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Eskalation im Kaukasus
Aus Echo der Zeit vom 29.09.2020.
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Konflikt um Berg-Karabach Armenischer Kampfjet soll abgeschossen worden sein

  • Im blutigen Konflikt um die Unruheregion Berg-Karabach ist nach armenischen Angaben ein Kampfjet des Typs Suchoi-25 abgeschossen worden.
  • Der Pilot sei dabei getötet worden, teilte die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums in Eriwan mit.
  • Das Militär in Aserbaidschan dementierte die Angaben umgehend und bezeichnete die Vorwürfe als Lüge.

Die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums behauptete, dass ein türkisches F-16-Kampfflugzeug am Dienstagvormittag die Maschine mit Hilfe aus Aserbaidschan abgeschossen hätte. Dafür gab es aber keine Bestätigung. Aserbaidschan gab bislang an, keine militärische Unterstützung aus dem Nachbarland Türkei zu bekommen und selbst kein F-16-Kampfflugzeug zu besitzen.

Das Militär in Aserbaidschan dementierte die Angaben umgehend und bezeichnete die Vorwürfe als Lüge. Auch der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, sagte, dass es sich dabei um «billige Propagandatricks» handle. Die Behauptungen stimmten definitiv nicht.

Schwerste Kämpfe seit Jahrzehnten

Die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan dauern seit Sonntag an. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verletzte. Beide Länder sprachen bereits von Hunderten Toten auf der gegnerischen Seite. Diese Behauptungen wurden immer wieder dementiert.

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Konflikt Bergkarabach: Türkei weist Anschuldigungen zurück
Aus Tagesschau vom 29.09.2020.
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In dem Konflikt geht es um die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Das völlig verarmte Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche und militärisch hochgerüstete Aserbaidschan hat die Türkei als verbündeten Bruderstaat.

Korrespondent: «Keine Information zum Abschuss ist gesichert»

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Korrespondent: «Keine Information zum Abschuss ist gesichert»
Legende: Ein Kampfjet SU-25 Reuters/Symbolbild

SRF News: Was ist bis jetzt gesichert an diesen Informationen?

David Nauer, SRF-Korrespondent in Moskau: Gesichert ist nichts, wir haben nur die sich diametral widersprechenden Darstellungen der Kriegsparteien.

Wer hat in diesem Konflikt welche Interessen?

Mein Eindruck ist, dass die Armenier diesen Konflikt möglichst internationalisieren wollen. Sie wollen die Welt davon überzeugen, dass sie nicht nur von den Aserbaidschanern, sondern auch von den Türken angegriffen werden. Und dass dieser Angriff nicht nur Berg-Karabach – diesem besonderen Gebiet – gilt, sondern eben auch dem armenischen Kerngebiet. Und der Grund dafür ist simpel: Armenien ist mit Russland über eine Militärallianz verbunden. Wird Armenien nun tatsächlich attackiert – und dann auch noch von einem Nato-Land wie die Türkei –, dann müssten die Russen eigentlich militärisch eingreifen.

Die Aserbaidschaner und die Türken haben genau gegenteilige Interessen. Die wollen die Russen natürlich möglichst aus dem Konflikt draussen halten.

Besteht die Gefahr, dass sich der Konflikt ausweitet?

Ja, diese Gefahr besteht. Und ich würde sagen mit dem heutigen Tag und dieser Geschichte rund um dieses Flugzeug wird dieser Konflikt nicht mehr ein lokales, sondern ein regionales oder im schlimmsten Fall ein globales Problem. Es könnte zu einer weiteren Konfrontation zwischen Russland und der Türkei kommen. Es gibt ja schon in Syrien ähnliche Probleme.

Allerdings gibt es im Kaukasus auch bremsende Faktoren. Vor allem auch, weil Moskau in diesem Konflikt bisher zurückhaltend reagiert. Man hat den Eindruck, die Russen wollen da nicht hineingezogen werden. Warum das so ist, darüber wird in Moskau unter Experten auch gerätselt. Jedenfalls kann man sehen, dass das offizielle Russland im Kaukasus eher versucht, mässigend auf die Kriegsparteien einzuwirken. Wenn auch bisher nicht mit besonders grossem Erfolg.

