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Weitere Gewalt zwischen Israel und Palästinenser
Aus Tagesschau vom 15.05.2021.
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Gewaltspirale im Nahen Osten Israels Luftwaffe zerstört Hochhaus mit Medienbüros in Gaza

  • Die israelische Armee hat ihre Angriffe auf den Gazastreifen auch am Samstag fortgesetzt. Dabei wurde ein Gebäude zerstört, in dem unter anderem der Sender Al Dschasira aus Katar und die US-Agentur AP ihre Büros haben.
  • Auch in Tel Aviv ist erneut Raketenalarm ausgelöst worden. In der Stadt waren Warnsirenen und Explosionen am Himmel zu hören.
  • Aus dem Gazastreifen haben laut dem israelischen Militär militante Palästinenser Raketen auf die Wüstenstadt Beerscheva im Süden Israels sowie auf weitere Grenzorte abgefeuert.

Israels Luftwaffe hat am Samstag nach Medienberichten ein 14-stöckiges Hochhaus im Gazastreifen zerstört, in dem Medienunternehmen wie Associated Press (AP) und der TV-Sender Al Dschasira ihre Redaktionsbüros hatten. Die Bewohner waren zuvor aufgefordert worden, das Gebäude zu verlassen. Es ist das fünfte Hochhaus, das Israels Armee seit Montag zerstört hat.

Biden telefoniert mit Netanjahu und Abbas

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Nach der Zerstörung eines von Journalisten genutzten Hochhauses in Gaza durch das israelische Militär haben die USA nach eigenen Angaben den Verbündeten an die Pflicht zum Schutz der Presse hingewiesen. Man habe Israel erklärt, «dass die Gewährleistung der Sicherheit von Journalisten und unabhängigen Medien eine vordringliche Aufgabe ist», sagte Präsidialamts-Sprecherin Jen Psaki am Samstag. Nach israelischen Angaben telefonierten Präsident Joe Biden und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Dieser habe Biden versichert, dass Israel alles tue, damit an den Kämpfen Unbeteiligte nicht zu Schaden kämen. Biden sprach auch mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, wie dessen Büro bekanntgab. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Abbas' Fatah-Bewegung ist die Erzrivalin der radikal-islamischen Hamas, die sich seit Montag die heftigsten Gefechte seit Jahren mit Israel liefert.

Die israelische Armee teilte bei Twitter mit, Kampfjets hätten ein Hochhaus angegriffen, in dem der Geheimdienst der islamistischen Hamas über «militärische Ressourcen» verfügt habe. Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms sagte nach der Zerstörung des Gebäudes, Tel Aviv solle sich auf eine «Antwort vorbereiten, die die Erde erschüttern lässt».

Nachrichtenagentur AP «schockiert» über Luftangriff

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Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) reagierte entsetzt auf die Zerstörung eines Hochhauses mit ihrem Büro im Gazastreifen bei einem israelischen Luftangriff. «Das ist eine unglaublich beunruhigende Entwicklung», teilte AP-Präsident Gary Pruitt mit. Man sei vorab über den Luftschlag auf das Hochhaus informiert worden. Ein Dutzend AP-Journalisten und freie Mitarbeiter seien rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden.

Raketen im Grossraum Tel Aviv

Bei einem Raketenangriff auf den Grossraum Tel Aviv war zuvor ein Mann im Vorort Ramat Gan nach Angaben von Sanitätern tödlich verletzt worden. Insgesamt schlugen laut der Polizei dort zwei Raketen ein. In der Küstenmetropole Tel Aviv wurde dreimal hintereinander Raketenalarm ausgelöst. Dies war die achte Angriffswelle auf Tel Aviv seit Dienstagabend.

In der israelischen Stadt Beerscheva wurde ein Haus von Raketensplittern getroffen. Auch die Küstenstädte Aschkelon und Aschdod wurden erneut angegriffen. Wie Israels Armee mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage acht Menschen ums Leben.

Tag der Nakba als Anlass zu neuer Gewalt?

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Am Samstag ist Tag der Nakba (Katastrophe). Die Palästinenser gedenken dann der Vertreibung und Flucht von hunderttausenden Palästinensern im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

Dieses Jahr fällt der Tag zusammen mit dem dritten Tag des Eid-al-Fitr-Festes, des sogenannten Zuckerfestes zum Ende des Ramadans. Im Zuge der Feierlichkeiten könnte es zu neuer Gewalt kommen.

Die israelische Armee griff weitere Ziele im Gazastreifen an. Die Luftwaffe habe mehrere Raketenabschussrampen und zwei Kampfeinheiten der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas beschossen, teilte die Armee mit.

Acht palästinensische Flüchtlingskinder getötet

Die amtliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa teilte mit, im Flüchtlingslager Schati sei ein Haus getroffen worden. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium sind dabei zehn Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet worden, darunter acht Kinder. Ein fünf Monate alter Junge überlebte den Angriff.

Auch in Beit Lahia im Norden des Küstenstreifens sowie an anderen Orten starben laut Wafa Zivilisten. Gemäss dem Gesundheitsministerium wurden seit Montag 140 Palästinenser im Gazastreifen getötet.

Zusammenstösse an israelisch-libanesischer Grenze

Im Osten und Norden Israels kam es an der Grenze zum Libanon zu Zusammenstössen. Nach Angaben der libanesischen Nachrichtenagentur NNA kamen dabei zwei Demonstranten aus Libanon ums Leben. Die israelische Armee geht davon aus, dass die Randalierer einen Terroranschlag im Dorf Metula im Norden Israels verüben wollten.

