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Tötung von Ali Chamenei «Trump hört auf seine Berater – nicht auf die CIA»

Die gezielte Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei und weiterer ranghoher Regimemitglieder am Morgen des 28. Februar in Teheran kam für viele überraschend. Was womöglich dahinter steckt, erläutert der Historiker Adrian Hänni, der sich mit Geheimdiensten befasst.

Adrian Hänni

Historiker

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Adrian Hänni ist Historiker und Lehrbeauftragter an der Universität Zürich. Er forscht schwerpunktmässig zur Geheimdienstgeschichte.

SRF News: Wie gelang den USA und Israel ein solch gezielter Schlag gegen die oberste iranische Führung?

Adrian Hänni: Offensichtlich hatte man einen Top-Zugang zur obersten Führungsriege des iranischen Regimes. Und offenbar hatte man derart grosses Vertrauen in die Informationen, dass man sogar den Startpunkt dieses Militärschlages hinausgeschoben hat, um das Treffen zu bombardieren und die Männer auszuschalten.

Welche Geheimdienstinformationen hatten Israel und die USA zum konkreten Zeitpunkt?

Das ist natürlich ein grosses Geheimnis. Ich gehe aber schon sehr stark davon aus, dass die US-Geheimdienste über eine Top-Quelle innerhalb des iranischen Regimes verfügen. Zusätzlich dürfte von den USA wohl auch ein massiver Einsatz von Kommunikationsaufklärung betrieben worden sein. Aus der Kombination der Informationen einer absoluten Top-Quelle und aus technischer Aufklärung dürfte man also zur Einschätzung gekommen sein, genau dann anzugreifen.

Inwiefern waren der israelische Mossad und die CIA im Vorfeld aktiv?

Laut Presseberichten kamen die US-Geheimdienste zur Einschätzung, dass es unwahrscheinlich sei, dass nach einer US-Militäraktion die demokratisch gesinnte Opposition im Iran die Macht übernehmen könnte. Dass das iranische Establishment selbst dann an der Macht bleibe, wenn Chamenei getötet würde.

Die US-Geheimdienste kamen zur Einschätzung, dass ein Militärschlag nicht die gewünschten Ergebnisse bringen würde.

Die US-Geheimdienste kamen also zur Einschätzung, dass ein Militärschlag nicht die gewünschten Ergebnisse eines Regime-Change bringen würde. Auf der einen Seite wurden die taktischen Geheimdienstinformationen zur Ausschaltung Chameneis also höchst effektiv eingesetzt – doch die grossen strategischen Entscheidungen dieses Krieges scheinen nicht auf die Analysen der US-Geheimdienste abgestützt zu sein.

Woran liegt das?

Das ist eine gute Frage. Offenbar trauen Trump und seine engsten Berater den Einschätzungen und den Analysen der CIA und der anderen amerikanischen Geheimdienste nicht.

Trump folgt offenbar seinem Instinkt und hört auf seine engsten Berater – während er die CIA weitgehend ignoriert.

Trump sagte, er habe mit Verteidigungsminister Pete Hegseth, Aussenminister Marco Rubio und weiteren engen Beratern wie Steve Witkoff und Jared Kushner gesprochen, die ihm gesagt hätten, der Iran stehe selber kurz vor einem Präventivangriff auf die USA. Deshalb habe er sich dazu gezwungen gesehen, rasch zuzuschlagen. Die Informationen über einen unmittelbar bevorstehenden iranischen Angriff widersprechen aber jenen der US-Geheimdienste. Trump folgt also offenbar seinem Instinkt und hört auf seine engsten Berater – während er die Analysen der amerikanischen Nachrichtendienste weitgehend ignoriert.

Und wie sind die iranischen Geheimdienste aufgestellt?

Es gibt mehrere Geheimdienste, die durchaus eine gewisse Schlagkraft haben. Aber sie haben eher den Charakter klassischer Staatssicherheitsdienste. Etwa so, wie man es aus osteuropäischen sozialistischen Staaten gekannt hatte – wie die Stasi in der DDR. Sie sind primär darauf ausgerichtet, die eigene Bevölkerung zu kontrollieren und das Regime an der Macht zu halten. Wenn es darum geht, äussere Feinde aufzuklären, dann sind sie weniger schlagkräftig.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

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Echo der Zeit, 10.3.2026, 18:00 Uhr ; 

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