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Feuer im Flüchtlingslager Moria (unkomm.)
Aus News-Clip vom 09.09.2020.
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Griechisches Flüchtlingslager Journalistin: «Brand in Moria ist Ironie des Schicksals»

Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos steht nach dem Ausbruch mehrerer Brände fast vollständig in Flammen. In der Nacht begannen die Behörden mit der Evakuierung des Lagers. Eine Ironie des Schicksals, sagt Journalistin Rodothea Seralidou. Denn aufgrund der unhaltbaren Zustände im Flüchtlingscamp sei es längst angezeigt gewesen, die Menschen herauszuholen. Jetzt brauchte es eine Brandkatastrophe.

Rodothea Seralidou

Rodothea Seralidou

Freie Journalistin

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Die Journalistin berichtet seit 2011 für SRF und ARD aus Griechenland. Sie lebt in Athen.

SRF News: Gibt es schon gesicherte Informationen zum Brand auf Lesbos?

Rodothea Seralidou: Der Brand hat das Camp fast komplett zerstört – Zelte rund um das offizielle Camp ebenso wie Wohncontainer im Inneren. Deshalb auch die Evakuation der Menschen. Zudem weiss man, dass sich die Brände in der Nacht schnell ausgebreitet haben und es zu einem Grosseinsatz der Feuerwehr gekommen ist. Starker Wind hat die Löscharbeiten enorm erschwert.

Über die Brandursache gibt es bislang unterschiedliche Angaben. Was wissen Sie darüber?

Griechische Medien berichten, dass die Brandursache Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Gruppen von Bewohnern des Flüchtlingslagers gewesen sein sollen. Nachdem 35 Flüchtlinge und Migranten positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sollten sie ausserhalb des offiziellen Lagers isoliert werden. Dagegen gab es Proteste.

Andere Bewohner des Camps sorgten sich aber um ihre Gesundheit und beharrten darauf, dass die positiv Getesteten und ihre engen Kontakte das Lager verlassen sollten. Zwischen diesen beiden Gruppen soll es zu Auseinandersetzungen und in der Folge auch zu Bränden gekommen sein. Man weiss aber nicht, wer diese Brände gelegt hat.

Am frühen Morgen hat sich der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas im staatlichen Fernsehen zu Wort gemeldet. Was hat er gesagt?

Er hat den Notstand für die Insel Lesbos erklärt und angekündigt, dass es am Vormittag eine Krisensitzung der zuständigen Minister geben wird, auch der Premier Kyriakos Mitsotakis wird teilnehmen.

Das Camp steht unter Quarantäne, die Menschen durften weder rein noch raus. Das hat sie psychisch enorm unter Druck gesetzt.

Sie wollen über eine Reaktion auf die Vorkommnisse beraten und prüfen, was aus den Camp-Bewohnern werden soll. Im Camp, das nun evakuiert wurde, haben knapp 13'000 Menschen gelebt. Sollen sie nun aufs Festland oder in andere Camps gebracht werden?

Das Flüchtlingslager ist seit Jahren überfüllt. Eigentlich hätten nur knapp 3000 Menschen darin Platz. Wie könnte es nun weitergehen?

Hilfsorganisationen, Aktivisten und auch die Flüchtlinge und Migranten selber fordern schon lange, dass die Menschen raus dem Lager kommen sollen. Dass es nun unter solchen Umständen passiert, ist eine Ironie des Schicksals.

Das Camp stand nun auch noch wegen dem Corona-Ausbruch unter Quarantäne, die Menschen durften weder rein noch raus. Das hat sie psychisch enorm unter Druck gesetzt. Man hätte nicht auf solch eine Katastrophe warten sollen, bis man die Menschen aus dem Lager lässt.

Das Gespräch führte Silvan Zemp.

