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Iran-Krieg Die Macht der Revolutionsgarde

Die Garde ist zwar der islamischen Revolution verpflichtet, profitiert aber vor allem vom Wirtschaftssystem im Staat.

Die aktuelle Rolle der Islamischen Revolutionsgarde: Zentral für das Regime im Iran ist die Islamische Revolutionsgarde – die Pasdaràn. Sie ist die mächtige militärische Elite, die losgelöst von Militär und Polizei agieren kann. Die Pasdaràn ist der islamischen Revolution verpflichtet, profitiert aber auch vom Wirtschaftssystem und besetzt darum Schlüsselpositionen im Staat. Die Revolutionsgarde verkündet derzeit Irans Militäraktionen und erklärt im Staatsfernsehen die Lage der Republik. Sie werde als Rückgrat des Widerstandes porträtiert, wenn auch die genauen Entscheidungswege im Kriegsmodus unklar seien, sagt die Politikwissenschaftlerin Bente Scheller von der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Stiftung steht den deutschen Grünen nah. Aufgrund ihrer mächtigen Rolle und was man bislang schon von der Revolutionsgarde gesehen habe, wisse man, wie entscheidend sie sei und dass sie «eine wirklich treibende Kraft ist, dass sie wirklich stark mitbestimmt. Aber wie genau, das lässt sich kaum bemessen», sagt Scheller.

Das verwobene System der Revolutionsgarde: Die Revolutionsgarde hat eigene Waffen, Hunderttausende Soldaten und bilden Elitetruppen des Landes, mit fast so grossen Mitteln wie das Militär. Die Anführer der Gardisten gehören zu den Mächtigsten im System. Der Oberste Kommandant Mohammad Pakpour wurde am Samstag bei einem Angriff getötet. Doch binnen kürzester Zeit war ein Nachfolger ernannt. «Sie sind so verwoben und so vernetzt aufgestellt, dass es immer noch eine Riege dahinter gibt, die nachrücken kann. Und so fällt die Garde nicht in sich zusammen wie ein Kartenhaus, obwohl sie schon empfindlichste Rückschläge hat einstecken müssen», sagt Scheller.

Gruppe uniformierter Personen in einer Halle grüssen mit dem rechten Arm den Ayatollah Ali Khamenei. Archivbild 2023
Legende: Kommandanten des Korps der Islamischen Revolutionsgarden bei einem Treffen mit dem Oberster Führer Ayatollah Ali Chamenei in Teheran im August 2023. Reuters / West Asia News Agency

Zeigen sich Risse in der Revolutionsgarde? Gemäss Politikwissenschaftlerin Scheller wäre es für einen sich abzeichnenden Regimewechsel das wichtigste, dass sich Risse in diesem Sicherheitsapparat abzeichnen würden. Das könne sich zum Beispiel durch Überläufer abzeichnen, am besten in grosser Zahl oder gar ganze Einheiten, schätzt Scheller: «Aber darüber habe ich noch nicht eine einzige Information gesehen. Ich fürchte, das gibt es bislang auch nicht, zumindest nicht in grösserer Zahl. Entsprechend glaube ich, dass wir das Regime noch nicht wanken sehen.»

Kampf um die privilegierte Machtposition: Auch die Erdölindustrie, Baukonglomerate oder grosse Importfirmen werden von Mitgliedern der Revolutionsgarde geführt. Sie kontrollieren geschätzt 30 bis 50 Prozent der iranischen Wirtschaftsleistung. Dieser Krieg bedroht also ganz konkret ihre Pfründe. Fachleute werweissen darum, ob die Führung der Revolutionsgarde zu ihrem Machterhalt aussenpolitische Eingeständnisse machen würde oder gar bereit wäre, die bestehenden Staatsstrukturen umzubauen. «Die Revolutionsgarde hat vor allem daran Interesse, weiterhin ihre privilegierte Machtposition zu behalten«, sagt Scheller. Sie muss gemäss Verfassung die Islamische Revolution verteidigen – doch sie verteidigt derzeit vor allem auch sich selbst.

Tagesschau, 4.3.2026, 19:30 Uhr ; 

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