Zum Inhalt springen

Header

Audio
Die Unterschiede im Nahen Osten sind von Land zu Land sehr gross
Aus SRF 4 News aktuell vom 03.02.2021.
abspielen. Laufzeit 05:14 Minuten.
Inhalt

Kampf gegen Coronavirus Impfen in Nahost – nicht alle wollen

Israel ist Weltmeister beim Impfen gegen Corona. In den anderen Ländern des Nahen Ostens geht es langsamer voran.

Impfungen in Nahost: Kein Land der Erde hat bislang einen grösseren Bevölkerungsanteil gegen das Coronavirus geimpft als Israel. Auch in den Golfstaaten geht es voran – so haben etwa die Vereinigten Arabischen Emirate bereits fast gleich viele Menschen geimpft wie Israel. Geimpft wird – wenn auch in etwas langsamerem Tempo – auch in einigen ärmeren Ländern wie Jordanien. In zahlreichen weiteren Staaten der Region gehe es jedoch nur sehr schleppend voran, sagt SRF-Nahostkorrespondentin Susanne Brunner.

Grosse Unterschiede: Drei Kriterien würden darüber bestimmen, ob in einem Land des Nahen Ostens Coronaimpfungen laufen, sagt Brunner: «Geld, der Zustand des Gesundheitssystems sowie das Verhältnis der Bevölkerung zur Regierung.» Die Vertrauensfrage sei dabei der grösste Knackpunkt punkto Impfungen in der Region. Weil das Vertrauen in die Regierungen in vielen Ländern aber sehr gering sei, sei auch die Impfwilligkeit klein.

Wenig Vertrauen in die Regierung

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Wenig Vertrauen in die Regierung
Legende: Reuters

Sogar in Jordanien, wo die Bevölkerung im Schnitt sehr gut ausgebildet ist, ist das Vertrauen in die Regierung klein – ebenso ist es mit der Impfwilligkeit. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der University of Jordan gaben 80 Prozent der befragten Jordanierinnen und Jordanier an, der Regierung überhaupt nichts zu glauben. Auch gaben 20 Prozent der Befragten zu Protokoll, die Corona-Pandemie sei bloss eine Verschwörung. Deshalb setzt die Regierung dort auf Freiwilligkeit bei der Impfung. (brus)

Junge Bevölkerung: Die Menschen in den Ländern des Nahen Ostens sind im Schnitt viel jünger als etwa in Westeuropa. «Für die Jugend ist impfen kein dringliches Thema – sie hat viel dringendere Probleme», stellt die Korrespondentin deshalb fest. Dazu gehörten die Arbeitslosigkeit und die Armut. Die Jugendlichen würden aber ihre Eltern und Grosseltern dazu drängen, sich impfen zu lassen, weil die Generationen oft unter demselben Dach leben und die Jüngeren befürchten, die Älteren anzustecken.

Krisenländer: In manchen Ländern ist an ein Impfen derzeit gar nicht zu denken – zu tief stecken etwa Syrien oder Libanon in der Krise. «Sie sind nicht in der Lage, eine Impfkampagne zu organisieren», sagt dazu Brunner. Immerhin würden Hilfswerke versuchen, in Libanon in die Bresche zu springen. Auch Syrien soll bald mit ersten Impfdosen beliefert werden, doch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch befürchtet, dass die Regierung jene Teile der Bevölkerung bevorzugen wird, die nach zehn Jahren Bürgerkrieg noch zu ihr hält.

Problem Religion: «Die Regierungen müssen die religiösen Führer an Bord holen, sonst geht punkto Impfung gar nichts», stellt Brunner auch fest. Das gelte sowohl in Israel für Teile der Bevölkerung als auch in den muslimischen Ländern der Region. Immerhin würden die Rabbiner in Israel und die Imame in den muslimischen Ländern inzwischen zu Impfungen aufrufen. Doch die meisten Menschen der Region müssen wohl noch länger auf eine Impfung warten.

