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Islamwissenschaftler Schulze: «Es ist so etwas wie eine Proteststimmung entstanden»
Aus Tagesschau vom 04.04.2021.
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Königreich Jordanien «Möglicher Komplott in Jordanien ein innenpolitischer Protest»

Jordanien galt lange Zeit als Hort der Stabilität im Mittleren Osten. Nun sieht es so aus, als ob ein schwelender Streit zu eskalieren droht. Angeblich wurden mehrere hochrangige Würdenträger festgenommen. Der Halbbruder des Königs, Prinz Hamsa bin Hussein, soll seit Samstag unter Hausarrest stehen. Es wird über einen gescheiterten Staatsstreich spekuliert. Islamwissenschafter Reinhard Schulze sagt, was hinter den Gerüchten und Spekulationen steckt.

Prof. Dr. Reinhard Schulze

Prof. Dr. Reinhard Schulze

Islamwissenschafter

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Der Islamwissenschafter Reinhard Schulze ist an der Universität Bern tätig. Seit 2018 ist er Direktor am «Forum Islam und Naher Osten» der Universität.

SRF News: Was vermuten Sie hinter den Putsch-Gerüchten und Spekulationen über eine Verschwörung gegen den jordanischen Herrscher?

Reinhard Schulze: Das Komplott verdeckt eigentlich eine schon seit Wochen und Monaten existierende Proteststimmung im Land. Diese ist sehr stark und hat sich vor allem auch in den Gemeinschaften geäussert, die mit den arabischen Stämmen im Osten des Landes zu tun haben.

Das Komplott verdeckt eigentlich eine schon seit Wochen und Monaten existierende Proteststimmung.

Hier haben wir eine Proteststimmung, die sich gegen Korruption und gegen Ungerechtigkeitsempfindungen, aber auch gegen die extrem schlechte Versorgungslage gerichtet hat. Die Covid-Krise hat noch das Übrige dazu beigetragen, dass so etwas wie eine Proteststimmung entstanden ist. Auf dieser Stimmung aufbauend wird jetzt dieses Gerücht über einen möglichen Putschversuch, eine Palastrevolte aufgebaut.

Die Regierung spricht immer wieder von ausländischen Mächten, die sich eingemischt haben sollen. Was sind das für Mächte und welche Rolle spielen auch radikale islamische Kräfte?

Schaut man sich das Tableau der Mächte um Jordanien herum an, so fällt auf, dass eigentlich alle üblichen Verdächtigen ausfallen können – Iran fällt aus, Syrien fällt aus, Irak fällt aus, Israel fällt aus. Das einzige Land, dass in irgend einer Form direkt intervenieren könnte, wäre Saudi-Arabien. Weil zwischen Saudi-Arabien und Jordanien doch auch sehr enge politische, wirtschaftliche und auch strategische Interessen bestehen.

Das einzige Land, dass in irgend einer Form direkt intervenieren könnte, wäre Saudi-Arabien.

Aber all das reicht nicht aus, um zu rechtfertigen, dass es sich tatsächlich um eine ausländische Einmischung handelt. Wir müssen davon ausgehen, dass hier in erster Linie ein innenpolitischer Protest zum Zuge kommt, der sich dann in der Form eines möglichen Komplottes äussert.

Inwiefern gefährdet diese Lage die Sicherheit in der ganzen Region?

Politische Veränderungen und Veränderungen in der Machtarchitektur im Lande haben unmittelbare Auswirkungen auch auf die Sicherheitslage etwa am Golf oder in Saudi-Arabien. Wenn tatsächlich ein Putsch oder ein Komplott in Jordanien stattfindet, ist die Situation in Saudi-Arabien sehr viel wackeliger als sie bislang ist. Deshalb haben die Mächte um Jordanien herum ein grosses Interesse daran, die Situation in Jordanien so zu belassen wie sie ist, und ja nicht daraus ein zweites Syrien oder einen zweiten Irak werden zu lassen.

Das Gespräch führte Keto Schumacher.

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Bruch im jordanischen Königshaus
Aus Tagesschau vom 04.04.2021.
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Tagesschau, 04.04.2021, 19.30 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Frank  (Europäer)
    Seit Anfang an zwischen den Menschen fand Kampf um Macht statt. Als Begründung für diesen Kampf hat man verschidenen Ideologien missbraucht: Religion, Gruppeninteressen und heute in der Mode ist Demokratiesierung. Wie die Demokratiesierung des Kommunismus heute ausschaut kann man heute in zentralasiatischen Ländern bewundern: von Kirgistan bis Asarbaidschan. Türkei, Polen, Ungarn, Libyen, Irak werden gerade auch demokratisiert.
    1. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      Sie haben aber eine komische Weltanschauung lieber Herr Frank. Als (Europäer) sollte Sie eigentlich wissen, dass Demokratisierung nichts mit "Mode" zu tun hat. Es geht einzig und allein darum den Menschen ein Gesicht zu geben, dh mitreden zu können (Wahlen oder Sachabstimmungen). Aktuell ist es so, dass in den meisten Fällen Mehrheiten (>50%) den Weg vorgeben. Leider gibt es Staaten, wo Leute die Demokratisierung bekämpfen: China, Russland, Nordkorea, Iran, Saudis, Türkei, Belarus, Syrien, usw.
  • Kommentar von Achim Berger  (Schlauberger)
    @SRF: Fehler bei "...Situation in Saudi-Arabien sehr viel Wackeliger als sie bislang ist", korrekt wäre *wackeliger*
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Achim Berger Vielen Dank für den Hinweis! Ist korrigiert.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Ein selbsternannter Experte unterwegs im Bereich der Spekulation.. Vielleicht wäre es besser, einen wirklichen Experten zu fragen. Die gibt es übrigens in genügender Anzahl und Qualität. Der Interviewte weiss offensichtlich etwa so viel wie der Durchschnittsleser einer NZZ und das reicht eigentlich nicht dazu aus, ihn als Experten auftreten zu lassen. Man würde auch keinen Priester der römisch-katholischen Kirche, der italienisch spricht, zu einem Regierungswechsel in Rom interviewen!
    1. Antwort von Karl Frank  (Europäer)
      Schlimmste ist dass die die Lage immer aus dem amerikanischen Blickwinkel beurteilen. Als auf der Erde nur die Amerikaner wären. Und was ist mit den restlichen 7 Miliarden Menschen? Wieso zeigt man nicht wie es Chinesen, Indien, Russen, türkischen Völker, und anderen Araber beurteilen? Nur alles nach Mass der USA? Die Zeiten der USA sind vorbei
    2. Antwort von Erich Singer  (Mairegen)
      Woher wollen sie denn wissen dass er KEIN Experte ist? Quellen?
    3. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @E.Signer
      Weil er nicht zum Thema publiziert - Jordanien.
      Weil er in allen seinen Forschungsarbeiten nicht auf die spezifisch regonalen politischen Besonderheiten, sondern auf allgemeine religiöse Fragestellungen ausgerichtet ist.
      Und weil es selbst im deutschen Sprachraum verschiedene andere, wirkliche Experten gibt, wie beispielsweise Guido Steinberg SWP, die zum Thema nachhaltig publizieren und sich daher nicht in Allgemeinplätzen erschöpfen müssten!