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Jagd auf Zivilisten Neue Ermittlungen zu Schützen der «Sarajevo Safaris»

30 Jahre nach dem Bosnienkrieg ermitteln Italien und Österreich zu Männern, die in Sarajevo auf Zivilisten geschossen haben sollen.

30 Jahre nach den mutmasslichen «Sarajevo Safaris» ist die Spurensuche schwierig. Und dennoch ermittelt Italiens Justiz nun gegen drei Tatverdächtige. Die Italiener sollen in den 1990er-Jahren in die belagerte Stadt Sarajevo gefahren sein, um dort von Hügeln herab mit Präzisionsgewehren auf Zivilisten zu schiessen.

Der Verdacht selbst ist nicht neu. Der Autor Ezio Gavazzeni hatte ihn zusammen mit seinen Erkenntnissen im letzten November publik gemacht. Seither recherchierte er weiter. Zusammen mit einem kleinen Team sammelte er Augenzeugenberichte und stellte diese der Mailänder Staatsanwaltschaft zur Verfügung, die nun seit einigen Monaten ermittelt.

Ermittlungen in mehreren Ländern

Das Verfahren komme gut voran, sagt Gavazzeni. Gleichzeitig sei es aber kompliziert, nach so langer Zeit Zeugen, Mitwisser oder gar Schuldige zu finden, räumt er ein. Unterdessen wurde aber bekannt, dass nicht nur in Italien, sondern auch in weiteren westeuropäischen Ländern nach Verdächtigen gesucht wird. So ermittelt die österreichische Justiz gegen zwei mutmassliche Täter. Die Stadt Sarajevo tritt als Nebenklägerin auf.

Und auch in der Schweiz sei man aktiv geworden, erzählt Gavazzeni. Der Tessiner FDP-Nationalrat Simone Gianini wollte vom Bundesrat wissen, ob auch Schweizer zu den Tätern gehören. In der Antwort der Regierung heisst es dazu: Bisher wisse man von keinen involvierten Schweizern. Doch die Bundesanwaltschaft sei mit den italienischen Behörden in Kontakt und würde bei einem Verdacht Rechtshilfe leisten.

Im Weiteren schreibt der Bundesrat, die damalige Bundespolizei habe von entsprechenden Vermutungen, also von den Safaris der 1990er-Jahre, Kenntnis gehabt.

Panzerfahrzeug auf einer städtischen Strasse mit drei Jungen und einem Hund daneben.
Legende: Drei Buben rennen im August 1990 in Sarajevo einem UNO-Panzerfahrzeug hinterher. Jahrzehnte später ermitteln mehrere Länder zu mutmasslichen «Sarajevo Safaris» während der Belagerung der Stadt. Reuters

Autor Gavazzeni sagt dazu, Geheimdienste, vor allem der italienische, hätten damals von italienischen Kriegstouristen in Sarajevo gewusst. Und trotzdem sei nach dem Krieg nicht ermittelt worden. Gavazzeni hofft nun, dass die Justizbehörden auf die damaligen Erkenntnisse der Geheimdienste zugreifen.

Grässliches Motiv

Sollte sich der Verdacht erhärten und sollten am Schluss Schuldige verurteilt werden, aus welchem Motiv hätten sie gehandelt? Das hauptsächliche Motiv sei weder politisch noch religiös gewesen, erklärt Gavazzeni. Die Täter hätten einzig ihren Spieltrieb befriedigen wollen, und dafür hätten sie hohe Geldsummen bezahlt. Einer grässlichen Logik folgend sei dafür der Preis für Schüsse auf Kinder höher gewesen als jener auf betagte Männer.

Gavazzeni erzählt von einer Frau, einer Zeugin aus dem Friaul, die er befragt habe. Sie lebte nahe der Grenze zu Ex-Jugoslawien. Sie habe damals Leute in ihrem Hotel beherbergt, die nach Sarajevo fuhren, und zwei von ihnen hätten ihr damals berichtet, was sie dort täten.

Zwei italienische Gäste hätten davon gesprochen, wie sie in Sarajevo auf Zivilisten schossen. Für solche und ähnliche Aussagen hat sich nach dem Krieg lange niemand interessiert. Doch nun laufen Ermittlungen, und Gavazzeni hofft, dass die Justiz endlich Licht in dieses dunkle Kapitel bringt.

Rendez-vous, 29.05.2026, 12:30 Uhr; noes

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