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Britisches Ferienparadies testet Schweizer Tracing-App
Aus Tagesschau vom 14.05.2020.
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Kampf gegen das Coronavirus Im Süden Englands ensteht eine Tracing-App – Made in Switzerland

Grossbritannien testet zurzeit auf der südenglischen Isle of Wight eine Tracing-App. Bereits in wenigen Wochen sollen alle Briten sie herunterladen. Mitentwickelt wird die App von einem Schweizer Unternehmen.

Die Ferieninsel Isle of Wight ist in Coronazeiten ein optimales Testlabor, denn sie ist – fast ohne Fährbetrieb – zurzeit stark abgeschottet von der Aussenwelt. Von den 90'000 Handynutzern auf der Insel haben gemäss ersten Informationen bereits über 50'000 die neue Tracing-App heruntergeladen.

So auch die Gemeinderätin Debbie Andre: «Es ist einfach zu bedienen, und es ist eine Ehre, dass wir als Insel bei so einem wichtigen Projekt mithelfen können.»

Know-How aus der Schweiz

Die App auf Andres Handy registriert via Bluetooth, sobald sie einer Person während 15 Minuten näher als zwei Meter kommt. Falls Andre selber an Corona erkrankt, tippt sie dies in die App ein. Anschliessend werden alle fraglichen Kontakte gewarnt.

So eine App zu programmieren, dauert normalerweise über ein Jahr.
Autor: Nicolas DurvilleCEO Zühlke

Damit haben die Inselbewohner jetzt auch ein bisschen Schweiz auf ihrem Smartphone. Denn das britische Gesundheitssystem NHS hat zur Unterstützung den Schweizer Technologie- und Softwareentwickler Zühlke an Bord geholt.

Handy und Frau.
Legende: Gemeinderätin Debbie Andre zeigt die neue Tracing-App. SRF/ Henriette Engbersen

Für CEO Nicolas Durville kein alltäglicher Auftrag: «Wir sind stark im Gesundheitswesen, also passt das. Und es ist für uns etwas Besonderes, weil wir damit so vielen Leute eine Hilfe bieten können.»

«Work in Progress»

In rund zwei Wochen soll die App für alle Britinnen und Briten zum Download bereitstehen. Das sei für die Entwickler eine grosse Herausforderung, erklärt Durville: «So eine App zu programmieren, dauert normalerweise über ein Jahr. Doch aktuell ist Schnelligkeit wichtig, die erreichen wir nur, wenn wir fortlaufend weiterentwickeln.»

Das heisst, während die Inselbewohner und -bewohnerinnen die App bereits nutzen, wird im Hintergrund noch optimiert. «Work in Progress» unter den Augen der Öffentlichkeit. Erste Probleme sorgten bereits für kritische Schlagzeilen: «Die App funktioniert nicht auf Geräten, die vier Jahre alt sind», schrieb etwa der Daily Telegraph.

Regelmässige Störungen

Gemeinderat Andrew Garrett erklärt, sein Smartphone sei etwa zwei Jahre alt, und er habe ebenfalls Probleme: «Sobald ich die App öffne, wird meine Wifi-Verbindung unterbrochen. Ich habe die App jetzt fünfmal heruntergeladen, es ist nicht besser geworden.»

Nicolas Durville erläutert, dass die grosse Spannbreite von Smartphones, von sehr alt bis ganz neu, für die Programmierer knifflig sei. Solche Probleme seien Teil des Prozesses: «Sie können nicht schnell und perfekt sein. Es gehört dazu, dass wir die App in dieser Phase fortlaufend anpassen.»

Dezentrale Speicherung bevorzugt

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Datenspeicherung: Der nationale Gesundheitsdienst NHS plant eigentlich eine App, welche alle Daten zentral speichert. Dies ist aber auf Kritik gestossen, auch Garrett ist skeptisch: «Mir ist nicht wohl dabei, wenn die NHS meine Daten irgendwo speichert.»

Deshalb wird nun zusätzlich an einer zweiten Lösung mit lokaler Speicherung der Daten gearbeitet, dieses Modell wird auch von Google und Apple unterstützt. Die dezentrale Speicherung verfolgen die meisten europäischen Länder, die britische App hätte damit mehr Chancen auf länderübergreifende Kompatibilität

Der Zeitplan der Regierung ist sehr ambitioniert, Ende Mai soll die App in ganz Grossbritannien verwendet werden können. Wie so oft in dieser Coronakrise betritt man Neuland. Und dazu gehört das Risiko, dass nicht alles auf Anhieb perfekt läuft.

Tagesschau, 14.5.2020, 12:45 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
    Das Corona-Virus hinterlässt bei uns Menschen schreckliche Spuren und es gibt für uns alle schönere Zeiten im Leben. Doch es zeigen sich auch einige positive Folgen: Viele von uns lernen neue Technologien nutzen, die Entwicklung von neuen Medikamenten kann vielleicht beschleunigt werden und die Erkenntnisse im Bereich unseres komplexen Immunsystems werden wahrscheinlich deutlich wachsen. Das Wissen des Homo sapiens vergrössert sich in für ihn langfristig wichtigen Bereichen.
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  • Kommentar von Jean Piere Grano  (J.-P. Grano)
    Irgend etwas stimmt da nicht: Noch Ende April gabe es diese Meldung: Der staatliche Gesundheitsbetrieb (NHS) ist mit Unterstützung von Palantir und weiterer Firmen daran, für eine zentralsierten Lösung einen riesigen Datenspeicher einzurichten. Es soll also nicht die dezentrale Lösung basierend auf das DP-3T von Google und Apple (wie in der Schweiz) genutzt werden.
    Also: Was sind Gerüchte, was ist fake, was ist aktuell richtig?
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Einfach den Bericht nochals lesen.
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  • Kommentar von Beat Leutwyler  (Beat Leutwyler)
    Ganz gleich ob zentral oder dezentral gespeichert wird, Gesundheitsdaten werden übermittelt.

    Die europäische Datenschutzverordnung (DSGVO - die Schweiz hat sich auch dazu verpflichtet) sieht die Beweislastumkehr vor. Heisst, dass nicht der Kläger, sondern die Beklagte etwas beweisen muss. Wie will denn der Entwickler seine Unschuld beweisen? Es genügt ja schon der Vorwurf eines Missbrauchs, nicht Straf- sondern Zivilrecht mit Schadenersatzforderungen.

    Ich sage einen Flop voraus.
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    1. Antwort von Markus Hunziker  (MH1)
      Es werden keine Gesundheitsdaten übermittelt!
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    2. Antwort von Beat Leutwyler  (Beat Leutwyler)
      @Markus Hunziker
      Eine solche App macht ja nur Sinn, wenn aufgrund von Symptomen der Kontakt mit Dritten nachverfolgt werden kann. Und diese Personen auch kontaktiert werden können.

      Wenn Ihnen der Begriff "Gesundheitsdaten" nicht gefällt, kann man sie auch "Krankheitsdaten" nennen. Dadurch wird die ärztliche Schweigepflicht buchstäblich "ad absurdum" geführt. Aber das wissen Sie selbst - "lesen können" ist ein Verfassungsauftrag.
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