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China erstickt in Plastik
Aus 10 vor 10 vom 11.12.2020.
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Kampf gegen Wegwerfplastik China verbietet Plastiksäcke und Trinkröhrli

Ye Dawang führt eine Strassenküche in der Wirtschaftsmetropole Shanghai: «Ich verbrauche jeden Tag zwischen 300 und 500 Plastiksäcke für Takeaway und Lieferdienst. Die wenigsten Kunden bringen einen eigenen Sack mit.»

Abermilliarden an Plastiksäcken

Damit gehen bei Ye Dawang im Jahr über hunderttausend Stück über den Tresen. Das Land als Ganzes verbraucht jährlich Abermilliarden. Plastiksäcke sind nicht aber nur in China, sondern weltweit ein Ärgernis.

Einmal kurz genutzt, landen sie im Abfall. Nur allzu oft werden die Säcke unachtsam weggeworfen und gelangen in die freie Natur. Sie zersetzen sich erst nach Jahrzehnten, verschmutzen Landschaft und Meere.

Frau hängt die Wäsche auf, hinter ihr fliesst ein Fluss durch, an dessen Oberfläche lauter Plastik schwimmt
Legende: Der Fluss Yongding He trägt den Plastikabfall der Stadt an den Vororten vorbei. Das Bild ist 2016 entstanden. Keystone

63 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr

International werden deshalb zurzeit die Raschelsäcke verboten. Nebst der EU oder Kanada will unter anderem auch China auf die Säcke verzichten. Beim Plastikverbrauch gehört das Land schon alleine wegen seiner 1.4 Milliarden Einwohnern zu den weltweiten Spitzenreitern.

Laut der National Resources Recycling Association fielen 2019 in China 63 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Wie viel davon Einwegplastik war, ist nicht bekannt – aber die Regierung anerkennt, dass sie ein Plastikproblem hat.

Grossstädte müssen Plastikverbot zuerst umsetzen

Vergangenen Januar hat Peking bekannt gegeben, die Herstellung und den Verkauf von Einwegplastiksäcken, -trinkhalmen und -geschirr schrittweise bis 2025 zu verbieten. Das Verbot kommt zuerst in Grossstädten. Dort müssen Plastiksäcke und -röhrli bereits bis Ende 2020 aus Supermärkten und Gastronomie verschwunden sein.

Danach folgen die kleineren Städte und zum Schluss die Dörfer. Erlaubt sind nur noch biologisch abbaubare Produkte.

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Aus dem Archiv: China startet Plastik-Verbot
Aus SRF News vom 20.01.2020.
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Plastiksäcke nur noch gegen Bezahlung

Es ist nicht Chinas erste Initiative: Seit 2008 dürfen Verkäufer Plastiksäcke nur noch gegen Bezahlung abgeben. Gebracht hat die Massnahme wenig. Entweder halten sich die Verkäufer nicht daran, oder verlangen pro Sack lediglich zwei, drei Schweizer Rappen – auch für chinesische Verhältnisse praktisch nichts.

Dieses Mal soll es ein generelles Verbot richten. Aber in Shanghai, wo das Verbot in wenigen Wochen umgesetzt sein muss, sind die Plastiksäcke und -röhrli noch immer allgegenwärtig.

Grosse Ketten machen bereits mit

Vor allem die grossen in- und ausländischen Ketten wie Heytea oder Starbucks haben bereits Initiativen lanciert. Doch viele, insbesondere kleine Geschäfte, warten noch zu.

Jacky führt eine Kaffeebar in Shanghai. Er fürchtet, dass seine Kunden Alternativen wie Papiertrinkröhrli nicht akzeptieren: «Die Qualität ist ungenügend. Wenn man damit Kaffee trinkt, löst sich nach einer Weile das Papier auf. Das beeinflusst den Geschmack.»

Und Koch Ye Dawang hat zwar vom Verbot gehört, ist sich aber nicht bewusst, dass es in Shanghai bereits auf Ende Jahr kommt.

Umsetzung dürfte auf den letzten Drücker kommen

Auch wenn die Kommunikation noch harzt und viele abwarten, dürfte das Verbot in den Grossstädten umgesetzt werden, einfach auf den letzten Drücker.

Denn das Thema Umweltverschmutzung, und dazu gehört auch das Einwegplastikverbot, steht ganz oben auf der Agenda der Regierung. Und wenn Peking etwas will, passiert es auch.

10vor10, 11.12.20, 21:50 Uhr;

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Peter Bruppacher  (Hans Peter Bruppacher)
    China verbietet Plastiksäcke und Trinkröhrli und baut aber 12 (zwölf) neue Atomkraftwerke! (Quelle nuklearforum.ch)
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    1. Antwort von Ueli Meier  (meimei)
      Die ‚Operation leere Teller‘ der chinesischen Regierungsspitze wurde im August (2020) lanciert. Sie richtet sich gegen die Lebensmittelverschwendung. In China war es Tradition den Teller nicht leer zu essen, um den Gastgeber nicht zu blamieren. Mit der ‚Operation leere Teller’ soll das omnipräsente Foodwaste eingedämmt resp. vermieden werden.
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  • Kommentar von Andreas Hug  (AndiHug)
    plastiksäcke und trinkröhrchen zu verbieten ist eine alibiübung und nützt der Natur rein gar nix. Diese 2 Artikel machen vielleicht 0,001 % des Plastiks aus. man sollte ganz von Plastik wegkommen. Wir sprechen ja erst seit mehreren Jahren darüber den Plastikkonsum zu verringern. leider ohne Erfolg.
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    1. Antwort von Ueli Meier  (meimei)
      In Shanghai (wo der Autor lebt) wird in den Kanälen und Flüssen mit Reinigungsbooten das (vereinzelt) dahintreibende Littering herausgefischt und die Strassen werden täglich gekehrt. Der Anteil an Plastiksäcken ist hoch und es kommt in den Großstädten einiges zusammen. Jedes Verhindern von Plastik Abfall ist zu begrüssen. Ebenso könnte man sagen, das Einsammeln von Hundekot auf den Strassen nütze der Natur nichts.
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  • Kommentar von Delmar Lose  (DeLo)
    Es ist so schade das dieses Regime so ist wie es ist! Den es kommen echt auch gute Sachen/Entscheide aus China!
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    1. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Gute Sachen kommen raus WEIL das Regime so ist wie es ist. Wir hingegen haben nicht mal Corona im Griff.
      JaKaMi Individualismus und Föderalismus bieten nicht mal den Anflug einer Lösung für die dringenden, globalen Probleme die 90%+ aller Stimmberechtigten nicht mal im Ansatz so weit durchblicken dass man ihnen die nötige Fach-Kompetenz beim Mitreden attestieren könnte.
      Wer heute nicht selber einsieht, wie blödsinnig Plastikröhrli sind, braucht keine Demokratie sondern Bevormundun!
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    2. Antwort von Delmar Lose  (DeLo)
      Für Gute Sachen brauchts aber nicht so ein Regime! Das geht auch anders! China ist nicht gut organisiert, es ist bei weitem zu unterdrückerisch! Es wird wen es nicht zum totalen knüppel und überwachungstaat wird zerfallen...
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