Marco Rubio sorgt gerade für helle Aufregung in Washington. Der Aussenminister versuchte im Kapitol, der Kritik von links und rechts entgegenzuwirken, wonach Präsident Trump weder die Gründe für diesen Krieg noch die Ziele klar dargelegt habe. Dafür traf sich Rubio mit den Spitzen von Senat und Repräsentantenhaus. Heute sollen alle Abgeordneten informiert werden.
Vor seinem Treffen mit der sogenannten «Gang of Eight», den Spitzen von Senat und House sowie den Geheimdienstausschüssen beider Kammern, stellte sich Rubio vor die Presse und erklärte, die USA hätten gar nicht anders gekonnt, als diesen Krieg zusammen mit Israel zu beginnen. «Der Präsident hat eine sehr kluge Entscheidung getroffen», so Rubio, «weil wir wussten, dass es zu einer israelischen Aktion kommen würde. Wir wussten, dass dies einen Angriff auf amerikanische Streitkräfte auslösen würde, und wir wussten, dass wir höhere Verluste erleiden würden, wenn wir nicht präventiv gegen sie vorgehen würden, bevor sie diese Angriffe starten.»
Die Wahrheit dazwischen
Im Kapitol und in den Echokammern der Sozialen Medien wurde diese Aussage vielerorts übersetzt als: Die USA konnten ihre Verbündeten nicht davon abhalten, den Iran anzugreifen, und mussten deshalb mitziehen. Sprich: Derjenige, der tatsächlich die Fäden zieht, ist Netanjahu. Und nicht Trump. In gewichtigen Teilen von Trumps «Make America Great Again»-Bewegung, die bereits zuvor gegen diesen neuerlichen Krieg weit weg von zu Hause schimpften, kam diese Aussage denkbar schlecht an. Die Demokraten auf der anderen Seite glauben sie schlichtweg nicht.
Sowohl amerikanische wie auch israelische Offizielle waren schnell zur Hand, um zu versuchen, die Aufregung zu dämpfen. Netanjahu selbst sagte in einem Interview bei «Fox News», Trump könne «in nichts hineingezogen werden». Das mag wohl stimmen. Aber die Wahrheit liegt trotzdem irgendwo dazwischen.
Gemäss dem amerikanischen Nachrichtenportal «Axios» begann Netanjahu schon im Dezember, Trump zu drängen, den Iran erneut anzugreifen. Gleichzeitig wies er offenbar seine Generäle an, Pläne für einen alleinigen israelischen Angriff auf den Iran irgendwann zwischen April und Juni dieses Jahres auszuarbeiten. Die «New York Times» zitiert israelische Offizielle, dass die Armeeführung darüber wenig begeistert gewesen sei.
Geheimniskrämerei im Weissen Haus
Im Februar besuchte Netanjahu dann Donald Trump im Weissen Haus. Es war der bereits siebte Besuch des israelischen Premiers seit Trumps zweiter Amtsübernahme. Der Besuch fand unter ungewöhnlicher Geheimniskrämerei statt: Nicht einmal das berühmte Bild im Oval Office gab es. Als dann immer klarer wurde, dass die USA einen israelischen Angriff auf den Iran unterstützen würden, hätten die israelischen Generäle ihre Haltung geändert. Sie sahen die aus israelischer Sicht historische Chance, das iranische Atomprogramm weiter zu schädigen, sein Raketenarsenal weitgehend zu zerstören und sogar zu versuchen, die iranische Regierung an den Rand des Zusammenbruchs zu treiben. Trump wiederum gewann die Überzeugung, dass der Iran nicht in guter Absicht über sein Atomprogramm verhandeln würde und dass die USA Irans offensive Militärinfrastruktur zerstören müssen.
Am Ende zeigt Rubios Aussage vor allem eines: wie eng die USA und Israel ihre Angriffe in den Wochen davor abgesprochen haben. Und dass Netanjahu dabei nicht auf der Rückbank sitzt.