) Strom.
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    3. Antwort von Urs Rothen  (UrsU)
      Vor nicht al zu langer Zeit ist in USA eine nigelnagel neus Fussgängerbrücke eingestürzt. Erinnern sie zich noch? Überigens nicht die erste.
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    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Italien fehlt kein Trump. Italien fehlt einfach ein Schalter für rationales Denken.
      Die waren doch schon immer so, liebenswerte Chaoten. Das musste mal so
      schrecklichö kommen.
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    5. Antwort von Erich Singer  (liliput)
      Sie sind ein ein hoffnungsloser Illusionist! Wir sind hier im Chaoten-und Mafialand Italien!!
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    6. Antwort von Sascha Stalder  (Sascha Stalder)
      Na klar, man nehme doch ein paar Stahlträger aus dem Lager und schweissen uns eine über 200m lange Stahltrestle für einen vierspurigen Fahrbahnbelag und nächste Woche fahren wir darüber. Warum sind wir nicht früher darauf gekommen! In einem haben sie recht, Trump wäre eine solche Aussage durchaus zuzutrauen. Ich würde mal sagen in gewissen teilen der USA sieht die Infrastruktur mindestens so schlecht aus wie in Italien.
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    7. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die Italiener hatten schon ihren Trump - ausser Spesen nix gewesen:-)
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    8. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Dank Trumps Steuererleichterungen für die reiche Elite fehlt das Geld für die marode Infrastruktur, deren Erneuerung von Obama initiert wurde, aber von Trump gestoppt. Ein Macher, ja klar.
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