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Die chinesische Greta besucht die Schweiz
Aus 10 vor 10 vom 20.05.2021.
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Kampf fürs Klima Die chinesische Greta will das Schweizer System herausfordern

Howey Ou gilt als erste Klimastreik-Aktivistin Chinas. Nun sorgt sie in der Schweiz für Aufsehen. Eine Begegnung.

Internationale Medien nennen sie die «chinesische Greta», seit sich Howey Ou aus Sorge ums Klima mit selbstbeschrifteten Kartons vor das Regierungsgebäude ihrer Heimatstadt Guilin stellte. Die 16-Jährige wollte es der Friday-for-Future-Bewegung aus Europa gleichtun.

Das bescherte ihr zwar viele Follower auf Twitter und internationale Aufmerksamkeit. In China jedoch blieb das Interesse gering, Howey Ou ist mit ihrem Protest meist alleine geblieben.

Gefängnisstrafe für Klima-Aktivismus

Zwei Jahre später sitzt Howey Ou am Fuss des Gerechtigkeitsbrunnens in Lausanne, sie ist im Hungerstreik. Hergekommen durch einen befreundeten Schweizer Aktivisten, den sie aus dem Internet kennt, hat sie sich hier an verschiedenen Umwelt-Aktionen beteiligt und sich gleich auch mit der Schweizer Justiz angelegt.

Gesetzlich verordneter Umweltschutz

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Die chinesische Regierung hat sich den Kampf gegen den Klimawandel gross auf die Fahne geschrieben. Sie fördert etwa die Elektromobilität, erlässt ein Plastiksackverbot oder ordnet die Mülltrennung an. Umweltbewusstsein wird in China von oben verordnet. Das Engagement einer Schülerin wie Howey Ou stösst denn auch auf Unverständnis. Chinesinnen und Chinesen fragen sich, warum sich Howey Ou nicht auf ihre Ausbildung konzentriert und die Klimapolitik der Regierung überlässt. (Claudia Stahel, SRF-China-Korrespondentin)

So hat sie sich den Besetzerinnen und Besetzern der «Zone à défendre» auf dem Waadtländer Mormont-Hügel angeschlossen, als dieser von der Polizei geräumt werden sollte. Damit protestierte sie gegen den Steinbruch des Beton-Riesen Holcim und dessen CO2-Ausstoss.

Für ihren Widerstand bei der Räumung wurde sie, wie viele andere, von der Waadtländer Staatsanwaltschaft zu einer unbedingten Gefängnisstrafe verurteilt. Dagegen protestiert sie mit einem zehntägigen Hungerstreik. Alleine, mitten in Lausanne.

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Howey Ou will die Menschen in Lausanne aufrütteln
Aus News-Clip vom 19.05.2021.
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Howey Ou will ganz genau wissen, was die Reporterin mit ihrem Interview machen will, überlegt lange, bevor sie auf Englisch antwortet und achtet dabei stets darauf, ihre Message herüberzubringen. «Es kann nicht sein, dass Leute ins Gefängnis sollen, die wie ich das Klima verteidigen, während Grosskonzerne wie Holcim weiterhin Unsummen von Geld machen können», sagt sie.

Wir müssen das toxische System offen herausfordern. Es ist der einzige Weg, wie die Öffentlichkeit die strukturelle Gewalt sehen kann.
Autor: Howey OuChinesische Klimaaktivistin

Schweizer shoppen trotz Klimawandel weiter

Deshalb geht sie auch in der Schweiz auf Konfrontation mit dem System, das aus ihrer Sicht den Klimawandel zulässt. Ihre Festnahme am Mormont-Hügel hat sie ganz bewusst in Kauf genommen. «Weil wir das toxische System offen herausfordern müssen. Es ist der einzige Weg, wie die Öffentlichkeit die strukturelle Gewalt sehen kann», zeigt sie sich überzeugt.

Aufklären und aufrütteln will sie. Sie sucht in der Lausanner Innenstadt das Gespräch mit Passantinnen und Passanten. Die meisten reagieren verständnisvoll und wohlwollend auf ihre Aktion. Doch Howey Ou reicht das nicht. «Viele sagen, es sei super, was ich mache. Aber sie realisieren den Notstand nicht, in dem wir uns befinden», sagt sie.

