Im Strudel der politischen Massnahmen, die Trump seit einem Jahr verkündet, gerät seine erste Amtszeit von 2017 bis 2021 in den Hintergrund. Bereits damals hatte er sich in einen Zollkonflikt gestürzt, teilweise mit der EU, vor allem aber mit China.
Es begann im Februar 2018 mit Zöllen auf Waschmaschinen und Solarpanels. Im Sommer und Herbst desselben Jahres führten die USA einen Zollsatz von 10 Prozent auf eine breite Palette chinesischer Importe ein. Trumps Versprechen: Man werde Jobs zurückbringen in Gegenden, die Deindustrialisierung und Arbeitsplatzabbau erfahren hatten.
Er konnte es nicht einlösen. Das zeigt eine Studie, die die Universität Zürich gemeinsam mit den US-Universitäten Harvard und MIT sowie der Weltbank vergangenen Oktober veröffentlicht hat. Die Importzölle hatten keine signifikanten positiven Effekte auf Beschäftigung oder Einkommen – weder kurzfristig noch auf längere Sicht.
Unternehmen reagierten unerwartet
Ein Grund sei, dass die amerikanischen Firmen ihre Produktion nicht ausgeweitet hätten, erklärt Mit-Autor David Dorn. Stattdessen hätten sie ihre Preise angehoben. Der Professor für Globalisierung und Arbeitsmärkte an der Universität Zürich sagt: «Die Firmen profitieren also. Sie können die gleiche Menge an Gütern zu höheren Preisen verkaufen. Aber dadurch werden kaum zusätzliche Jobs geschaffen.»
Die Leidtragenden seien die Konsumentinnen und Konsumenten. «Sie zahlen höhere Preise sowohl für Importgüter als auch für amerikanische Güter. Und sie profitieren nicht von einem Anstieg der Jobs.»
Gegenmassnahmen aus China
Einige Branchen verloren sogar Jobs. Beispielsweise die Landwirtschaft: Die USA gehören mit 176 Milliarden US-Dollar (Stand 2024) zu den grössten Exporteuren von Landwirtschaftsprodukten. Der ostasiatische Raum war nach Zahlen von 2024 hinter dem eigenen Land der wichtigste Markt.
China reagierte damals mit Gegenmassnahmen. Der durchschnittliche chinesische Zoll auf US‑Waren stieg in weniger als zwei Jahren laut Studie von 8.0 auf 21.8 Prozent an, der durchschnittliche US‑Zoll auf chinesische Waren von 3.1 auf 21.0 Prozent.
Am stärksten geschützt durch Zölle waren Bundesstaaten rund um die Grossen Seen im Norden sowie gewisse Südstaaten. Auch wenn die Studie dort weder mehr Jobs noch steigende Einkommen nachweisen kann, gewann Donald Trump Unterstützer. Dieser Effekt hielt an oder verstärkte sich sogar – bis zur Wiederwahl Donald Trumps 2024.
Man rechnet es Donald Trump offenbar hoch an, dass er sich für die Sorgen der Industriearbeiter interessiert.
«Viele Leute sagen, dass sie es richtig finden, dass die Regierung gegen die chinesische Konkurrenz vorgeht», so David Dorns Fazit aus den Befragungen. «Und man rechnet es Donald Trump offenbar hoch an, dass er sich für die Sorgen der Industriearbeiter im amerikanischen Kernland interessiert.» Die Wähler und Wählerinnen belohnten also die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wurde, ungeachtet dessen, ob sie wirklich profitierten.
Im Januar 2020 endete der Zollkrieg zwischen den USA und China vorübergehend mit einer Vereinbarung. Dennoch blieben Zölle bestehen, auch während der Regierung Biden. Aktuell gelten – nach einer Zollspirale voller Drohungen und Exportbeschränkungen – seit November reziproke Zölle von 10 Prozent. Auch wenn David Dorn eine konkrete Prognose noch für verfrüht hält, sagt er: «Klar ist, dass die Vorstellung, durch neue Zollschranken in grossem Stil Industriejobs zurückzubringen, wohl wenig Aussicht auf Erfolg hat.»