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Kalter Krieg 2.0 Erst Huawei, nun Tiktok – und dann?

Die Videoapp Tiktok sorgt seit Tagen für Zoff zwischen den USA und China. Der Kampf um die Datenhoheit könnte zum Stoff für einen «Digitalen Kalten Krieg» werden.

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Tiktok kaufen statt verbieten
Aus Newsflash vom 03.08.2020.
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Sie tanzen, singen oder kochen und filmen sich dabei. So etwa lautet das Konzept der App, um die sich ein Streit zwischen den beiden mächtigsten Ländern der Welt entbrannt hat. US-Präsident Donald Trump würde Tiktok am liebsten aus seinem Land verbannt oder aber von einer amerikanischen Firma gekauft sehen. Seit Montagabend sieht es nun eher nach Letzterem aus.

Was ist denn so böse an der Sing- und Tanz-App? Die Gefahr seien nicht die Videos, twitterte der republikanische Senator Marco Rubio auf diese Frage. «Die Gefahr ist, dass die gesammelten Daten in den Besitz einer Firma sind, welche sie bei Bedarf an China abliefern muss.»

Was Rubio damit anspricht, ist der Kern eines Streits, der schon seit einiger Zeit köchelt: der Streit um die Hoheit über Daten und Netzwerke.

Erst war der Streit um Huawei und sein 5G-Netzwerk, jetzt geht es um die App Tiktok. Doch diese wird nicht die letzte sein, die zum Spielball im Kräftemessen zwischen China und den USA wird. Experten sprechen bereits vom «Digitalen Kalten Krieg», der zwischen China und den USA ausgebrochen ist und warnen längerfristig vor einer Zweiteilung der Systeme.

China baut die «Digitale Seidenstrasse»

Erst letzte Woche hat China den letzten Satelliten seines eigenen GPS-Systems «BeiDou» ins All geschossen. Der grosse Bär, wie Chinas Satelliten-Navigationssystem übersetzt heisst, ist Teil der «Digitalen Seidenstrasse», mit der Staats- und Parteichef Xi Jinping die Welt nach chinesischen Regeln vermisst und kartografiert. Auch damit garantiert sich China einen wichtigen Teil am Fluss der Daten der Zukunft.

In Ländern wie Myanmar oder auch in der arabischen Welt wird das neue System bereits rege als Alternative zum amerikanischen GPS-System genutzt – chinesische Mobiltelefone greifen längst darauf zurück.

Sind WeChat und Alibaba als Nächste dran?

Längerfristig könne aber die Antwort im globalen Kampf um Daten nicht eine Zweiteilung sein, schreibt das britische Wirtschaftsmagazin «The Economist» in der aktuellen Ausgabe. Die Eskalation eines digitalen Krieges liesse sich nur vermeiden, wenn die offenen Gesellschaften einheitlich handeln.

Der Umgang mit Huawei sei dafür ein schlechtes Beispiel gewesen, schreibt die Zeitschrift. Tiktok könnte nun das nächste werden – Dienste wie WeChat und Alibaba warten schon.

SRF4 News, 04.08.2020, 08:00 Uhr

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Suter  (Sut)
    Jahrelang galten die USA als Verfechter der Globalisierung. Seit wenigen Jahren haben die Chinesen in einigen Sparten mit den Amis gleichgezogen oder diese überholt. Damit der Amerikaner nicht ins Hintertreffen kommt, werden Produkte aus diesen Sparten in den USA einfach verboten. Globalisierung für diese Produkte einfach aufgehoben! Man zieht sich wirtschaftlich und politisch zurück und beschuldigt den Gegner mit unfähren Vorwürfen.
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    1. Antwort von Mark Weber  (markweber)
      In den letzen Jahren wurde aber China unter Xi Jingpin leider immer aggressiver gegenüber seinen Nachbarn und mit Industriespionage in der ganzen Welt.

      Dazu erlaubt China ja diversen westlichen Technologiefirmen auch nicht, in China tätig zu sein, wenn sie dem Staat nicht Zugriff auf die Daten und das Recht für Zensur gewähren.

      Es ist also nicht so unvernünftig, dass die USA jetzt handelt.
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  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Die US IT hat gewaltige Rückschläge erlebt. IBM verkauft keine Computer mehr. Dell und CiSCO Börsenkurse sind bestenfalls "flat gleichbleibend". Firmen wie Tencent, Alibaba, Huawei, Lenovo laufen den US Firmen den Rang ab. Trump hat interveniert und will, dass Microsoft 30% an die US Nationalbank überweist. Das ist dokumentiert.
    Dass gehrt in die Kategorie Erpressung. TikTok ist sicher nicht die wichtigste Firma, ich würde denen raten die USA zu vergessen und alle Jobs in den USA zu streichen.
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  • Kommentar von Walter Freiburghaus  (sophisticated)
    Denken sie nicht auch, die Geheimdienste haben noch einige Informationen mehr, als uns hier zur Verfügung stehen? Die Massnahmen als persönliches Motiv von DT zu disqualifizieren ist dumm und gefährlich. Es würde mich ja interessieren, wie die Amerikaner über uns Europäer denken. Vielleicht sind wir in ihren Augen schlicht Penner.
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    1. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Eher als Untertanen oder Lakaien welche auf sie angewiesen sind, jedes Wort glauben (müssen) und ihnen aus der Hand fressen wenn Druck angesetzt wird.
      China lässt sich nicht unterdrücken, mit recht und beisst zurück wenn nötig; aber versucht Vernunft walten zu lassen.
      Die US scheint sich Richtung wilder Westen zurück zu bilden, während es den Chinesen seit jeher nie besser ging.
      Das scheint einigen im US Establishment nicht in den Kram zu passen aus etlichen Gründen.
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