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Missernten in Nordkorea
Aus Tagesschau vom 04.05.2019.
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Hungersnot in Nordkorea Kim Jong-un kürzt seinem Volk die Essensrationen

Nordkorea leidet unter der schlimmsten Missernte seit zehn Jahren. Mehrere UN-Organisationen schlagen Alarm.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un geht wieder auf Konfrontationskurs. Er habe im Osten des Landes mehrere Kurzstrecken-Raketen getestet, meldeten südkoreanische Armeekreise. Das zeigt deutlich: Die Abrüstungsgespräche mit Nordkorea befinden sich in einer Sackgasse.

Dabei wäre Nordkorea dringend auf eine Lockerung der Sanktionen angewiesen, denn das Land leidet unter der schlimmsten Missernte seit zehn Jahren. Mehrere UN-Organisationen schlagen Alarm.

300 Gramm Nahrung pro Tag

Die täglichen Nahrungsrationen sind Anfang des Jahres von 380 Gramm auf 300 Gramm pro Person gekürzt worden. Ernährungs- und Landwirtschaftsvertreter der UNO haben sich vor Ort ein Bild gemacht – und sind besorgt.

Kim Jong-un inspiziert eine Backwarenfabrik
Legende: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un verlangte die Aufhebung der Sanktionen und verringerte die Nahrungsrationen für sein Volk wegen einer Missernte. Keystone (undatiertes Archivbild)

«Unsere Experten haben mit Bauern und lokalen Behörden-Vertretern gesprochen und Kinderheime besucht. Klar ist für uns: Dürren, Hitzewellen und Hochwasser haben die Nahrungsmittelproduktion stark beeinträchtigt», sagt Nicolas Bidault, Co-Leiter der Hilfsmission des Welternährungsprogramms (WFP) der UNO.

Reis und Sauerkraut, kaum Eiweiss

Auch die Aussichten für die Ernte in diesem Jahr seien besorgniserregend, sagt WFP-Sprecher Herve Verhoosel. Zumal neben schlechten Klimabedingungen auch ein Mangel an Treibstoff, Düngemitteln und Ersatzteilen die Not der Landwirtschaft verstärke.

Am stärksten betroffen sind Kinder, Kleinkinder und Frauen.
Autor: Mario ZappacostaÖkonom bei der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO

Vielen Familien mangelt es an proteinhaltigen Speisen. Sie ernähren sich fast ausschliesslich von Reis und Sauerkraut. Das WFP steuert etwas Getreide aus dem Ausland bei, das aus humanitären Gründen nach Nordkorea eingeführt werden darf.

40 Prozent der Menschen sind unterversorgt

Man schätze, dass über zehn Millionen Menschen – und damit rund 40 Prozent der Bevölkerung – unterversorgt und dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen seien, betont Mario Zappacosta von der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO. «Am stärksten betroffen sind Kinder, Kleinkinder und Frauen – insbesondere schwangere Frauen und stillende Mütter», so Zappacosta.

Um die Bedürftigsten zu versorgen, betreibt die UNO bereits elf Versorgungszentren im Land. Das weckt Erinnerungen an die grosse Hungersnot in den 1990er-Jahren, bei der drei Millionen Menschen ums Leben kamen. Die UNO ruft in Genf seine Mitgliedsländer zu Spenden auf.

Entspannungssignale aus Japan

Gleichzeitig hält der UNO-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Nordkorea aufrecht. Für die südkoreanische Aussenministerin Kang Kyung-wha ist das nachvollziehbar: «Die Logik ist sehr klar. Die Sanktionen richten sich gegen das nordkoreanische Atom- und Raketen-Programm.» Es brauche gut sichtbare, konkrete und substanzielle Schritte, bevor die Weltgemeinschaft die Sanktionen lockern sollte.

Neue Entspannungssignale kommen aus Japan. Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte sich zu einem Treffen mit Kim ohne Vorbedingungen bereit und deutete damit eine Kurswende in der japanischen Nordkorea-Politik an. Dies sei die einzige Möglichkeit, das langanhaltende Misstrauen zwischen beiden Ländern zu beenden, sagte Abe der Zeitung «Sankei» einen Tag nach seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington. Er hoffe, Kim sei ein Staatsmann, «der flexibel und strategisch entscheiden kann, was das Beste für sein Land ist».

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50 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    Wirkt irgendwie lächerlich,wäre es nicht zum Heulen.Ein Adipositaskranker,vollgefressener,als Halbgott verehrter
    Diktator lässt sein Volk verhungern,um seine Spielzeuge
    finanzieren zu können und wird dafür von den Hungernden
    noch bejubelt.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Wieder stelle ich die Handlungsfähigkeit der UNO in Frage: In einer Diktatur sind Sanktionen das menschenverachtendste Mittel, wenn die Bevölkerung direkt betroffen ist, wie hier in NK. Solange der schwer übergewichtige Diktator seine Luxusmalzeiten erhält, ist ihm sein Volk schnuppe. Dieser Typ ist sofort zu entmachten. Da müsste sich die freie Welt mit Unterstützung der UNO durchsetzen. Anschliessend hat die Weltgemeinschaft die Pflicht die Menschen in NK mit Lebensmittel zu versorgen.
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  • Kommentar von Andreas Wiedler  (infonews)
    Die Sanktionen als Endlösung für das Regime Kim Jong-un? Die Weltgemeinschaft macht aus Nordkorea ein "Warschauer Ghetto", Die Menschenwürde und das Recht auf Leben müssen als höchstes Gut gelten. Anstatt sich in Lager aufzuspalten, sollten sich Russland, China und die USA endlich einig werden und sich im Klaren darüber sein, dass Kim Jong-un für alle eine Gefahr bedeutet und ihn gemeinschaftlich diplomatisch unter Druck setzen. Woher hat Kim Jong-un seine finanziellen Mittel für die Rüstung?
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