SRF 4 News, 03.02.2021, 07.20 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von HANS LEUENBERGER  (IHL)
    @Vischer. Leider bewegen Sie sich auf tiefstem Niveau, auf das ich gar nicht weiter eingehen will. Sie haben null Respekt für die palästinensische Bevölkerung und ihrer berechtigten Hoffnung auf einen eigenen, unabhängigen und freien Staat, sowie einen gerechten Frieden. Ausser für die illegalen Siedler, wäre dies auch im Interesse Israels.
  • Kommentar von HANS LEUENBERGER  (IHL)
    Israel wird immer wieder als Weltmeister im Impfen gelobt. Das gilt allerdings nur für die eigene Bevölkerung. Für die Palästinenser in der besetzten Westbank gibt's keinen Impfstoff. Das ist ein klarer Bruch der IV Genfer Konvention, welche eine Besatzungsmacht verpflichtet, die medizinische Versorgung sicherzustellen. Israel tut das nicht. Die Schweiz müsste als Depositärstaat der Genfer Konv,, deren Einhaltung von Israel einfordern. BR Cassis tut dies auch nicht. Und niemand schaut hin.
    1. Antwort von Marcel Benjamin  (Benny)
      Sie haben ihre Recherche nicht gründlich gemacht. Gemäß den Oslo accords ist die palästinensische Führung dafür verantwortlich. Und trotzdem hat Israel Impfdosen offeriert, doch die Palästinenser haben es abgelehnt. Jetzt aber gibt Israel aber 5000 sowieso. Und sonst haben die Palästinenser auch schon Einkäufe gemacht. Und zum Schlusspunkt, in der Schweiz geht's auch nicht schneller.
    2. Antwort von Franziska Schaffner  (Franziskasch)
      @Marcel Benjamin, Wow! Wie grosszügig, 5000 Impfungen für 4 Mio PalästinenserInnen in der Westbank! Und das auch erst nach Monaten Druck der UN. Die Covax Initiative der WHO, die eigentlich nicht für Israels Verantwortlichkeiten zuständig ist, wollen 37000 liefern. Und wenn Israel Oslo respektiert hätte, hätten die Palästinenser heute einen eigenen Staat.
    3. Antwort von HANS LEUENBERGER  (IHL)
      Das internationale Völkerrecht und die Genfer Konventionen sind dem Oslo Abkommen übergeordnet und es gibt auch Rechte, die unabdingbar sind, also nicht ausser Kraft gesetzt werden können. Siehe Offener Brief der Gesellschaft Schweiz-Palästina und über 10 unterstützenden Organisationen an Bundesrat Cassis, Chef EDA. Er wurde übrigens auch weitestgehend unter den Tisch gekehrt... 5000 Dosen sind ein typischer israelischer Zynismus!
    4. Antwort von Martin Vischer  (Martin Vischer)
      @Schaffner
      Kennen Sie Wikipedia?
      Bitte lesen Sie die Geschehnisse zu Oslo nochmals nach und verbreiten Sie keine Fake News. Oslo I wurde durch Israel ratifiziert, die Palestinenser haben angelehnt. Die Palestinenser haben auch heute noch keinen Staat, weil Sie absolut jede Vereinbarung abgelehnt und selber noch nie eine Verhandlung lanciert haben.
    5. Antwort von Martin Vischer  (Martin Vischer)
      @Leuenberger
      Israel ist nicht Besatzungsmacht der Westbank. Die Westbank ist und war kein Staat. Der einzige Fetzen Land, den Israel effektiv besetzt hält, ist der syrische Teil des Golan. Und der wird und wurde nicht von sog. Palestinensern bewohnt.
      Die fast 2 Mio. arabischen Bewohner und Bürger Israels werden genauso medizinisch versorgte und geimpft wie Juden, Christen, Bahai usw.
    6. Antwort von Franziska Schaffner  (Franziskasch)
      @Vischer, und deshalb stehen heute die ganzen Siedlungen in der Westbank, inkl. Israels Alleinanspruch auf Jerusalem? Gem. Oslo hätten die zentralen Fragen (Siedlungen, Jerusalem, Rückkehrrecht) step by step ausgehandelt werden sollen. Seither hat sich Israel step bei step über diese zentralsten Anliegen hinweggesetzt, mit der Rechtfertigung, sie seien in Oslo nie festgeschrieben worden. Was hätte eine Ratifizierung der PA daran geändert? Abgesehen davon dass das Abkommen so od so in Kraft trat.
  • Kommentar von Marcel Benjamin  (Benny)
    Der Unterschied ist dass Israel eine Demokratie mit fortgeschrittener Volkswirtschaft ist. Und noch dazu die Überlebensmentalität die dort herrscht. Interessanterweise ist es auch der jüngste Staat im Nahost, und doch der erfolgreichste. Mit Lebensfreude erreicht man viel.
    1. Antwort von Markus Bernegger  (JohnColtrane71)
      Völliger Stuss. Informieren Sie sich mal nicht nur bei Systemmedien und deren Propaganda. Ein Verbrechen sondergleichen, was in Israel und nicht nur dort an den Menschen passiert.