- Nach der ersten Runde der Kommunalwahlen in Frankreich haben das rechte Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen sowie die Linkspartei La France Insoumise (LFI) Zugewinne für sich reklamiert.
- In der Mehrzahl der Gemeinden und in praktisch allen Grossstädten, wo keine absolute Mehrheit erreicht wird, gibt es am kommenden Sonntag (22. März) einen zweiten Wahlgang.
- Die Wahl gilt als wichtiger Stimmungstest für die nationale Politik in Frankreich – besonders im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl 2027.
In der Hauptstadt Paris liegt der Kandidat der sozialistischen Partei Emmanuel Grégoire laut Hochrechnungen deutlich vor der bürgerlichen ehemaligen Justiz- und Kulturministerin Rachida Dati. Nach 25 Jahren linker Dominanz wollte Dati die Hauptstadt für die Rechte zurückholen. Für die beiden geht es nächste Woche in die Stichwahl, da niemand eine absolute Mehrheit erreicht hat.
In der zweitgrössten Stadt des Landes Marseille scheint es laut Hochrechnungen auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zuzugehen – zwischen dem Kandidaten des Rassemblement National Franck Allisio und dem amtierenden und linken Bürgermeister Benoît Payan.
In Perpignan hingegen siegt die Rechte: Der bisherige Amtsinhaber Louis Aliot des Rassemblement National hat laut Hochrechnungen bereits im ersten Wahlgang die Wiederwahl geschafft – mit rund 51.4 Prozent. In Nizza an der Côte d'Azur sahen Hochrechnungen den rechtsnationalen Éric Ciotti vor dem aktuellen Bürgermeister Christian Estrosi aus dem konservativen Mitte-Lager.
Auch weitere Siege für das Rassemblement National scheinen sich abzuzeichnen: Laut Hochrechnungen liegt die Partei in mehreren Städten vorne. Sollte der zweite Wahlgang am nächsten Sonntag dem 22. März dies bestätigen, dürften die lokalen Siege der künftigen Präsidentschaftskandidatin oder künftigen -kandidaten der rechtsnationalen Partei den Rücken stärken.
Seine Parteivorsitzende Marine Le Pen, die bereits dreimal als Präsidentschaftskandidatin angetreten ist, zeigte sich erfreut über die «realen Siegchancen» ihrer Partei in der Stichwahl am 22. März in mehreren Städten.
Rückläufige Wahlbeteiligung
Knapp 49 Millionen Menschen im Land waren zu dem Urnengang aufgerufen, bei dem Tausende Gemeindevertreterinnen und -vertreter gewählt werden. Diese bestimmen dann im Anschluss den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin. Die Wahlbeteiligung beim ersten Wahlgang liegt laut Schätzungen mehrerer Meinungsforschungsinstituten zwischen 56 und 58.5 Prozent. Damit setzt sich ein seit über 40 Jahren anhaltender Rückgang fort, insbesondere bei jungen Menschen und in Arbeitervierteln. Nur im Jahr 2020, auf dem Höhepunkt der Covid-19-Pandemie, war die Wahlbeteiligung niedriger.
Ein Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl, bei der Macron nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten kann, gilt die Abstimmung auch als letzter grosser Stimmungstest.