«Du lebst in Dubai – hast du keine Angst?» Fragen wie diese tauchen derzeit oft in den sozialen Netzwerken auf. Die Antwort vieler Influencer klingt fast gleich: Nein, sie hätten keine Angst, weil sie wüssten, wer sie schütze. Der Tenor der Botschaft: Dubai sei sicher, der Alltag gehe weiter, Restaurants blieben geöffnet.
Das Dubai-Narrativ: Influencer posten dieselbe Botschaft
Auffällig ist, dass viele dieser Videos ähnlich aufgebaut sind. So erscheinen häufig dieselben Bilder der Skyline und der Strände, unterlegt mit Musik. In einigen Videos wird auch Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum eingeblendet, der Herrscher von Dubai und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate – als derjenige, der die Menschen schütze.
Kritische Posts verschwinden
Gleichzeitig verschwinden kritische Beiträge schnell wieder. Nachdem am Wochenende Raketen aus dem Iran in den Emiraten einschlugen, kursierten auf Social Media zunächst zahlreiche Beiträge über Panik und Zerstörung. So brannte ein Luxushotel, der Flughafen wurde beschädigt, über der Stadt lag Rauch.
Kurz nach den Angriffen erinnerte auch die nationale Medienbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate öffentlich an die Regeln für soziale Netzwerke. In einer Mitteilung und über soziale Medien forderte sie, dass nur verifizierte Informationen von offiziellen Behörden und Institutionen geteilt werden dürften. Kurz darauf waren viele der kritischen Beiträge wieder gelöscht – und es setzte sich zunehmend das Narrativ der «Sicherheit» durch.
Dubais staatliches Medienbüro: «Sicherheit ist unsere Stärke»
Dass kritische Inhalte verschwinden, überrascht Beobachterinnen nicht. «In den Vereinigten Arabischen Emiraten herrscht keine Meinungsfreiheit, so wie wir sie in Europa oder in der Schweiz verstehen», sagt die ARD-Korrespondentin Nina Amin in Kairo.
Menschenrechtsorganisationen dokumentieren solche Einschränkungen seit Jahren. Kritik an der Regierung, den Behörden und ihrer Arbeit steht in den Emiraten unter Strafe. Wer «den Ruf, das Ansehen oder die Würde» der Emirate beschädige, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von umgerechnet bis zu 106'000 Franken.
Kein Platz für ein Angst-Narrativ
Ob staatlicher Druck hinter den gelöschten Beiträgen oder dem verbreiteten Narrativ der Sicherheit steht, ist offiziell nicht bekannt. Jedoch sprechen Kenner der Stadt von Zensur. Eine Influencerin, die anonym bleiben will, schilderte gegenüber der deutschen «Welt», dass für ein Angst-Narrativ in Dubai kein Platz sei – «Es hat Telefonate gegeben.»
Dass der Staat so stark auf Inhalte achtet, hat auch mit dem Image der Stadt zu tun. «Besonders Dubai gilt als Sehnsuchtsort für viele», sagt Amin. Warmes Wetter, Strände, Luxus: «Dieses Image haben die Herrschenden am Golf über Jahre aufgebaut.»
Gleichzeitig sind Dubai und Abu Dhabi wichtige Wirtschaftsstandorte. Der Flughafen von Dubai ist eines der wichtigsten Drehkreuze der Region. Nach den iranischen Angriffen sassen dort zeitweise Zehntausende Passagiere fest – ein Imageschaden für die Emirate.
Für das Land steht deshalb viel auf dem Spiel: «Die Emirate haben sich diese vermeintliche Paradiesblase aufgebaut», so die Journalistin. «Und diese Blase droht jetzt zu zerplatzen.»