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Rassistische Surfer – ein Abbild der US-Gesellschaft
Aus SRF 4 News aktuell vom 21.04.2021.
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Kampf um Werte in den USA «Weisse Männer in den USA sehen sich durch Eindringlinge bedroht»

Dass die USA ein gesellschaftlich tief verwurzeltes Rassismus-Problem haben, zeigt sich auch bei den Surfern in Kaliforniern: Immer wieder kommt es dort zu Zwischenfällen. Journalist Jürgen Schmieder, der in Kalifornien lebt, erläutert die Ursachen.

Jürgen Schmieder

Jürgen Schmieder

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Der Journalist und Buchautor Jürgen Schmieder, Link öffnet in einem neuen Fenster ist freier Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» in den USA. Er lebt in Los Angeles/Kalifornien.

SRF News: Wie passen Surfer-Boys und Rassismus zusammen?

Jürgen Schmieder: Der typische Surfer ist weiss und blond. Er legt ein Revierverhalten an den Tag, das zu Rassismus führen kann. So surfte vor zwei Wochen etwa ein junger Afroamerikaner in Manhattan Beach, als es zum Streit mit einem weissen Teenager um eine Welle kam. Der Teenager war klar im Unrecht und entschuldigte sich umgehend. Doch ein weisser, mittelalter Mann kam dazu und beschimpfte den Afroamerikaner aufs heftigste, unter anderem mit dem N-Wort.

Der typische Surfer legt ein Revierverhalten an den Tag, das zu Rassismus führen kann.

Er riet ihm, am Strand für die Schwarzen surfen zu gehen. Dazu muss man wissen, dass es früher weiter nördlich einen speziellen Strand gab, an dem Schwarze surfen durften. Der Zwischenfall zeigt: Es geht weniger um die Welle als darum, dass sich der weisse Man daran stört, mit einem Afroamerikaner zu surfen.

Wie verbreitet ist dieses Rassismus-Phänomen unter den Surfern?

Es zieht sich durch ganz Kalifornien – von Norden nach Süden. Obschon der US-Bundesstaat für seine sehr liberale Politik bekannt ist, gibt es konservative «Blasen»: Strände, an denen farbige Surfer nicht gern gesehen werden.

Wie sind solch rassistische Auswüchse im so liberalen Kalifornien möglich?

Hintergrund ist ein demografischer Wandel: Zu Übergriffen kommt es meist in sehr wohlhabenden, sehr «weissen» Orten. Neuerdings ziehen auch junge Schwarze, Muslime oder Mexikaner dorthin. Sie stören das konservative, familiär geprägte Weltbild. Als Folge davon kommt es zu Übergriffen: So war der Porsche eines jungen, gut ausgebildeten und vermögenden Muslims in Hermosa Beach eines Morgens zerkratzt und mit Eiern beworfen. Es stellte sich heraus, dass dafür sein Nachbar verantwortlich war, der den jungen Mann denn auch mit dem N-Wort beschimpfte – obschon dieser gar nicht schwarz ist.

Es ist ein Rassismus gegen jegliche nicht-weissen Eindringlinge.

Die Weissen empfinden die Neuzuzügler als Eindringlinge und Bedrohung, die ihr Weltbild zerstören. Folge davon ist eine Abwehrhaltung – die Weissen denken, sie müssen sich wehren. Es ist nicht im eigentlichen Sinne Rassismus gegen Schwarze, es ist vielmehr eine Sonderform von Rassismus – einer gegen jegliche nicht-weissen Eindringlinge.

Wie gefährlich sind diese Aggro-Surfer?

Ihr Revierverhalten ist sehr aggressiv – sei es im Wasser im Streit um eine Welle oder an Land, indem Autos von «fremden» Surfern auf Parkplätzen beschädigt werden. Auch gibt es immer wieder Prügeleien. Immerhin kommt es – noch – nicht zum Äussersten.

Die Szene der Aggro-Surfer ist nicht sehr gross, aber eben: sehr aggressiv.

Betroffen sind dabei vor allem die beliebtesten Surfspots Kaliforniens – denn dort gibt es auch die schönsten Wellen zum Surfen. Zwar ist die Szene der Aggro-Surfer nicht sehr gross, aber eben: sehr aggressiv.

Ist die Gruppe der rassistischen weissen Surfer ein Abbild der US-Gesellschaft?

In der Tat zeigt sich daran, was derzeit in den USA passiert: Viele weisse Leute haben Angst, sich ändern zu müssen, dass ihnen ihre Lebensform, ihre Werte weggenommen oder zerstört werden. In den letzten vier Jahren hat Donald Trump mit diesen Ängsten gespielt und so konservative Leute auf seine Seite gezogen.

Viele Weisse haben Angst, dass ihre Werte zerstört werden. Trump hat in den letzten vier Jahren mit diesen Ängsten gespielt.

Genau das passiert im Kleinen auch in Kalifornien: Die Weissen wenden sich gegen die «anderen» Zuzügler – seien es nun Schwarze, Latinos, Muslime, Lesben oder Schwule. Solche konservative Blasen gibt es überall in den USA – das Land entzweit sich immer stärker.

Das Gespräch führte Adam Fehr.