SRF 4 News, 09.09.2020, 08:06 Uhr;

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Fabio Skalpell  (Fabio Skalpell)
    Eine humanitäre Katastrophe als "Ironie des Schicksals" zu bezeichnen, finde ich geschmacklos gegenüber den Betroffenen. Ansonsten bin ich mit der Autorin einverstanden.
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Ich gebe den Migrationsgegnern recht, wenn sie sagen, Migration könne nicht die Lösung für das Armutsproblem sein. Es ist dann aber ausserordentlich störend, wenn je nach Zeitpunkt in der Diskussion mal Hilfe vor Ort gefordert, und am nächsten Tag wieder die Entwicklungshilfe ohne Faktengrundlage schlecht geredet und ein Beitrag der Schweiz abgelehnt wird. Ausserdem: Migration war immer schon menschliches Verhalten. Sie lässt sich nicht einfach abstellen. Man muss damit umgehen. Bitte human.
    1. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      Kennen Sie die Geschichte der „Migration“ über die Jahrtausende? Und Migration wie heute war nicht immer schon menschliches Verhalten. Es wäre Zeit, sich fundiert zu informieren. Und was die Entwicklungshilfe angeht: Keine Hilfe mehr für Staaten, die ihre Bürger schlecht behandeln, keine Hilfe mehr für Staaten, die ihren „Bevölkerungsüberschuss“ exportiert, keine Hilfe mehr an Staaten, die keine Familienplanung zulassen, und schliesslich: nur noch Hilfe zur Selbsthilfe.
    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Danke für die Antwort, Herr Baumann. Fundierte Fakten sind folgende: Im grössten Teil der Menschheitsgeschichte gab es keine Grenzen. Ursprünglich waren die Menschen sogar Nomaden. Auch danach gab es immer Migration, natürlich nicht exakt „wie heute“. Aber es gab auch gigantische Völkerwanderungen. Das Modell Nationalstaat gibt es seit aus historischer Perspektive läppischen paar Generationen.

      Einverstanden bezüglich Entwicklungshilfe, wobei Hilfe zur Selbsthilfe heute schon Standard ist.
    3. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Kleffel Ihr Grundirrtum: Im grössten Teil der Menschheitsgeschichte gab es keine Grenzen. Es ist umgekehrt. Es gab IMMER Grenzen. Selbst Nomadenvölker respektieren Grenzen. Die Völkerwanderungen waren IMMER Grenzverletzungen mit entsprechenden fatalen Folgen für die von Migration beglückten autochtonen Völker. Jedes „Natur-Volk“ hat Grenzen. Fahren Sie zu kaum von der Zivilisation berührten Völkern und ignorieren Sie deren Grenzen. Wohl bekomm‘s!
    4. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Sie differenzieren nicht zwischen Migration und Eroberung. Das Wort „Grenzen“ verwenden Sie auf sehr fragwürdige Weise.

      Als die europäischen Eroberer in der neuen Welt ankamen, wurden sie in der Regel erstmal sehr freundlich empfangen. Nicht gut bekommen ist es letztlich der einheimischen Bevölkerung, die kein Konzept von Landbesitz oder fixen Grenzen kannte.

