Raketen, Drohnen, leere Strassenzüge: In den Golfstaaten herrscht Ausnahmezustand. Touristen und Geschäftsleute wollen nichts wie weg. Die Strasse von Hormus, die wirtschaftliche Lebensader der Region, ist eine Hochrisikozone.
Stabilität, Luxus und Business waren bislang das Versprechen der schwerreichen Golfmonarchien. Jetzt werden Länder wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Bahrain in einen Konflikt hineingezogen. Ihr Geschäftsmodell ist bedroht.
Umso bemerkenswerter: Bis jetzt schlagen die Länder kaum gegen den Iran zurück. Warum? Nahost-Expertin Gudrun Harrer spricht von einem Krieg, den die Golfstaaten um jeden Preis verhindern wollten. «Es war auch nicht damit zu rechnen, dass sie nun ihrerseits eskalieren und gleich losschiessen.»
Verlangen Golfstaaten Exit-Strategie?
Die Golfstaaten müssen eine Balance zwischen Abschreckung und Zurückhaltung wahren. Das spiegelt sich auch in der Rhetorik gegenüber Teheran wider. Die Angriffe werden aufs Schärfste verurteilt, mit Drohungen hält man sich aber zurück.
Das iranische Regime befeuert bewusst die Ängste von Dubai über Doha bis nach Riad, plötzlich auf dem Pulverfass Nahost zu sitzen. «Der Iran will die Länder in den Krieg involvieren, damit sie bei den USA vorstellig werden und ihnen sagen: Hört auf damit, ihr macht unsere Region kaputt», schätzt Harrer. Greifen die Staaten selber militärisch ein, dürfte sich die Bedrohungslage nur noch verschärfen.
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Bild 1 von 5. Das Kalkül des Irans ist klar: Er will den Preis für den Krieg hochtreiben. Der arabische Golf als globaler Wirtschaftshub soll gelähmt werden. Zuletzt wurden an der Strasse von Hormus immer wieder Schiffe von Geschossen getroffen. Bildquelle: Getty Images/PA Images/David Davies (Archiv).
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Bild 2 von 5. Im weltweiten Energiehandel spielt die Strasse von Hormus eine wichtige Rolle. Durch dieses Nadelöhr vor der Küste des Irans fährt rund ein Fünftel der globalen Öltransporte. Jede Störung dort kann die Energiepreise steigen lassen. Aktuell ist der Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen gekommen. Bildquelle: Getty Images/Anadolu/Stringer.
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Bild 3 von 5. Die Angriffe dürften nicht ohne Antwort bleiben und müssten einen «Preis» haben, sagte ein Sprecher Katars. Das Land bleibt mit dieser Drohung bisher aber weitgehend allein. Katar schoss bereits zwei iranische Kampfflugzeuge ab. Bildquelle: Getty Images/Anadolu/Stringer.
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Bild 4 von 5. Die Golfstaaten stecken in einem Dilemma: Als Gastgeber Zehntausender US-Truppen sind sie auch durch ihre geografische Nähe zum Iran ein leichtes Ziel für Teherans Angriffe. Greifen sie den Iran ihrerseits an, werden sie zu aktiven Parteien eines Krieges. Bild: iranische Attacke auf US-Marinestützpunkt in Manama (Bahrain). Bildquelle: Getty Images/Anadolu/Stringer.
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Bild 5 von 5. Unter dem amerikanischen Schutzschirm sind die Golfmonarchien zu Wohlstand gekommen. Jetzt werden sie auch wegen ihrer Nähe zu den USA in den Krieg hineingezogen. Bild: Trump im Mai 2025 in Abu Dhabi, mit Muhammad bin Zayid Al Nahyan, dem Präsidenten der Emirate. Bildquelle: Getty Images/Win McNamee.
Das Mullah-Regime ist im Überlebenskampf. Sollte es den Krieg überstehen, dürfte es in der Region kaum mehr Fürsprecher haben. «In den letzten Jahren hat Teheran seine Beziehungen zu den Golfstaaten verbessert – das ist jetzt völlig ruiniert», sagt Harrer. «Es ist also eine gefährliche Strategie, die der Iran fährt.»
Böses Erwachen auf dem «eigenen Planeten»
Augenfällig: Die Vereinigten Arabischen Emirate mit den Metropolen Abu Dhabi und Dubai scheinen ein bevorzugtes Ziel des Iran zu sein. Ein möglicher Grund: Die Golfmonarchie hat 2020 im Rahmen der Abraham-Abkommen als erstes Land der Region ihre Beziehungen zu Israel normalisiert. Auch während des Kriegs in Gaza blieben die Beziehungen stabil.
Auch ein jahrzehntelanger Streit um Inseln im Persischen Golf könnte laut Nahost-Expertin Harrer dazu beigetragen haben, dass die Emirate besonders im Fokus der Angriffe stehen.
Abwehrraketen und Drohnengeheul über den berühmten Wolkenkratzern sorgen weltweit für Schlagzeilen. Auch in den Sozialen Medien verbreiten sich die Bilder milliardenfach.
Wir wollen den Kreis der Konfrontation nicht ausweiten.
Gerade Dubai sei in der arabischen Welt quasi als «eigener Planet» exponiert, so Harrer. «Ich habe schon vor Jahren gesagt: Es braucht nur eine rostige Rakete aus dem Iran, die dort ein Luxushotel trifft und viele Todesopfer fordert – und das Wirtschaftsmodell, samt der modernen, stabilen Anmutung, bricht zusammen.»
Wann ist die Grenze überschritten?
Noch gibt man sich zurückhaltend. «Die Position der Emirate bleibe ausgeglichen», erklärte die Staatsministerin für internationale Zusammenarbeit, Rim al-Haschimi. «Wir wollen den Kreis der Konfrontation nicht ausweiten.» Man werde aber nicht zögern, die Souveränität der Emirate zu beschützen.
Harrers Fazit: Sollten sich die iranischen Angriffe intensivieren und wiederholt Opfer zu beklagen sein, könnten die Golfstaaten um eine militärische Reaktion nicht umhinkommen.