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Abschluss der Weltklimakonferenz: Entschädigung für ärmere Länder
Aus Tagesschau vom 20.11.2022.
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Klimakonferenz in Ägypten Klimagerechtigkeit macht Schritt vorwärts – Klimaschutz nicht

Die Klimakonferenz von Sharm El-Sheikh endet mit einem Erfolg für die Entwicklungsländer, dessen Grösse noch schwierig abzuschätzen ist, und mit grosser Enttäuschung bei allen, die auf ein starkes Signal für den Klimaschutz gehofft hatten.

Diese Klimakonferenz wird in Erinnerung bleiben als die Konferenz, an der beschlossen wurde, einen Fonds zu schaffen, aus dem in Entwicklungsländern Verluste und Schäden gedeckt werden, die der Klimawandel verursacht. Jahrzehntelang hatten sich Entwicklungsländer und Nichtregierungsorganisationen dafür starkgemacht.

Grosse Freude in Entwicklungsländern

Es sei ungerecht, argumentierten sie, dass diejenigen Länder, die die geringste Schuld am Klimawandel trifft, die aber am stärksten von den Folgen betroffen sind, alleine dafür aufkommen müssen. Nun ist der Fonds beschlossene Sache, ein Stück Klimagerechtigkeit ist geschaffen – im Grundsatz. Wie genau dieser Fonds ausgestaltet werden soll, wer profitiert und wer einbezahlt, soll erst an der kommenden Klimakonferenz in einem Jahr beschlossen werden.

Die Freude in vielen Entwicklungsländern ist gross. Ob bald Ernüchterung folgt, bleibt abzuwarten. Immerhin wartet ein anderes Versprechen der Industrieländer – nämlich dass sie die Entwicklungsländer mit 100 Milliarden US-Dollar jährlich unterstützen, im Kampf gegen und bei der Anpassung an den Klimawandel – immer noch darauf, erfüllt zu werden. In dieser Frage wurden in Sharm El-Sheikh nur kleine prozedurale Schritte gemacht.

Kaum Fortschritte beim Klimaschutz

Gar mit der Lupe muss man die Fortschritte suchen beim Ausbau des Klimaschutzes. An der Klimakonferenz in Glasgow vor einem Jahr rief die Staatengemeinschaft zum Ausstieg (phase down) aus der Kohle aus. Um das sogenannte 1.5 Grad-Ziel am Leben zu erhalten, forderten Dutzende Länder – darunter die EU und die Schweiz – dass nun in Sharm El-Sheikh der Ausstieg aus Öl und Gas folgen solle.

Erdölexportierende Länder wie Russland, Iran und Saudi-Arabien haben sich dagegen aber vehement gewehrt. Gastgeber Ägypten, der selbst als Gas-Exporteur Ambitionen hat, scheint diese Verhinderungstaktik begünstigt zu haben. Entsprechend schwach fallen die Aufforderungen in der Abschlusserklärung der Klimakonferenz aus.

Enttäuschung bei Schweizer Delegation

Er sei enttäuscht, meinte der Leiter der Schweizer Verhandlungsdelegation, Franz Perrez, beim Verlassen des Saals in den frühen Morgenstunden. Das 1.5-Grad Ziel sei nun auf Messers Schneide. Auch Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie beim WWF Schweiz, betonte, dass das in Sharm El-Sheikh Erreichte völlig ungenügend sei angesichts des Ausmasses der Klimakrise.

Klimaschutz und Klimagerechtigkeit sind eng verknüpft: So verständlich die Freude in Entwicklungsländern über den neuen Fonds für Verluste und Schäden ist, das schwache Signal beim Klimaschutz stimmt nachdenklich. Ohne ambitionierten Klimaschutz leidet auch die Klimagerechtigkeit – möglicherweise so stark, dass der geplante Fonds seiner Aufgabe nie gewachsen sein wird.

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

Radio SRF 4 News, 20.11.22, 8 Uhr

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52 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Guten Abend liebe Community, vielen Dank fürs Mitdiskutieren - für heute schliessen wir die Kommentarspalte und wünschen Ihnen einen schönen Sonntagabend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Daniel Seeberger  (Aquarius)
    Dem Menschen ist zu helfen; der Menschheit nicht. Ihre Vertreter hangeln sich seit Jahren von COP zu COP, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden, doch viel mehr als ein Rudel Papiertiger mit vollmundigen Versprechungen haben sie nicht zustande gebracht. Aber Hurra!, diesmal wurde ein Geldfond für die stark vom Klimawandel betroffenen armen Länder beschlossen. Das hilft vielleicht den betroffenen Menschen, aber für die globale Klimaerwärmung ist das nicht mehr als heisse Luft.
  • Kommentar von Adrian Schwarz  (Zuversicht)
    Übrigens bei uns Herr Guterres, Büro und Werkstatt 11,4°, Wohnung 19° (Holz), duschen kalt 6°, PV-Anlage trotz vorwiegend Wolken heute 20.11.2022, 33 Kw für 9 weitere Haushalte zu 4 Personen, die keine installieren können, die Winterelektrovelo sind auch geladen.
    Der Disler Allrad 5.5 Lt/100 Km blieb heute stehen, der 4 wd Elektro ist noch nicht im Occasionmarkt fürs Geschäft, dafür schäme ich mich für jeden Kilometer, wenn ich schwere Lasten für meine Arbeit Wasserkraftservice transportiere.
  • Kommentar von Adrian Schwarz  (Zuversicht)
    Vielen Dank Herr Guterres, Ihre ganze Antrittsrede zum COP27 (https://youtu.be/YAVgd5XsvbE), beschreibt in 10 Minuten was sofort zu tun ist, ich wünsche mir, dass Ihre Worte täglich anstelle der Werb. auf unseren TV-Kanäl. und im Radio gesendet werden.
    Meine Gefühle zum Ergebniss. Mit Hoffnung erfüllt mich das pos. Ergebnis vom COP 27 zur Symptombek.
    Verstörend und schockierend, ja ekelerregend, abscheulich, lähmend und unerträglich die Entscheide zur Ursachenbek. Ahrtal vergessen, geits no?