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Kein Tag zum Feiern für die meisten britischen Abgeordneten
Aus HeuteMorgen vom 30.01.2020.
abspielen. Laufzeit 02:30 Minuten.
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Goodbye Europäische Union Trotz Frust – die Zuversicht bleibt

Für 73 Abgeordnete des Vereinigten Königreichs ist es der letzte Arbeitstag im Europäischen Parlament. Am Samstag ist Grossbritannien nicht mehr Mitglied der Europäischen Union. Es ist kein Tag zum Feiern für die meisten britischen Abgeordneten – auch nicht für Irina von Wiese.

Irina von Wiese, Mitglied des Europäischen Parlaments.
Legende: Die Liberaldemokratin Irina von Wiese bleibt eine Remainerin – bis zum letzten Tag. imago images/Archiv

Sie war sieben Monate lang Abgeordnete aus dem Wahlkreis Westminster, temporär Berufspolitikerin, Mitglied des Europäischen Parlaments, und Liberaldemokratin. Wie es nun beruflich weitergeht, weiss sie nicht. «Keine Ahnung», sagt Irina von Wiese. Der gelbe Rollkoffer steht in der Ecke des Büros – aufräumen, abreisen. Sie glaube, zehn Kisten pro Abgeordneten seien das Maximum. «Das ist natürlich traurig, aber wir packen die ja nur vorübergehend», sagt sie.

Man spürt es: Irina von Wiese tut sich immer noch schwer mit dem Brexit. Sie will politisch in ihrer Heimat weiter dafür kämpfen, dass ihr Land eng mit der Europäischen Union verbunden bleibt. «Wir können ja jetzt nicht einfach nach Hause gehen und aufgeben», sagt sie.

Das ist natürlich traurig, aber wir packen die ja nur vorübergehend.
Autor: Irina von WieseMitglied des Europäischen Parlaments

Sie wird denen, die für den Brexit gestimmt haben, erklären, dass eine enge Anbindung an die EU weiterhin vorteilhaft für ihr Heimatland wäre. Entweder Grossbritannien folge den EU-Regeln weiterhin oder es tue es eben nicht, sagt sie und: «Und wenn es das nicht tut, dann verliert es tatsächlich seinen grössten Handelspartner und dann wird es sich tatsächlich ausverkaufen müssen, an die Amerikaner oder vielleicht noch schlimmer, an die Chinesen.» Diese hätten schon einen Grossteil der physischen Infrastruktur in Grossbritannien aufgekauft, erläutert sie. Das ist eine Befürchtung von von Wiese – mehr nicht.

Sie ist eine geborene Europäerin. Aufgewachsen ist sie in Köln, der Heimatstadt von Konrad von Adenauer. Mit 13 Jahren reiste sie für einen Schülerinnenaustausch das erste Mal nach Grossbritannien. «Es war eine Liebe auf den ersten Blick: Ich mag die Briten gerne; ich habe mich dort immer wohlgefühlt und ich habe mich vom ersten Tag an dort willkommen und zu Hause gefühlt.»

Wir können ja jetzt nicht einfach nach Hause gehen und aufgeben.

Nach dem Studium zog sie mit dem deutschen Anwaltspatent in der Tasche nach London. Die Anerkennung des Anwaltspatents war kein Problem – eine Errungenschaft der EU. Geplant war ein Jahr, es sind mehr als 20 Jahre sind daraus geworden. Im letzten Jahr erwarb sie zusätzlich den britischen Pass. «Ich bin überzeugt, dass Grossbritannien wiederkommt», erklärt sie. «Das Vereinigte Königreich wird in ein paar Jahren wieder bei der EU anklopfen.» Von Wiese bleibt eine Remainerin, bis zum letzten Tag.

SRF 4 News 30.1.2020

Video
Aus dem Archiv: Noch zwei Tage bis zum Brexit
Aus Tagesschau vom 29.01.2020.
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Charles Liebherr

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    Unsachlicher geht es einmal mehr nicht.
    Statt jetzt in GB die "Schulmeisterin" zu spielen, sollte die Frau einen Kurs besuchen, in dem man lernt, politische Entscheide zu akzeptieren und nicht noch während Jahren zu lamentieren. Spätestens nach zwei, drei Monaten sollte der Frust verarbeitet sein. Und was hindert sie - wohl Doppelbürgerin - nach Köln zu reisen, und sich dort bei nächster Gelegenheit für Deutschland in das EU-Parlament wählen zu lassen.
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  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Will Europa wirtschaftlich und politisch nicht in der Versenkung verschwinden, muss die EU erhalten bleiben. Denn andere Grossmächte allen voran die USA und China werden sonst die Weltgeschichte dirigieren. Wir Europäer sind dann nur noch Geiseln dieser Weltmächte. Dieser Prozess ist ja bereits im Gange. Also immer überlegen, bevor man die Idee eines vereinten Europas verteufelt.
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    1. Antwort von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
      Zusammen Geschäfte machen - wieso nicht. Aber, wieso muss "man" dafür seine politische Originalität aufgeben?
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  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Der 31, Januar 2020 wird als der Tag „ANFANG VOM ENDE“ eingehen. Eine EU mit 40.000 Angestellten wird es sehr bald nicht mehr geben.
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