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Geopolitische Veränderungen Chinesische Studierende verlieren das Vertrauen in die USA

Für Studierenden in China waren die USA lange Zeit die Zieldestination. Das allerdings ändert sich gerade.

Ein 20-jähriger Mathematikstudent, der gerade den Campus der renommierten Fudan Universität in Schanghai verlässt, sagt, er plane ein Masterstudium im Ausland. Aber gewiss nicht in den USA, denn er wisse nicht, ob er von da lebend zurückkommen würde.

Ich habe Bedenken bezüglich der Sicherheit, deshalb denke ich gar nicht erst über ein Studium in den USA nach.
Autor: Wirtschaftsstudentin Fudan Universität Schanghai

Seine Zuspitzung zeigt das Stimmungsbild bei den Studentinnen und Studenten hier. Auch eine 20-jährige Wirtschaftsstudentin sagt: «Ich habe Bedenken bezüglich der Sicherheit, deshalb denke ich gar nicht erst über ein Studium in den USA nach.»

Abnehmendes Interesse

Zu gefährlich, zu unsicher und zu teuer sei es heute für viele, in den USA zu studieren. Das sagen verschiedene Agenturen, die Studienplätze vermitteln, gegenüber SRF. Früher hätte man die Mühen und Kosten für einen Abschluss in den USA noch als eine Investition gesehen. Dieser garantiere heute aber nicht mehr unbedingt einen besseren Job. Auch deshalb geht die Zahl der Chinesinnen und Chinesen, die in den USA studieren, deutlich zurück.

Die Geopolitik beeinflusst stark, wo man zum Studieren hingeht.
Autor: Zheng Jinlian Forscherin beim chinesischen Think Tank CCG

Zu Spitzenzeiten vor Covid waren über 370'000 Studierende aus China an US-Hochschulen eingeschrieben. Aktuellen Schätzungen zufolge sind es bereits 30 Prozent weniger. Die Tendenz ist abnehmend. Eine Entwicklung, die sich auch in umgekehrter Richtung zeigt. In China ist die Anzahl der Studierenden aus den USA von 15'000 auf 2'000 gefallen.

Rivalität zwischen China und den USA

Forscherin Zheng Jinlian, die für den chinesischen Think Tank CCG einen jährlichen Bericht über Auslandstudien verfasst, sagt: «Die Geopolitik beeinflusst stark, wo man zum Studieren hingeht.»

Schild: Umweg, darunter steht Harvard University
Legende: Renommierte US-Universitäten wie beispielsweise Harvard ziehen viel weniger chinesische Studierenden an als früher. Imago/Scott Brauer

Die Rivalität zwischen China und den USA verunsichere: «Die Sicherheit ist die erste Sorge. Dann kommen die Risiken bezüglich Visum dazu und die Angst, in den USA unfair behandelt zu werden aufgrund der chinesischen Nationalität.» Berichte von chinesischen Studentinnen und Studenten, die bei der Passkontrolle in den USA stundenlang befragt und trotz gültiger Visa abgewiesen wurden, prägen die derzeitige Gefühlslage.

Ein Treffen auf höchster Ebene kann die Angst vor Visumsproblemen verringern und das Vertrauen wieder stärken.
Autor: Zheng Jinlian Forscherin beim chinesischen Think Tank CCG

Forscherin Zheng sagt, dass das Treffen zwischen Trump und Xi einen wichtigen Impuls geben könnte: «Ein Treffen auf höchster Ebene hat in der Regel Auswirkungen auf die Mobilität von Studierenden – in beide Richtungen. Wenn sich die Staats- und Regierungschefs treffen und Stabilität sowie Dialog betonen, beruhigt das die Sorgen und signalisiert bessere bilaterale Beziehungen. Das kann die Angst vor Visumsproblemen verringern und das Vertrauen wieder stärken.»

Für den Moment rücken für die chinesischen Studierenden jedoch zunehmend andere Länder in den Fokus: insbesondere Grossbritannien und Australien, Südkorea, Japan oder etwa Malaysia.

Grossbritannien ist wohl die beste Option. Vielleicht wähle ich für den Master auch eine hiesige Uni.
Autor: Mathematikstudent Fudan Universität Schanghai

Dies sind Länder, die auch bei den Fudan-Studentinnen und -Studenten in Shanghai hoch im Kurs liegen: «Ich plane, nach Grossbritannien zu gehen. Unsere Uni hat dort Kooperationen. Freunde von mir gehen nach Australien und Hongkong.»

Auch der Mathestudent, der in den USA Angst hätte, sagt: «Grossbritannien ist wohl die beste Option. Vielleicht wähle ich für den Master auch eine hiesige Uni. Vielleicht, ich weiss es nicht.» Die geopolitischen Spannungen hinterlassen spürbare Verunsicherungen.

Rendez-vous, 13.05.2026, 12.30 Uhr;liea

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