      Sie haben eine sogar in Europa nicht extrem alte Ideologie total verinnerlicht.
    5. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Kleffel Mit Verlaub, Sie haben keine Ahnung von Geschichte im Zusammenhang mit Wanderung/Migration. Ihnen ist Verhaltensforschung unbekannt. Ich befasse mich Zeit meines Lebens mit Geschichte und Verhaltensforschung und habe Geschichte studiert. Lesen Sie doch mal Eibl-Eibesfeldts „Die Biologie des menschlichen Verhaltens“. Ihre Sicht der Wanderung/Grenzen hat nichts mit der Realität des Menschen zu tun, sie ist reine moderne Ideologie, ohne Grundlage im Verhalten der Menschen.
    6. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Nur ein kleiner Zwischenvermerk zur Diskussion der Herren: Grenzen setzen entsprechen dem natürlichen, instinktiven Verhalten von Mensch und Tier. Fremdes, Bedrohliches musste seit der Geschichte des ersten Lebewesens auf Distanz bleiben. Daraus wurden Gewohnheiten, wie eigener Lebensraum (Haus, Dorf, Land) usw. generiert. Je nach Kulturprägung und indiv. Empfinden wird der Fremde bis heute nicht zu nahe gelassen und die eigene Sphäre wird verteidigt.
    7. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Frau Fitzi, noch heute gibt es
      Völker, die das komplett anders sehen als Sie. Es ist Ideologie (was nicht per se negativ ist. Ideologien sind der Kitt, der Gesellschaften zusammenhält. Deshalb kann es ja auch mit „einwandernden Ideologien“ Reibungen oder sogar Konflikte geben.) Aber konkrete Beispiele wirken offensichtlich nicht. Lassen Sie es mich so versuchen: Würden Sie persönlich versuchen, einen Ort zu verlassen, wo Sie keine Perspektive sehen oder Ihnen gar die Lebensgrundlage fehlt?
    8. Antwort von Nic Grund  (Gruendeli)
      Sehr geehrter Herr Baumann, vielen herzlichen Dank! Ihre völlig bizarre aussage, dass Migration nicht immer menschliches Verhalten war, hat mich zu einer faszinierenden Lektüre über die Geschichte der Migration bewogen, angefangen von der Mutter aller Migrationen “out of Africa” die zur Besiedlung des gesamten Erdballs geführt hat und seither nie Aufgehört hat. Faszinierend!
    9. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Herr Baumann, noch ein konkretes historisches Beispiel, dann gebe ich auf. Die Schweiz war noch zur Zeit Ihrer Urgrosseltern ein Auswanderungsland.

      Zu migrieren, wenn man keine Perspektive hat, und Besitz zu verteidigen, sind BEIDES menschliche Verhaltensweisen, die aber je nach Kultur sehr unterschiedlich gelebt werden. Sie sehen offenbar nur eine davon.

