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Langsam kehrt eine gewisse Normalität zurück
Aus SRF 4 News aktuell vom 10.06.2020.
abspielen. Laufzeit 07:28 Minuten.
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Italien wacht nur langsam auf «Rom präsentiert sich noch immer still und wenig bevölkert»

Seit einer Woche gilt in Italien wieder Reisefreiheit. Die Grenzen sind offen, auch innerhalb der Regionen darf man sich wieder frei bewegen. Dies äussere sich in einer vorsichtig positiven Stimmung im Land, sagt SRF-Korrespondent Franco Battel in Rom. Nach wie vor sorgten sich aber viele um ihre Zukunft.

Franco Battel

Franco Battel

Italien-Korrespondent, SRF

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Franco Battel ist seit Anfang 2015 SRF-Korrespondent in Rom. Davor war er als Auslandredaktor für Italien, Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich. Er berichtete zudem vom UNO-Sitz in Genf.

SRF News: Wie zeigen sich die wiedererlangte Freiheit und die langsame Rückkehr zur Normalität in Italien?

Franco Battel: Leute, die im Norden des Landes leben und arbeiten, können jetzt ihre Verwandten und Freunde im Süden Italiens wieder besuchen. Auch können Italienerinnen und Italiener, die im Landesinnern wohnen, jetzt wieder ans Meer fahren. Ferien am Meer – das ist natürlich sehr wichtig in Italien.

Sandstrand, einzelne Personen sonnen sich.
Legende: Rimini ist bereit, schon sind erste Touristen angereist. Die Ferien am Meer scheinen für die Italienerinnen und Italiener derzeit gesichert. imago images

Noch vor einer Woche sprachen Sie von einer erst zaghaft positiven Stimmung. Hat sich das jetzt geändert?

Ja. Die positive Stimmung im Land hält an, es kehrt eine gewisse Normalität zurück. So ist der Zentralbahnhof hier in Rom jetzt wieder belebt, täglich verkehren wieder Dutzende Züge. Doch weiterhin gelten zum Teil happige Massnahmen gegen das Coronavirus. So ist etwa die Gesichtsschutzmaske Pflicht in Bars, im Bus oder beim Einkaufen.

Die Gesichtsmaske ist in Bars, im Bus und beim Einkaufen Pflicht.

Wie gut halten sich die Leute an die Schutzmassnahmen?

Mein Eindruck ist, dass alle Leute im öffentlichen Raum eine Schutzmaske dabei haben. Entweder tragen sie die Maske auch im Freien, oder sie tragen sie um den Hals, damit sie sie beim Betreten eines Geschäfts hochziehen können.

Vor manchem Geschäft steht jemand Wache und kontrolliert, ob alle eine Maske tragen.

Gibt es auch Kontrollen, ob die Maskenpflicht in öffentlichen geschlossenen Räumen eingehalten wird?

Absolut. Teilweise stehen Leute Wache, die das kontrollieren. Auch werden Leute des Geschäftes verwiesen, wenn sie keine Maske tragen – ich habe das selber beobachtet.

Wird das Thema auch von den italienischen Medien aufgegriffen?

Ja, sogar häufig. Die News-Sendungen machen sich schon fast einen Spass daraus, an beliebte Ausgehzonen zu gehen und dort zu schauen, ob wirklich alle Jugendlichen eine Maske tragen. Wer keine trägt, wird dann interviewt und gefragt, warum er oder sie keine trage. Danach werden Ältere gefragt – und die beklagen den fehlenden Respekt der Jungen gegenüber den alten, eher durch Corona gefährdeten Leute.

Demonstranten mit Gesichtsmasken halten Plakate in der Höhe.
Legende: Es wird auch wieder demonstriert in Rom – hier im Rahmen von «Black Lives Matter». Doch immer mit Gesichtsmaske und Abstand. Reuters

Mit der Reisefreiheit ist auch die Mafia wieder mobil – wie gross ist die Gefahr, dass sie jetzt wieder an Boden gewinnt?

Die ist hoch. Erst gestern meldete sich die Justizbehörde von Palermo/Sizilien zu Wort. Sie erklärte, man ermittle in Fällen, in denen der Verdacht besteht, dass sich die Mafia an Geschäftsleute herangemacht hat, um ihnen in der Krise Kredite zu geben. Dies allerdings zu Wucherzinsen – zudem nutzt die Mafia solche Kredite, um sich die Geschäftsleute gefügig zu machen und irgendwann einmal das Geschäft zu übernehmen.

Strassenszene in Rom mit nur wenigen Passanten.
Legende: Auch eine Woche nach Ende des Lockdowns präsentieren sich die Strassen Roms noch recht still und leer. Keystone

Gibt es auch schon wieder Touristen, die nach Italien reisen?

Bislang sind immer noch deutlich weniger Touristen – etwa in Rom – unterwegs. Allerdings ist auch noch nicht wirklich Ferienzeit. Entsprechend still und wenig bevölkert präsentiert sich Rom derzeit.

Viele der Massnahmen wie Kurzarbeitergeld oder Kredite für Unternehmen laufen im Herbst aus – jetzt fragen sich alle, wie es dann weitergeht.

Die Lockerungen sind für den Tourismus aber sicher eine gute Nachricht. Wie reagieren die Verantwortlichen?

Es war eine gewisse Erleichterung zu spüren, dass im Juli und August wieder mit Gästen gerechnet werden kann. Doch es herrscht auch eine grosse Angst vor der Zukunft: Viele der Massnahmen wie Kurzarbeitergeld, Kündigungsstopp oder Kredite für Unternehmungen laufen im Herbst aus. Jetzt fragen sich alle, wie es weitergeht, wenn diese Hilfen ausbleiben.

Das Gespräch führte Silvan Zemp.

SRF 4 News aktuell vom 10.6.2020, 06.25 Uhr;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Rom präsentiert sich noch immer still......wie negativ das tönt. Lasst ihnen die Stille, die eigene Bevölkerung braucht das jetzt und keine Touristenströme.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Jahr für Jahr bricht die Tourismusbranche ihre eigenen Rekorde, mittlerweile reisen jährlich gut 1,3 Milliarden Menschen um die Welt. Doch vielerorts ächzen Bewohner und Umwelt unter der Last der Menschenmassen.Besonders viele Menschen tummeln sich als Touristen in Asia, Indien, am Mittelmeer oder auf einem Kreuzfahrtschiffen. Städtereisen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Folge ist, dass In manchen Vierteln Wohnraum rar und Mieten teurer werden un die Natur leidet immer mehr.
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