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Terror im Iran Das ist die iranische Revolutionsgarde

Die EU hat die Revolutionsgarde im Iran als Terrororganisation eingestuft. Doch was ist sie eigentlich genau? Und woher kommt sie? – Ein Überblick.

Die Einheit: Die Revolutionsgarde (IRGC), auf Persisch auch «Pasdaran», ist eine Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte und untersteht direkt dem Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Sie versteht sich selbst als «Garde der Wächter der islamischen Revolution», ist der Repressionsapparat der geistlichen Regierung und ist damit weitaus mächtiger als die reguläre iranische Armee. Die Garde verfügt über ein eigenes Heer, eine Marine und Luftstreitkräfte sowie einen separaten Geheimdienst. Ihre Offiziere dominieren aber nicht nur den Sicherheitsapparat, sie mischen auch immer stärker in Politik und Wirtschaft mit. Von Medienunternehmen bis Güterexport und Baugeschäft – alles, was wirtschaftlich lukrativ ist, wird von der IRGC kontrolliert.

Die Anfänge: Die Islamisten um Ajatollah Chamenei, die in der Revolution von 1979 die Macht übernahmen, trauten der offiziellen iranischen Armee nicht, die gerade noch den Schah verteidigt hatte. Deshalb bauten sie eine Parallelarmee auf, die Pasdaran. Sie waren anfangs wenig mehr als ein Haufen schlecht ausgerüsteter Milizen, angetrieben von revolutionärem Eifer. Doch nach und nach wurden sie zur Elitetruppe, direkt dem Revolutionsführer rechenschaftspflichtig – und nur ihm. Heute umfassen die Revolutionsgarden schätzungsweise rund 200'000 aktive Soldaten, hinzu kommen rund 500'000 Freiwillige der Basidschi-Milizarmee, einem Arm der Einheit.

Versammlung von Männern in Uniform in einem grossen Saal.
Legende: Die IRGC ist von der regulären iranischen Armee abgegrenzt. Reuters / WANA NEWS AGENCY

Der internationale Einfluss: Die Revolutionsgarden nehmen für sich in Anspruch, dass sie die Nation vor ihren Feinden beschützen. Sie sind dafür selbst im Ausland aktiv. Von Irak über Jemen bis Libanon unterstützen sie lokale schiitische Milizen und entsenden Militärberater. Der Westen habe imperiale Interessen im Nahen Osten, man müsse diesem in einer Art Vorwärtsverteidigung schon in den Nachbarländern die Stirn bieten, wird argumentiert.

Der geringe Rückhalt in der Bevölkerung: Die Revolutionsgarde profitiert von der Vetternwirtschaft und Korruption im Iran am meisten. Hohe Offiziere der Garde sind sehr wohlhabend und gehen damit auch offen um. Sie unterliegen keiner Steuerpflicht und erhalten diverse Vorteile von der Regierung. Das sorgt fernab des gewaltsamen Vorgehens gegen die Bevölkerung für Unmut. Die Revolutionsgarden stehen für das Gegenteil von dem, was sich die iranische Bevölkerung wünscht – also politische Stabilität, Menschenrechte und das Ende der Korruption.

Proteste gegen die Regierung

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Die heftigsten Proteste im Iran fanden am 8. und 9. Januar 2026 statt. Das Internet im Land wurde abgeschaltet, es drangen fast keine Informationen mehr hinaus. Inzwischen läuft das Internet teilweise wieder, und nach und nach kommt das Ausmass des blutigen Vorgehens des iranischen Regimes an den Tag.

Der EU-Entscheid: Bei den Protesten gegen die Regierung und die schlechte Wirtschaftslage im Iran sollen mehr als 10'000 Menschen von Regierungsakteuren getötet worden sein. Das bewegte die Versammlung der EU-Aussenminister dazu, den lange kontrovers diskutierten Schritt, die IRGC als Terrororganisation einzustufen, nun zu gehen. «Wer mit Terror agiert, muss als Terrorist behandelt werden», sagt EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas zum Entscheid. Der Iran verurteilte die vereinbarte Einstufung unterdessen als eine «unverantwortliche und von Groll geprägte Aktion». Die EU beschloss am Donnerstag zusätzlich eine neue Sanktionsrunde gegen den Iran.

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SRF 4 News, 30.1.26, 6:30 Uhr ; 

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