- In Kolumbien wird die Präsidentschaft erst in einer Stichwahl zwischen Abelardo De La Espriella und Ivan Cepeda entschieden.
- Die zwei Kandidaten liegen nach Auszählung von 99,5 Prozent der Stimmen nahezu gleichauf, verfehlen jedoch die absolute Mehrheit, die für einen direkten Sieg nötig wäre.
- Die Wahlbeteiligung lag nur bei etwas mehr als der Hälfte der Stimmberechtigten, was auf Mobilisierungsprobleme hinweist.
Im Zentrum stehen dabei zwei Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und nun in einer zweiten Rundegegeneinander antreten:
Abelardo De La Espriella, ein rechts positionierter Anwalt und Unternehmer, hat sich im Wahlkampf als politischer Quereinsteiger inszeniert, der noch nie ein politisches Amt bekleidet hat. Er stellt sich selbst als Befürworter von US-Präsident Donald Trump dar und ist unter dem Spitznamen «El Tigre» oder «der Tiger» bekannt. Er setzt vor allem auf einen harten Kurs in der Sicherheits- und Ordnungspolitik und spricht sich für einen massiven Ausbau der Gefängnisinfrastruktur aus.
Auf der anderen Seite steht der linke Senator Ivan Cepeda, der als enger Verbündeter des amtierenden Präsidenten Gustavo Petro gilt. Sein politisches Profil ist stark geprägt von der Fortsetzung von Friedensverhandlungen mit bewaffneten Gruppen sowie von sozialpolitischen Reformen.
Für zusätzliche Spannung sorgt die Reaktion aus dem Präsidentenpalast: Petro erkennt die vorläufigen Resultate nicht an und fordert eine abschliessende juristische Überprüfung. Petro war vor vier Jahren als erster linker Präsident in der Geschichte Kolumbiens gewählt worden. In Kolumbien ist die Amtszeit des Präsidenten laut Verfassung auf vier Jahre beschränkt, daher kann Petro selbst nicht mehr gewählt werden.
Die Stichwahl wird am 21. Juni stattfinden. Besonders entscheidend dürfte sein, ob es den Lagern gelingt, über ihre Stammwählerschaften hinaus neue Stimmen zu mobilisieren.