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Iran-Krieg Gehen den USA die Abfangraketen aus?

In Medien häufen sich die Berichte, wonach den USA die Abwehrmunition ausgeht. Haben sich die Amerikaner verkalkuliert?

Darum geht es: «Diese Variable könnte den Krieg entscheiden» titelt das amerikanische Online-Magazin «The Atlantic». Auch CNN, Sky News und andere Medien wollen wissen: Den Amerikanern gingen die Abwehrraketen aus. Das hatten bereits vor Beginn des Iran-Kriegs Analysten des amerikanischen Thinktanks CSIS (Center for Strategic and International Studies) behauptet.

Daran liegt es: Das Grundproblem ist laut Expertinnen und Experten, dass die Raketenabwehr viel Munition und Geld verschlingt und nur über begrenzte Kapazitäten verfügt. «Die Produktionszahlen für Abfangraketen sind zu gering pro Jahr», sagt auch Roland Popp gegenüber SRF. Er ist Sicherheitsexperte für den Nahen Osten an der Militärakademie der ETH Zürich.

Hell leuchtende Abfangrakete vor schwarzem Himmel.
Legende: Bereits im Sommer 2025 mussten in Katar Abfangraketen eingesetzt werden, um iranischen Beschuss abzuwehren. Reuters

Das sagen die Zahlen: «Genaue Zahlen sind streng geheim. Denn für die Iraner wäre es ein enormer strategischer Vorteil, wenn sie wüssten, wer über wie viele Abfangraketen verfügt», sagt Guido Schmidtke, Militärjournalist beim Fernsehsender «Welt». In einem Bericht für den US-Kongress wurde 2025 davon ausgegangen, dass die USA noch über 632 Thaad-Abwehrraketen verfügen. Das sei viel zu wenig, um einem längeren Beschuss standzuhalten, heisst es in einer Analyse des CSIS vom Dezember 2025.

Wer die grösseren Reserven hat: Schmidtke ist überzeugt, dass die USA die grösseren Reserven haben. Die Thaad-Raketen seien in grossen Mengen im Golf positioniert. Das Abwehrsystem wurde nach den Erfahrungen im Golfkrieg von 1991 entwickelt, als amerikanische Stellungen in Saudi-Arabien mit Scud-Raketen beschossen wurden. Die Arsenale der Golfstaaten seien weit weniger gut bestückt.

Militärfahrzeug mit Raketen auf Flugplatz, Soldaten daneben.
Legende: Die USA haben das Thaad-Raketensystem nach den Erfahrungen im Golfkrieg von 1991 entwickelt. Keystone / U.S. Air Force

Weltweite Mangelware: Abfangraketen sind aufgrund des Ukraine-Kriegs und diverser weiterer Konflikte weltweit zur Mangelware geworden. Laut Militärjournalist Schmidtke hätten die USA, Deutschland und Polen Patriot-Raketen an die Ukraine geliefert. Doch auch Thaad-Raketen sind teuer und aufwendig in der Herstellung. Laut dem Thinktank CSIS hinkt die Produktion der Nachfrage stark hinterher.

Effizienz zählt: Der Iran verfolgt laut Guido Schmidtke die Strategie, die Flugabwehr seiner Gegner zu überlasten. «Wir sehen ja auch, dass iranische Raketen und Drohnen immer wieder erfolgreich einschlagen. Das ist ein Indiz dafür, dass die Iraner in der Lage sind, die Flugabwehr zu überlisten», so der Militärjournalist. Doch eine effiziente Abwehrstrategie beinhalte auch, dass man gewisse Raketen nicht abfange, um die eigenen Bestände zu schonen.

Am Nachthimmel sieht man eine Stadtsilhouette und einen Lichtstreifen.
Legende: Die Abfangrakete eines israelischen Flugabwehrsystems fliegt durch den Himmel in der Stadt Aschkelon. REUTERS / Amir Cohen

Ein Hochrisikospiel: Werden die Amerikaner die iranischen Abschussrampen zerstören können, bevor ihr Arsenal an Abwehrraketen aufgebraucht ist? Das sei ungewiss, sagt Schmidtke. Denn der Iran verfügt über unterirdische Raketen- und Drohnenfabriken sowie über Lagerstätten in Bergstollen. «Die USA und Israel werden nicht alles zerstören können.» Zudem setze der Iran mittlerweile vor allem auf mobile Abschussrampen, die innerhalb kurzer Zeit einsatzbereit seien. «Diese aus der Luft zu sichten, ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.»

Raketen hin oder her: Raketen würden den Krieg vermutlich nicht entscheiden, davon ist Militärjournalist Guido Schmidtke überzeugt. «Die Konflikte und Kriege der vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt: Aus der Luft gewinnt man keine Kriege.» Es ist jedoch möglich, dass ein endliches Abwehrarsenal Einfluss darauf haben wird, wann der Krieg für beendet erklärt wird.

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