      Mit Verlaub, bitte widerlegen Sie meine Argumente faktenbasiert, statt auf die Person zu zielen. Ich lasse mich von Fakten überzeugen.
    10. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Kleffel: Nennen Sie doch die Völker, die das komplett anders sehen als ich. Sie werden kein "Volk" nenne können. Da würden Sie glatt die Unwahrheit behaupten. Ich argumentierte von entwicklungspsychologischer Seite, Sie von Ideologie. Komplett verschiedene Ebenen! Meine Sichtweise gewinnt ausgerechnet in Ausnahmesituationen an Terrain, wo die Denke bei den meisten nicht funktioniert, sondern die Urinstinkte arbeiten. Bei Angst vor dem Fremden z.B. Ob ich migrieren würde? Habe es ja getan. :)
    11. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Kleffel Nennen Sie bitte die „Völker“, die es anders sehen als Frau Fitzi.
    12. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      @Kleffel: Und genau deswegen, weil ich auch Migrant bin, darf ich mir erlauben, Migranten zu kritisieren, die das nicht schätzen, was sie erhalten haben sondern die Hilfsbereitschaft entweder ausnutzen oder gerade in den Dreck ziehen. Den Lager abfackeln und die anderen obdachlos machen ist das eine. Den Boden, welchen die Einheimischen zähneknirschend einem zur Verfügung stellen ohne Demut zu behandeln, das Andere. PS: Ich war kein Wirtschaftsmigrant. War eine klassische Importbraut. :)
    13. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Ob sich die Diskussion überhaupt noch lohnt, wenn eine Seite nur eine menschliche Verhaltensweise akzeptieren möchte? Aber gut ich wurde um Beispiele gebeten. Der Stamm der Piraha beispielsweise kennt keinen Besitz. Die diversen Stämme der San kennen keinen Handel. Dafür eine Kultur des Teilens und Schenkens. Auch bei den Penan ist Privateigentum unbekannt, nicht zu teilen gilt als grosse Sünde, bis vor kurzem lebten sie alle nomadisch. Fakten, Frau Fitzi. Prüfen Sie sie nach.
    14. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Es geht in diesem gesamten Thread nicht darum, dass ich fordere, alle sollten kommen, Frau Fitzi. Es geht auch nicht darum, jedes Verhalten von Einwanderern unkritisch zu akzeptieren. Es ging mir ursprünglich darum, zu sagen: Es ist menschlich, wegen Perspektivenlosigkeit zu migrieren. Es wird immer so sein. Diese Seite menschlichen Verhaltens will man offensichtlich, mit absurden Behauptungen und ohne ein einziges meiner konkrete Beispiele zu widerlegen, nicht wahrhaben. Warum?
  • Kommentar von Konrad Schläpfer  (Koni)
    Nein der Brand ist keineswegs Ironie des Schicksals, der Brand wurde gelegt. Ausserdem ist es absolut unverantwortlich so viele Menschen zusammen zu Pferchen. Alle Migranten die keine Flüchtlinge sind gehören sofort zurück geschafft. Wenn man liest woher die Menschen kommen hat der grösste Teil niemals Anspruch auf Asyl.
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Das steht so in vielen Medien, ausserdem wurde die Feuerwehr beim Löschen behindert. Die 12'000 Leute im Mria zu verteilen wäre kein Problem, aber der Nachschub hört nicht auf. Dazu die Studie des PEW-Instituts über Afrika und die Hintergrundinformationen: "Die zweite Phase der Migration hat längst begonnen" Dann gibt es auch noch die BBC-Arab-Studie, auch online leicht zu finden. Ausserdem steigt gerade rasant die Migration aus Südamerika. Die Flüchtlings-Konvention der 50' muss geändert werden
    2. Antwort von Kari Raeschter  (K. Raeschter)
      Wahrscheinlich haben die Migranten nur diesen Ausweg gesehen, um aus dem Flüchtlingslager zu kommen. Denn jetzt muss eine neue Lösung gesucht werden. Aber korrekt ist, dass der grösste Teil von ihnen kein Anrecht auf Asyl hat und einfach Wirtschaftsflüchtlinge sind. Jetzt wäre es dringend, diese Nicht-Asylanten zurück zu schaffen, um so wieder Platz zu machen für die echten Flüchtlinge.
    3. Antwort von Schnetz Schnetz  (Alain Schnetz)
      Die 12`000 in anderen europäischen Ländern, z.B. in der Schweiz, zu verteilen wäre noch viel einfacher.
    4. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Alain Schnetz, und wie schnell wären die nächsten 12'000 da?Unsere Hilfswerke unterstützen ja die Schlepperei.
    5. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Schnetz: Sie haben völlig recht. Aber Sie sehen an gewissen Aeusserungen hier und Tendenzen in Europa (inkl. Schweiz), dass alles andere als Grosszügigkeit und Wille zu gemeinsamer, koordinierter Hilfestellung herrscht und wie sehr die „Gartenhaagmentalität“‘an Beliebtheit gewonnen hat und gewinnt.
    6. Antwort von Dino Rigoli  (Dino Rigoli)
      Es ist ja schon sehr merkwürdig, wie in diesen Kommentarspalten mit schöner Regelmässigkeit die immer Gleichen ihre verachtenden Meinungen kundtun. Und es ist erstaunlich, wie diese "Herren" meinen, die Verhältnisse vor Ort - in dem Fall das Flüchtlingslager Moria - zu kennen und ebenso verachtungsvoll über die Menschen dort daherziehen. Saturiert vom Sofa aus lassen sich alleweil abschätzige Sprüche klopfen. Drum am besten: diesen Stuss nicht mehr lesen und darauf auch nicht mehr reagieren.
    7. Antwort von Alois Keller  (eyko)
      Alle Flüchtlinge die auf der Insel angekommen sind hat man auf Moria untergebracht. Für Asylanträge braucht es zuviel Zeit. Überforderung der Mitarbeiter. Leider hat es viele Menschen darunter die kein Asyl beantragen können, da nicht aus Kriegsgebieten. (Wirtschaftsflüchtlinge) . Diese hätte man schon längst in ihre Heimatländer zurück führen müssen. Die EU müsste GR behilflich sein in ihrer Not. Von der Leyen blbla - EU gemeinsam sind wir stark. GR wird mit ihrer Last im Stich gelassen.
    8. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Dino Rigoli. Vielen, vielen Dank für Ihren Kommentar. Hin und wieder ein Lichtblick