SRF 4 News aktuell vom 21.4.2021, 07.45 Uhr;

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67 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    genau so ist es!!!
  • Kommentar von Mirjam Hoss  (Snipsnapper)
    Stichwort Verteilungskämpfe. Logisch, nimmt das Gefühl der Bedrohung auf einem begrenzten Planeten zu, bei 8 Milliarden homo rapiens. Genau wie Hans Magnus Enzensberger vor Jahren prognostiziert hatte in seinem Essay "Aussichten auf den Bürgerkrieg". Das zeigt sich tausendfältig im Kleinen, wie in diesem Interview beschrieben.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Mirjam Hoss, passt irgendwie gut, homo rapiens, eigentlich noch besser als sapiens, war das Absicht?
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Die weissen Männer haben früher die Indianer bedrohtund fast ausgerottet und Schwarze Menschen als Sklaven gehalten. Sie sollten es jetzt auch zu spüren bekommen wie es sich anfühlt bedroht durch anders farbige Menschen. Amerika hat noch viel aufzuarbeiten.
    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Genau so ist es, wie Sie es sagen, Herr Hochuli.
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Ihren Kommentar muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Sie finden es also gut, dass nachdem man nun der Ansicht ist, dass ein bestimmtes Verhalten gegenüber bestimmten Gruppen nicht opportun wäre, dasselbe Verhalten gegenüber einer ganz bestimmten Gruppe angewendet werden darf oder sogar soll? Wo bleibt dann die von Ihnen so gerne zitierte Moral? Glauben Sie dass Unrecht, Unrecht wieder gut macht oder was?
    3. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Lang: Mit Ihrer Art von Replik belegen Sie, dass Herr Hochuli und ich auf der rechten Strasse sind und noch ein Gewissen haben - ein geschichtliches.
    4. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @UvK
      Ein geschichtliches Gewissen legitimiert Sie noch lange nicht dazu aufzufordern, Unrecht zu begehen, selbst wenn der Grund dazu ist, dass irgendwann mal Unrecht begangen wurde. Es sei denn Sie leben im ständigen Zustand der Blutrache, was ich aber für eine unzivilisierte und vor allem zu tiefst unmoralische Angelegenheit halte. Wer sich also gerne in den höheren Sphären der Moral bewegt, sollte doch bitte von derartigem Bockmist absehen ("bedroht werden durch Andersfarbige Menschen")!
    5. Antwort von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
      Sozialromantik
    6. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Lang: Habe ich irgendwo von Blutrache gesprochen? Das ist schon sehr bedenklich, dem Mitschreiber Blutrache zu unterstellen, um selber Rassismus sehr zu verharmlosen... von wegen moralisch hochstehend?!
    7. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Weitgereister)
      Sehr geehrter Herr Lang, ich finde Ihre Kommentare ehrlich einfach grossartig. Vielen Dank.
    8. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @UvK
      Sie haben einem Kommentar beigepflichtet, der dazu ausruft, mit einer Bevölkerungsgruppe so umzugehen, wie diese das vor hundertfünfzig Jahren mit anderen Bevölkerungsgruppen gemacht hat! Ich würde sowas schon Blutrache nennen, denn wer über Generationen hinweg Hass konserviert und es opportun findet, ihn dann bei Gelegenheit an den anderen auszuleben, macht genau das! Vielleicht sollten Sie die Kommentare, die sie unterstützen zuerst ein wenig genauer durchlesen!
    9. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Rechsteiner: Grossartig schreiben Sie stilistisch, wirklich schon fast Kunst, buchdruckreif. Nur, solche Literatur würde wohl wegen Hang zu Rassismus nicht veröffentlicht...
    10. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herren Rechsteiner und Hochuli: Nochmals zur Klarstellung: Weder Herr Hochuli noch ich rufen zu Gegengewalt auf. Wenn Herr Hochuli sagt „zu spüren bekommen“ heisst das gewaltlos vorhalten, was Weisse einst und in diesen Jahren Schwarzen und Indianern zu leide getan hatten. Aber eben, wer Weisse so für globale Guttuer hält, gerät in einen Dünkel gegen andere. Von keinem, von Rechtsteiner und Lang, habe ich je Abscheu gegenüber dem Mord an Floyd gehört...
    11. Antwort von Christian Schmitter  (Notthatguy)
      Herr Hochuli und Herr Känel rufen aus meiner Sicht zur Gewaltideologie auf denn Sie stimmen beide der Aussage zu: "Sie sollten es jetzt auch zu spüren bekommen wie es sich anfühlt bedroht durch anders farbige Menschen."
      Wollen Sie einen Rassenkrieg? Ihre menschenverachtende Ideologie gibt gewissen Leuten die Legitimation. Die Selbstjustiz/Gewalt hat in unserer Demokratie keinen Platz, dass sollten Sie verstehen. Auch wenn Sie mit ihren letzten Sätzen alles relativieren.
    12. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @UvK
      "Sie sollten es jetzt auch zu spüren bekommen wie es sich anfühlt bedroht durch anders farbige Menschen." Wie Sie lesen könne, heisst es das bedroht. Drohungen beinhalten immer ein Gewaltpotential - sprachlich und rechtlich. Mehr ist dazu nicht zu sagen!
    13. Antwort von Alois Keller  (eyko)
      Die Unterdrückung der Schwarzen ist heute noch bedrohlich. Eine Ungerechtigkeit. Amerika sollte sich schämen. Leider wird es oft von weissen Männern von Generation zu Generation weitegegeben - das Schwarze nicht wert sind und nicht zur amerikanischen Gesellschaft gehören. Was für eine Ironie. Das muss sich ändern. Alle sind Menschen egal welche Hautfarbe. Hoffe, dass Biden sich mehr für die Schwarzen und ihre Rechte einsetzen wird. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    14. Antwort von Michael Baumgartner  (Helvetier)
      @Hochuli, Sie missverstehen da etwas aus meiner Sicht. Anders als die Eroberer haben die Zuzüger wie oben beschrieben keinen Eroberungsdrang. Dieser wird von Ihnen unterstellt. Somit ist die Ausgangslage komplett anders. Hier ist es so das Leute in eine Stadt ziehen die einfach meist friedlich (ko)existieren wollen.