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Der UNO fehlt Geld für Nothilfe im Jemen
Aus Tagesschau vom 02.03.2021.
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Internationale Jemen-Konferenz Spendenmüdigkeit vergrössert die Not im Jemen

An der internationalen Jemen-Konferenz in Genf ist deutlich weniger Geld zusammengekommen, als die UNO erhofft hatte. Bloss 1.7 Milliarden Dollar sollen 2021 für das bürgerkriegsgeschüttelte Land bereitgestellt werden. Das ist deutlich weniger als in den vergangenen beiden Jahren. Dabei hatte UNO-Generalsekretär António Guterres Jemen kürzlich als «besondere Art der Hölle» bezeichnet.

Und genau deshalb hat sich bei vielen Staaten breit gemacht, was im Englischen «Donor fatigue» genannt wird: Spendenmüdigkeit. Der Konflikt zwischen den sunnitisch geprägten Regierungstruppen sowie dem Süd-Übergangsrat einerseits und den schiitischen Huthi-Rebellen anderseits ist zum scheinbar ausweglosen Stellvertreterkrieg verkommen.

Aufseiten der Sunniten im Süden und Osten kämpfen die Saudis und andere arabische Staaten, während der Iran die Huthi im Nordwesten unterstützt. Die Lage ist verfahren, keine der beiden Seiten kann auf einen Sieg hoffen.

Hunger als Waffe missbraucht

Die Hilfsmilliarden aus dem Ausland sind dabei längst Teil des Konflikts geworden, genauso wie die Not der Bevölkerung. Das Welternährungsprogramm der UNO beklagt, der Hunger werde im Jemen-Krieg von den Konfliktparteien systematisch missbraucht.

Die Huthi-Rebellen müssen sich seit längerem den Vorwurf gefallen lassen, Nahrungsmittellieferungen zu stehlen. Umgekehrt sollen sie Raketen mit Lebensmitteln bestückt haben, um die eine belagerte Gegend in der Nähe von Al-Hudaida zu versorgen. USAID, die Hilfsbehörde der USA, hat die Lieferungen in den Nordwesten eingestellt. Der Behörde wurde wiederum zum Vorwurf gemacht, den Nordwesten aus politischen Gründen aufgegeben zu haben, zumal die USA bis vor kurzem aufseiten der Saudis am Krieg beteiligt waren.

Spender sind müde und kraftlos

Dazu kommt, dass die Geberländer selbst unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie leiden und dass auf der ganzen Welt die Wunschlisten länger geworden sind. Die Spender sind nicht nur müde, sie sind auch kraftlos.

Grosszügig an der Jemen-Geberkonferenz haben sich bloss die Saudis gezeigt. Mit 430 Millionen Dollar liegen ihre Zusagen ein Mehrfaches über jenen der USA oder der EU. Dabei suchen die Saudis längst einen Ausweg aus einem Krieg, den auch sie, trotz militärischer Überlegenheit, nicht gewinnen können. Erst recht, seit der neue amerikanische Präsident Joe Biden angekündigt hat, die Unterstützung der Saudis im Jemen-Krieg einzustellen.

Die Spendenmüdigkeit der internationalen Gemeinschaft vergrössert noch die Not der Jemeniten – ihre Kriegsmüdigkeit könnte aber zumindest zur Folge haben, dass der Jemen-Konflikt nicht weiter von aussen angeheizt wird.

Sebastian Ramspeck

Sebastian Ramspeck

Internationaler Korrespondent, SRF

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Sebastian Ramspeck ist internationaler Korrespondent für SRF. Zuvor war er Korrespondent in Brüssel und arbeitete er als Wirtschaftsreporter für das Nachrichtenmagazin «10vor10». Ramspeck studierte Internationale Beziehungen am Graduate Institute in Genf.

Tagesschau, 2.3.2021, 12:45 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Matt Reimann  (Matts)
    Nicht weiter überraschend - Hunderttausende sind in Kurzarbeit, Zehntausende haben schon den Job verloren, unzählige sorgen sich, wie es überhaupt weitergehen soll.
  • Kommentar von Udo Gerschler  (UG)
    Warum wird dem Bürger ein schlechtes Gewissen eingeredet weil er nicht genug spendet.Sollten nicht die Lobbyisten in den Staaten zur Verantwortung gezogen werden die die Waffen liefern und für den Gewinn die Menschen aufeinanderhetzen.Dabei fallen mir genug Staaten und Politiker ein die nur das große M... haben den militärischen Industriellen Komplex dienen und im Namen der Geopolitik ihre Bürger betrügen.
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Was geht uns dieser Krieg an? Sollen wir uns in einen Krieg unter Muslimen einmischen und wenn ja weshalb. Wollen wir dort eine christliche Demokratie einrichten? Nein. Also Hände weg. Die Araber sollen sich selber einigen. Ein Eingriff des Westens ist falsch. Wir sind nicht geeignet ihnen vorzuschreiben wie sie leben sollen. Spenden für den Jemen nützen wenig und werden den Konflikt eher verlängern.
    1. Antwort von Schmidhauser Beat  (schmidi)
      Finde ich grenzwertig was sie da erzählen. Dieser Krieg geht uns sehr wohl etwas an. Spenden nützen sehr wohl etwas. Sie können sich ev. nicht vorstellen was da vor sich geht. Wir reden von einer richtig grossen Hungerkatastrophe wo Zivilisten sterben wie die Fliegen. Das dies "Araber" oder Mulime sind, tut echt nichts zur Sache.