Von Syrien aus sind zudem drei Raketen nach Israel abgefeuert worden. Wie die israelische Armee mitteilte, ging eine davon auf syrischem Boden nieder. Es liegen keine Berichte über mögliche Schäden vor.

US-Spitzendiplomat in Tel Aviv angekommen

Die USA bemühen sich seit Tagen intensiv um eine Deeskalation im Konflikt. Nun haben sie einen offiziellen Vermittlungsversuch gestartet.

Wie die US-Botschaft in Israel am Freitagabend mitteilte, traf der Spitzendiplomat Hady Amr in Tel Aviv ein. US-Aussenminister Antony Blinken hatte ihn gebeten, sich mit Vertretern beider Seiten zu treffen.

Angebot Ägyptens ausgeschlagen

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Ein Angebot Ägyptens zur Vermittlung einer Feuerpause im Konflikt habe Israel abgelehnt, wie die deutsche Presseagentur (dpa) in Kairo aus Sicherheitskreisen erfahren hat. Die aufgebotenen ägyptischen Gesandten sollen am Donnerstag nach Tel Aviv gereist sein.

Bereits am Mittwoch hatte eine ägyptische Delegation im Gazastreifen Gespräche mit der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas geführt.

Der Konflikt zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas war zu Wochenbeginn eskaliert. Militante Palästinenser beschiessen Israel fortwährend mit Raketen – nach Angaben der israelischen Armee waren es zuletzt bereits 2300. Das Land reagiert auf die Angriffe mit massiven Gegenschlägen im Küstengebiet.

Raketen von Israel im Nachthimmel.
Legende: Das israelische Raketenabwehrsystem «Iron Dome» wehrte auch in dieser Nacht mehrere Raketenangriffe ab. Zeitgleich flog die israelische Luftwaffe eine Reihe von Einsätzen in den Gazastreifen. Reuters

SRF 4 News, 15.05.2021, 03:00 Uhr;

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150 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    Und wer hat zuerst Raketen auf Israel geschossen, noch einem lokalen Event in Jerusalem?
    1. Antwort von Ilir Iseni  (I.Iseni)
      @Belmi
      Ich würde nicht von einem Event, sondern von einer sehr ernst zu nehmenden Provokation seitens der israelischen Sicherheitskräfte sprechen. Wie würden Sie den reagieren, wenn eine sehr heilige Kirche kurz vor Weihnachten von der Polizei gestürmt würde oder wenn Menschen Ihrer Abstammung ethnisch gesäubert würden? Vielleicht sollten Sie Mal die Perspektive der Unterdrückten einnehmen. Es hilft, kognitive Verzerrungen zu reduzieren.
  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Die Terroristen der islamischen Hamas greifen unentwegt aus der Deckung von Wohngebieten im Gaza zivile Ziele in Israel mit tausenden von Raketen an unter jahrelanger Duldung der Palästinenser - wie ist wohl darauf zu reagieren? Wie würde in gleicher Situation die so immer wieder angegriffene Schweiz handeln?
    Es ist zu einfach diesen langen Konflikt in schwarz oder weiss zu sehen und die Palästinenser als Opfer zu bezeichnen. Die Demonstrationen bei uns gehören ebenso zur organisierten PR.
    1. Antwort von Ilir Iseni  (I.Iseni)
      Wie würden die Schweizer:innen handeln, wenn Italien ihr Land besetzen und ihnen grosses Unrecht antun würde? Wenn 2 Mio. Schweizer:innen in einem Freiluftgefängnis leben müssten? Wenn die italienische Polizei kurz vor Weihnachten in Bern eine Kirche stürmen würde? Wenn Bern ethnisch gesäubert würde, um Italiener:innen anzusiedeln? Fazit: Sie würden sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren, um auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam zu machen.
  • Kommentar von Ilir Iseni  (I.Iseni)
    Wenn mir jemand meinen Garten und mein Haus wegnehmen, mir die Wasserversorgung abstellen und meine Identität auslöschen würde, würde ich mich mit allen Mitteln wehren. Ob das Raketen sind und ob mich dabei die anderen Nachbarn als Terrorist einstufen, wäre mir s...egal.
    1. Antwort von Matt Frei  (sense against mainstream)
      @Iseni
      Sie haben bloss verschwiegen, dass sie zuvor mit allen anderen Nachbarn gemeinsam einen Krieg anfingen, um das eine Nachbarhaus dem Erdboden gleichzumachen und alle Bewohner zu vernichten.
    2. Antwort von Ilir Iseni  (I.Iseni)
      @Frei
      Sie haben bloss verschwiegen, dass das betreffende Nachbarhaus vorher mit britischer Hilfe und unter Vertreibung arabischer Nachbarn errichtet wurde. Dies, um das Unrecht, das der neue Nachbar zuvor im christlichen Europa durch Nazi-Deutschland erfahren hatte, auszugleichen.
    3. Antwort von Peter Belmi  (P.B.)
      Haus und Garten sind in Jerusalem, gibt das einem das Recht von Aussen Raketen 70 km weit auf den Nachbarn zu schiessen?
      Was wenn Algerien Raketen auf Frankreich feuern würde wegen der Unruhen mit Nordafrikanern in den Französischen Vororten?
    4. Antwort von Ilir Iseni  (I.Iseni)
      @Belmi
      Gewalt ist sicher keine Lösung, auch in diesem Kontext nicht. Mich stört es aber extrem, dass jede Handlung aus Gaza als terroristisch abgestempelt wird. Wie sollen diese Menschen den auf ihre Lage aufmerksam machen? Niemand nimmt sie ernst, während ihnen in Westbank Jahr für Jahr das Land, Grundlage für eine friedliche Zwei-Staaten-Lösung, genommen wird.