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Chinas Fuss in der europäischen Tür
Aus Echo der Zeit vom 21.03.2019.
abspielen. Laufzeit 08:29 Minuten.
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Kampf der Wirtschaftsmächte Führen bald alle Wege nach Peking?

Chinas Präsident Xi weibelt in Italien für die neue Seidenstrasse. Muss sich Europa vor dem Riesen aus Fernost fürchten?

Mittelmacht. Regionalmacht. Grossmacht. Bald vielleicht Supermacht. In vierzig Jahren habe sich China vom Armenhaus zur zweitgrössten Wirtschaft der Welt entwickelt, erklärt Wirtschaftshistoriker Harold James dem Publikum in Zürich.

Um das Jahr 2000 wuchs Chinas Wirtschaft um eindrückliche 14 Prozent, führt der Professor der US-Elite-Universität Princeton aus: «Auch nach der Finanzkrise lag das Wachstum bei fast zehn Prozent. Inzwischen hat sich die Wirtschaft zwar etwas abgekühlt, China ist aber immer noch ein mächtiges Arbeitspferd.»

Der Kuchen wird neu verteilt

China wächst noch immer mit über sechs Prozent – mehr als doppelt so schnell wie die USA und Europa, ergänzt Jan-Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Trotz langsamerer Wachstumsraten vergrössere China damit seinen Anteil am Gesamtkuchen.

China und US-Flaggen.
Legende: Wann genau Chinas Anteil am Kuchen so gross ist, dass es die USA überholt, darüber sind sich die Ökonomen uneinig. Es fallen die Jahre 2030, 2040 oder auch erst 2050. Keystone

China habe eine beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung hinter sich, sagt auch Linda Yueh. Die britisch-amerikanische Professorin und Journalistin mit chinesischen Wurzeln lehrt an der Universität Oxford und an der London Business School. Die Zahlen würden aber nichts daran ändern, dass China drohe, in dieselben Wachstumsfallen zu tappen wie manch anderes Schwellenland.

Denn Chinas Mittelschicht sei noch nicht breit genug: «Seit 1960 haben über 100 Mittelstandsländer versucht, die Mittelschicht zu verbreitern. Bis 2008 haben es gerade mal zehn Länder geschafft, sich zu einer reichen Hochtechnologie-Nation zu entwickeln. Keines dieser Länder hatte Chinas Grösse», sagt Yueh.

EU ist mit sich selbst beschäftigt

Vor allem die grossen Lohndifferenzen zwischen Stadt und Land und die Rückständigkeit der ländlichen Gebiete könnten sich als strukturelle Hindernisse erweisen: «Wenn China nachhaltig wachsen will, muss die Regierung aufhören, die Wirtschaft so heftig mit Krediten und Staatsinvestitionen zu stimulieren. Das Wachstum sollte von der Nachfrage der Konsumenten getrieben sein.»

Xi Jinping
Legende: Die Sorge um Chinas Wirtschaft ändert nichts daran, dass China immer mächtiger wird, nicht zuletzt mit der neuen Seidenstrasse, die geschätzte tausend Milliarden Dollar kosten wird. Keystone

Die Ökonomen geben zu, dass Chinas Politik schwierig zu durchschauen sei. «Uns Europäern bereitet Sorgen, dass Geld aus einem Land kommt, dessen System wir nicht wirklich verstehen. Wir haben das Gefühl, dass auch politische Elemente eine Rolle bei den Investitionen spielen», sagt Sturm.

Sich Sorgen zu machen sei aber nicht genug, sagt Princeton-Professor James. Europa und speziell die EU bräuchten eine klarere Wirtschaftsstrategie. Die EU sei schon seit längerem zu sehr mit sich selbst beschäftigt – etwa mit der Verteilung der Flüchtlingsströme, dem Brexit, dem Haushaltsstreit mit Italien oder der Zukunftsfähigkeit des Euros.

Chinesische Technologie-Konzerne messen sich mit US-Tech-Giganten wie Facebook oder Google. Europa spielt da überhaupt keine Rolle.
Autor: Harold JamesWirtschaftshistoriker

Dies lenke davon ab, eine Strategie zu entwickeln für die künftige wirtschaftliche Weltordnung: «Chinesische Technologie-Konzerne wie Baidu oder Huawei messen sich mit US-Tech-Giganten wie Facebook oder Google. Europa spielt da überhaupt keine Rolle.»

Innovativ sein reicht nicht

Und das, obwohl europäische Länder innovationsstark sind. Zumindest gemessen am globalen Patent-Index. 2018 kamen acht der zehn innovativsten Länder aus Europa. Das Problem sei jedoch, dass europäische Länder es zu wenig schafften, diese Innovationen zu kommerzialisieren, sagt James.

Ein ernüchterndes Fazit für Europa – während China trotz Hürden weiter vorwärts rennt. Will China aber zur wirtschaftlichen Supermacht werden, muss es nach den Spielregeln des globalen Wirtschaftssystems spielen.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Bühler  (Capten Demokratie)
    Nein, China baut sein eigenes Globales Wirtschaftsystem auf. Und dass machen sie sehr Intelligent. Es ist nicht nur der Ölmarkt Börse in Schanghei oder der Handel ausserhalb des Dollars zwischen den Ländern. Es ist auch die Investitionspolitik Chinas mit dem Dollar. Die Gier nach dem Schnellen Gewinn macht blind. Denn die Dollarkredite in China, also die Investitionen in Dollar sind nicht gesichert. Die blase kann die USA härter Treffen als China, verstaatlichung ist nämlich nicht ausgeschlossen
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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Das Bild zeigt haargenau die Reaktion von China! China konnte so lange wursteln und zocken bis Präsident Trump auf die Bühne trat. Es ist typisch, dass einer wie er, von den Linken zur "Schnecke" gemacht werden will. Wir brauchen alle Menschen, Rechts und Links, welche sich "populistisch" (volksnah) für die Welt einsetzen.
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  • Kommentar von Werner Portmann  (Jackson)
    @piamüller. USA vergessen, dafür sollte Europa Russland ins Boot holen, geographisch und kulturell sowieso Europa am nächsten. Was für ein Potenzial, europäisches Know-how und High Tech gegen Rohstoffe.
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