Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Wieso setzen so viele Wähler weiterhin auf Netanjahu? abspielen. Laufzeit 03:51 Minuten.
03:51 min, aus HeuteMorgen vom 10.04.2019.
Inhalt

Israel hat gewählt Mit der Angst vor Terror macht Netanjahu Politik

Dreizehn Jahre war Benjamin Netanjahu bisher Premierminister Israels. Zuerst von 1996 bis 1999, dann ununterbrochen wieder seit 2009. Und jetzt sieht es nach einer weiteren Amtszeit aus. Die er vielleicht nicht beenden kann, denn der Generalstaatsanwalt will ihn wegen Korruption anklagen.

Würde Netanjahu tatsächlich angeklagt und verurteilt, droht ihm eine Gefängnisstrafe. Doch so weit kommt es frühestens in einem Jahr. Wer Netanjahu gewählt hat, kümmert das wenig.

«Korruption ist in der Politik Realität»

Klar sei das mit der Korruption unschön, sagt eine junge Netanjahu-Wählerin in Jerusalem. Aber Korruption sei eine Realität in der Politik. Wichtiger als diese Realität ist für sie eine andere, bedrohlichere Realität. Dass sie jeden Tag mit einem mulmigen Gefühl in einen Bus einsteigt, weil sie Angst hat, ein Palästinenser könnte sich und den Bus in die Luft sprengen.

Mit dieser Angst macht Netanjahu Politik. Nur er könne die Israelis schützen, das wiederholt er seit Jahren. Und inzwischen glaubt ihm das eine Mehrheit auch. Nicht einmal der ehemalige Oberbefehlshaber des israelischen Heeres, Benny Gantz, konnte diese überzeugen, dass auch andere die Sicherheit der israelischen Bevölkerung gewährleisten können. Netanjahus Herausforderer Gantz ist zudem kein Redner. Er gab peinliche Interviews. Netanjahu stellte sogar seinen geistigen Zustand in Frage.

Ein Oppositionsführer mit Macho-Gebaren

Gantz hatte den Wahlkampf mit einem Fernsehspot begonnen, indem er sich brüstete, wie viele «palästinensische Terroristen» er getötet habe im Gazakrieg 2014. Längst ist bekannt, dass in dem Krieg vor allem Zivilisten ums Leben kamen. Die Wahlwerbung erschreckte solche, die ihn ohne solch zynisches Macho-Gebaren vielleicht gewählt hätten. Irgendwann sprach er dann doch noch von «Frieden». Ein Wort, das die meisten in Wahlkämpfen vermeiden, weil «Frieden» links ist.

Aber der Traum einer doch beachtlichen Anzahl Israelis Netanjahu endlich loszuwerden, war vielleicht von Anfang an realitätsfremd. Israel wählt rechts. Und das wird wohl noch lange so bleiben. Auch, wenn sie Netanjahu eines Tages – je nach Standpunkt – wirklich loswerden oder verlieren.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahostkorrespondentin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Für SRF ist Susanne Brunner seit Frühling 2018 Korrespondentin im Nahen Osten. Sie wuchs in Kanada, Schottland, Deutschland und in der Schweiz auf. In Ottawa studierte sie Journalismus.

Bei Radio SRF war sie zuerst Redaktorin und Moderatorin bei Radio SRF 3. Dann ging sie als USA-Korrespondentin nach San Francisco und war nach ihrer Rückkehr Korrespondentin in der Westschweiz. Sie moderierte auch das «Tagesgespräch» von Radio SRF 1. Zudem hat Susanne Brunner bei «10vor10» zudem Fernseherfahrung gesammelt.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

39 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Stefan Trasser (chiggifan)
    Netanyahu ist angeblich einer der Menschen it einem der höchsten IQ's. Er ist hochintelligent und weiss genau, was er macht. Aber er hat auch eine sehr bewegte Vergangenheit mit vielen Kriegen. Mehrfach war Israel kurz davor vernichtet zu werden. Sein Bruder Yoni wurde in Entebbe erschossen, nachdem palästinensische Terroristen ein Flugzeug der El Al entführt hatten. Sowas prägt einen Menschen, und das sieht man auch in der Art, wie er politisiert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stefan Trasser (chiggifan)
    In Israel muss man keine Angst vor Terror machen. Es werden regelmässig Raketen auf Israel abgefeuert, und ohne Iron Dome gäbe es zahlreiche zivile Opfer. Ausserdem gibt es mehrere Länder, die Israel vernichten wollen u.A. Nachbarn und Grossmächte der Region. Die Angst ist natürlich und begründet und muss nicht künstlich erzeugt werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ernst von Allmen (MEVA)
    Wen ein Populistischer Politiker, oder ein Populistische Partie Whalen gewinnen, gibt es einen Volks Aufschrei. Das gleiche scheint hier nicht der Fall zu sein. Die Wahl von Netenjahu scheint niemand zu stören. Obwohl er Populist und Scheinbar Korrupt ist
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Sie leben in der sicheren Schweiz und haben andere Perspektiven. Islamische Mächte haben mehrmals gedroht, Israel zu vernichten. Ich nehme solche Drohungen durchaus ernst.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen