«Dieser Einsatz hat eine klare Aufgabe», erklärte Pentagon-Chef Pete Hegseth am Montag. Es gehe den USA nicht um ein «Experiment zum Demokratie-Aufbau», sondern um die Zerstörung der militärischen Fähigkeiten des Irans.
US-Präsident Donald Trump kündigte an, der Krieg werde wohl vier Wochen dauern – und die «härtesten Schläge» würden noch folgen. Gestern schloss er auch den Einsatz von Bodentruppen nicht mehr aus.
«In der Tat» sei man bereit, mehr als Luftangriffe zu unternehmen, um das Regime zu stürzen, sagte Trump gegenüber CNN. «Aber im Moment wollen wir, dass die Leute zu Hause bleiben. Es ist nicht sicher draussen.» Also doch «Regime Change»?
Merz spürt «relativ grosse Unsicherheit»
Die Stellungnahmen aus Washington sind zuweilen widersprüchlich. ETH-Sicherheitsexperte Roland Popp attestiert Trump eine Neigung zu übertriebener Rhetorik. «Gleichzeitig hört man heraus, dass er fast schon überrascht ist, dass der Krieg länger dauern könnte.»
Gestern traf sich der deutsche Kanzler Friedrich Merz mit dem amerikanischen Präsidenten. Viele Fragen seien nach dem «sehr offenen Gespräch» im Weissen Haus offen geblieben, resümierte Merz im ZDF. Er vermisse eine Strategie, wie es weitergehen soll, und habe eine «relativ grosse Unsicherheit» gespürt.
Eine klare politische Strategie hinter der Militäroperation kann auch Sicherheitsexperte Popp nicht ausmachen. Aber wie sieht eigentlich die Bilanz der ersten Kriegstage aus? «Die USA und Israel haben einen erheblichen Teil der militärischen Kommandostruktur der iranischen Republik zerschlagen», sagt Popp. «Zudem haben sie einen erheblichen Teil der politischen Klasse und den religiösen Führer selbst getötet.»
Regime auf «Enthauptungsschlag» vorbereitet
Dennoch: Vom «Enthauptungsschlag» hätten die USA und Israel sicher mehr erwartet, schätzt Popp. Offenbar seien die Iraner auf eine Attacke auf die Führungsriege vorbereitet gewesen. «Die Kommandanten auf unterer Ebene arbeiten ihre Ziele ab, etwa, indem sie verschiedene Golfstaaten attackieren.»
«Der Iran verfolgt eine klare Strategie», sagt auch die Politwissenschaftlerin Dania Thafer gegenüber SRF. «Er will die Kosten dieses Kriegs in die Höhe treiben und ihn internationalisieren.»
Der Beschuss auf die Golfstaaten lähmt den internationalen Flugverkehr und schürt Unsicherheit in einer Region, die bislang für Business und Stabilität stand. Gleichzeitig versucht der Iran, die Strasse von Hormus und damit ein Nadelöhr der Weltwirtschaft zu schliessen.
Für ETH-Experte Popp ist klar: «Gelingt es den Amerikanern nicht, diesen Wirtschaftskrieg zu unterbinden, wird der Druck auf Trump massiv steigen, das Abenteuer abzubrechen.»
Einsatz von Bodentruppen als Drohgebärde?
In den USA flammt derzeit auch die Diskussion um einen Einsatz von Bodentruppen im Iran auf. Ein Schritt, der enorm unpopulär wäre. Popp hält das vorderhand aber für eine Drohgebärde gegenüber Teheran.
Wahrscheinlicher sei, dass die USA versuchen könnten, Kurden aus dem Irak und Iran als Freischärler zu gewinnen, die gegen das iranische Militär aufbegehren. «Diese könnten dann von den USA und Israel aus der Luft unterstützt werden.»
Gegen die Taliban in Afghanistan sei eine solche Freischärler-Taktik zunächst aufgegangen, schliesst der Sicherheitsexperte. «Im Kampf gegen reguläre Einheiten der iranischen Revolutionsgarde habe ich da aber grosse Zweifel.»