Es ist laut und staubig in der rund 15 Meter hohen Lagerhalle. Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Zementwerk in Tema kaum von anderen. Fast ohne Unterlass karren Lastwagen die Rohstoffe heran. Hier lagern, fast bis zum Dach, Haufen von Kalkstein und vor allem von Klinker. Zementklinker ist ein Zwischenprodukt, das durch das Brennen von Rohmaterialien bei extrem hohen Temperaturen entsteht. Es besteht aus einem Gemisch aus Kalkstein, Ton, Quarzsand und Eisenerz. Klinker ist jenes Material, das mitschuldig ist, dass die Zementproduktion vergleichsweise viele CO₂-Emissionen verursacht.
In diesem Zementwerk hier ist aber etwas anders: Es gibt nämlich noch eine zweite Lagerhalle, gleich nebenan. Emmanuel Agbabga, der Produktionsleiter, führt uns hin. «Natürlicher Ton ist das», erklärt er, «aus dem Boden geholt hier in Ghana.» Äusserlich sieht das Material ähnlich aus wie der Klinker in der Nachbarhalle. Doch was die Klimabelastung anbelangt, macht es einen deutlichen Unterschied.
Beim Erhitzen von Ton wird im Vergleich zu Klinker viel weniger Kohlenstoff freigesetzt.
Das neue Werk in Tema ist die weltweit grösste Anlage, die den Ton so aufbereitet, dass er den Klinker im Zement teilweise ersetzen kann. Betreiberin ist CBI Ghana, eine Tochterfirma des Schweizer Unternehmens F. Scott Group. Produktionsleiter Agbabga erklärt beim Rundgang durch das Werk, wo der Unterschied zwischen Klinker und Ton liegt. «Die Erhitzung von Ton findet bei etwa 800 Grad statt. Bei Klinker sind es über 1400 Grad. Beim Erhitzen von Ton wird im Vergleich zu Klinker viel weniger Kohlenstoff freigesetzt.»
Das alternative Zementwerk in Tema (Ghana)
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Wirklich sauber ist die Technologie aber nicht. Auch die Tonverarbeitung verursacht Emissionen und auch der hier hergestellte Zement kommt nicht ganz ohne Klinker aus. Trotzdem wird das neue Werk in Ghana das Klima deutlich weniger belasten als herkömmliche Zementwerke. Um bis zu 40 Prozent soll der CO₂-Ausstoss durch den Einsatz der neuen Technologie reduziert werden.
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
Der Bau des neuen Werks hat immerhin rund 100 Millionen Dollar gekostet. Es stellt sich die Frage, ob sich das nicht nur fürs Klima rechnet, sondern auch für die Wirtschaft. Frédéric Albrecht, der Geschäftsführer, zeigt sich zuversichtlich: «Die Zementherstellung in Ghana hängt stark von teuren Importen ab. Da der importierte Klinker nun teilweise durch lokal abgebauten Ton ersetzt wird, begünstigt das auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit.»
Ohne finanziellen Anreiz werden andere Werke den Wechsel nicht wagen.
Einfach ist das Geschäft aber nicht. Der Zementmarkt an Afrikas Westküste wächst zwar um bis zu zehn Prozent pro Jahr, aber er ist auch zunehmend umkämpft.
Firma möchte auch CO₂-Zertifikate verkaufen
Einen Preisaufschlag könne er hier für den klimafreundlicheren Zement nicht verlangen, sagt Albrecht. Er hofft deshalb, dass die Firma in Zukunft nicht nur Zement, sondern auch CO₂-Zertifikate verkaufen kann. So könnte sie mit dem hier eingesparten Treibhausgas zusätzlich Geld verdienen.
Der Geschäftsführer meint, das wäre auch ein Anreiz für mögliche Nachahmer: «Wir brauchen diese Einnahmen, um die Technologie schneller zu verbreiten. Ohne diesen finanziellen Anreiz werden andere Werke den Wechsel nicht wagen.»
Gespräche über solche CO₂-Zertifikate fänden aktuell statt, heisst es in Ghana, auch mit Akteuren aus der Schweiz. So oder so ist die Anlage in Tema eine Art Testlabor. Wenn sich die neue Technologie hier bewährt und auch am Markt funktioniert, dann dürften andere sie schon bald kopieren.