«Ich sehe die Leute mit ihren grossen Einkaufstaschen und luxuriösen Kleidern. Ich weiss, was die Konsequenz dieses Lebensstils ist, weil es in Guilin, wo ich herkomme, schon zu riesigen Überschwemmungen gekommen ist. Und es wird immer schlimmer.» Für Howey Ou ist die ganze Menschheit wegen des Klima-Notstands in Gefahr.

Hungerstreik geht weiter

In Europa will Howey Ou verstehen, wie sich die Umwelt-Bewegungen hier organisieren. Umgekehrt ist sie für viele Lausanner Aktivistinnen und Aktivisten eine Inspiration. Trotzdem ist sie nicht zufrieden. Sie will mehr erreichen. Am heutigen Klimastreiktag will sie ihren Hungerstreik fortführen, aber dieses Mal zusammen mit anderen Klima-Jugendlichen. Nicht mehr alleine.

Klimastreik-Aktionstag heute Freitag

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Klimastreik-Aktionstag heute Freitag
Legende: Keystone Archiv

Für heute Freitag hat die Bewegung Klimastreik zum «Strike for Future» aufgerufen. Sie schliesst sich damit einem weltweit begangenen Aktionstag an. Er hat zum Ziel, eine sogenannt klimagerechte Gesellschaft und eine ökologische und solidarische Umgestaltung anzustossen.

Dazu sind über 75 Aktionen in mehreren Schweizer Städten geplant. Das Motto: «Streiken für eine ökologische, solidarische und gerechte Zukunft für alle!» Grössere Aktionen sind in Zürich, Bern und Lausanne vorgesehen, weitere in Genf, Basel, Luzern, St. Gallen, Winterthur, Schaffhausen, Thun, Chur, Lugano und breit gestreut in den Kantonen.

Eigentlich hätte dieser weltweite Aktionstag schon vor einem Jahr durchgeführt werden sollen, er wurde wegen der Corona-Pandemie aber abgesagt. Jetzt soll er nachgeholt werden. Die Organisatoren mahnen denn auch zur Einhaltung der Masken- und Abstandspflicht sowie überhaupt zur Einhaltung aller Regeln und zudem zur Durchführung von Covid-19-Selbsttests. (sda)

10 vor 10, 20.05.2021, 21.50 Uhr

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114 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Schori  (malanders)
    Holcim ist oben ein Thema. Die SBB befasst sich mit Recycling von Eisenbahnschwellen wegen der Energieersparnis. Aber die vielen Gartenplatten rings um die Einfamilienhäuser machen den Spareffekt längst wieder wett. Die Gartenplatten kommen sehr häufig aus China, das CO2 wird aber den Chinesen angerechnet.
    Hierzulande fährt man gerne grosse Autos. Woher kommen Stahl und Aluminium? Meistens aus China. Das CO2 geht wieder auf die Rechnung der Chinesen.
    Soviel zu Schweiz und China.
    1. Antwort von Andreas Schori  (malanders)
      Ich habe gestern Zahlen gesucht, z.T. auf Wikipedia. China produziert weit mehr Roheisen und Aluminium als der Rest der Welt zusammengenommen! Klar, viel brauchen sie selber für den Städtebau, Autobahnbrücken und Bahngeleise. Aber sehr viel geht direkt in den Export, viel auch als fertige Produkte. Da versteht man dann auch, wieso China etwa die Hälfte der Kohle verbraucht. Der Westen hat seine CO2-Produktion "ausgelagert".
    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Andreas Schori, wer produziert, verkauft, davon profitiert, hat dafür zu sorgen, dass Produkte natur- und umweltfreundlich, aber auch menschlich hergestellt werden. Das gilt auch für Konsumenten, wobei es zuweilen für sie schwieriger ist, Herstellung und Herkunft zu überprüfen oder die Produkte zu umgehen.
  • Kommentar von Julius Stern  (Stimme der Vernunft)
    Ist schon hässlich, wenn einem der Spiegel vorgehalten wird, wir Schweizer sind ja doch nicht so sauber und unwichtig im internationalen Vergleich, wie die Rechte tut.
  • Kommentar von Daniel Amstutz  (Dan22)
    Diese Chinesin soll in China, der größte co2 verschmutzer Ordnung machen. Schauen was mit ihr geht wenn sie in ihrem Land Kritik mitbringt