- Die Aussenminister der EU-Staaten haben neue Iran-Sanktionen beschlossen.
- Mit den Strafmassnahmen wird auf die brutale Niederschlagung regierungskritischer Proteste und die fortgesetzte Unterstützung des Irans für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine reagiert.
- Zudem wurde gemäss EU-Aussenbeauftragter Kaja Kallas eine politische Einigung erzielt, die iranische Revolutionsgarde auf die Terrorliste der EU zu setzen.
Von den Sanktionen betroffen sind insgesamt rund 30 Akteure, wie die dpa nach der Entscheidung bei einem EU-Treffen in Brüssel von Beamten erfuhr. Die neuen Iran-Sanktionen werden zur Folge haben, dass von den betroffenen Akteuren in der EU vorhandene Vermögenswerte eingefroren werden müssen. Zudem wird es EU-Bürgern sowie Unternehmen untersagt werden, ihnen Gelder zur Verfügung zu stellen.
Gegen die betroffenen Personen sind zudem EU-Einreiseverbote vorgesehen. Darüber hinaus soll auch die Liste von Gütern erweitert werden, die nicht mehr aus der EU in den Iran ausgeführt werden dürfen.
Diplomatische Kanäle sollen offen bleiben
Mit Blick auf Kritiker der geplanten Massnahme betonte Kallas, dass es weiter einen Austausch mit dem iranischen Aussenminister geben könne. Die diplomatischen Kanäle blieben offen, sagte sie.
Die EU-Staaten stufen ausserdem die Revolutionsgarden des Landes als Terrororganisation ein. Das gilt als ein bedeutendes Symbol, auch wenn sie wegen bereits bestehender Sanktionen voraussichtlich kaum praktische Bedeutung haben wird.
Elitetruppe ist schon heute sanktioniert
Über die Listung der Revolutionsgarden als Terrororganisation wurde in der EU seit Jahren diskutiert – intensiv unter anderem nach dem iranischen Grossangriff auf Israel im April 2024. Bis zu diesem Donnerstag konnte allerdings der dafür erforderliche Konsens nicht hergestellt werden.
EU-Sanktionen verbieten schon seit mehr als zehn Jahren, dass der Organisation und Mitgliedern Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden dürfen. Zudem sehen sie vor, dass in der EU vorhandene Gelder und sonstige Vermögenswerte der Revolutionsgarden eingefroren werden müssen. Diese Strafmassnahmen waren vor allem erlassen worden, um den Bau einer Atombombe durch den Iran zu verhindern. Die Revolutionsgarden sind die Elitestreitkräfte des Iran und direkt dem obersten Führer der Islamischen Republik, Ajatollah Ali Chamenei, unterstellt. Bei der brutalen Niederschlagung von Protesten spielen sie eine Schlüsselrolle, weil sie auch für die Verhinderung von Putschversuchen zuständig sind.
Bei den jüngsten schweren Unruhen im Iran sollen nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen Tausende Menschen getötet und Zehntausende festgenommen worden sein. Einige EU-Aussenminister sprachen sogar von bis zu 30'000 möglichen Opfern. Um Informationen über Proteste und Opfer zu unterdrücken, hat die iranische Führung bereits vor Wochen umfassende Telefon- und Internetsperren verhängt.