SRF 4 News, 29.09.2020, 17 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Beide Länder sprachen bereits von Hunderten Toten auf der gegnerischen Seite." Jeder Tote ist einer zu viel. Leider geht es nicht um das. Aus der Sicht unserer (Europa und Schweiz) Sicherheit wird verdrängt, dass gerade das passiert, was nicht sein darf: Konflikte und Kriegsgefahr in oder an den Aussengrenzen von Europa. Man dürfte es sogar als Verleugnung formulieren, gleich wie beim Klimawandel. Allerdings: Die Destabilisierung der Machtsysteme ist unberechenbar, der Klimawandel weniger.
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Offenbar werden immer noch Kampfflugzeuge eingesetzt. Wer hätte das gedacht? Der Krieg findet nicht nur im Cyber statt.
    1. Antwort von Nunzio DiResta  (Nunzio)
      Es wird noch so manches Kriegsgerät eingesetzt und weltweit.
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Nunzio DiResta: Ja leider! Nur die Hälfte der Schweizer Stimmbürger glaubt, dies gehe sie alles nichts an.
    3. Antwort von Simon Weber  (Weberson)
      @T. Leu: Die Situation in Berg-Karabach mit der schweizer Politik zu vergleichen ist hier fehl am Platz. Diese beiden "Länder" haben wenig bis gar nichts gemeinsam. Und ja, der Schweiz gehen jedes Jahr Millionen-Beträge verloren durch Cyberangriffe während militärische Angriffe meines Wissens schon sehr lange keinen Schaden mehr angerichtet haben hierzulande.
    4. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      @Simon Weber: Lieber Herr Weber, Herr Leu vergleicht gar nicht Berg-Karabach mit der Schweizer Politik. Er stellt nur fest, dass immer noch Kampfflugzeuge eingesetzt werden. Entgegen der Meinung von GSoA, SP und den Grünen, welche immer behaupten, dies finde nur noch in konservativen, zurückgeblieben Köpfen statt. Dies sind Fakten von Herrn Leu und nicht ein Hirngespinst!
    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Simon Weber: Dieser und andere Konflikte zeigen, dass was heute als sicher gilt, morgen schon ganz anders sein kann. Das gilt für alle Länder, auch für die Schweiz; wir sind nichts Spezielles. Viele Cyberangriffe, z.Bsp. auf Banken, sind Industriespionage, müssten also von den betroffenen auch im Eigeninteresse abgewehrt werden. Die Armee kann nicht eine halbe Million Firmen vor Cyberangriffen schützen.
    6. Antwort von Telemach Hatziisaak  (THI)
      @Leu: Ihr Zynismus gegenüber der Hälfte der Schweizer Bevölkerung, die „ihrem“ Pyrrhussieg vom letzten Sonntag geschuldet ist, ist fehl am Platz.
    7. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Telemach Hatziisaak: Zynismus finde ich jetzt ein wenig übertrieben in Anbetracht, dass ich mich ernsthaft um die Sicherheit der Schweiz Sorgen mache. Möglicherweise hat es auch mit dem Informationsstand über das Weltgeschehen zu tun. Mein Radar geht weit über die Landesgrenzen hinaus und hat auch eine historische Komponente.
    8. Antwort von Simon Weber  (Weberson)
      @B. Häberli/T. Leu: Nun, man muss kein Hellseher sein um solche Konflikte wie in Berg Karabach zu prognostizieren. Es gab max. einen wagen Waffenstillstand. Den Kindern auf beiden Seiten wurde und wird eingeredet, dass sie die Guten und die anderen die Bösen sind. Die Schweiz befindet sich gottseidank im Gegensatz zu Konfliktregionen wie Pakistan-Norindien / Nord-Südkorea oder Ukraine-Russland schon lange nicht mehr in einer solchen Situation und wird es auch nicht so schnell nicht werden.
    9. Antwort von Simon Weber  (Weberson)
      @T. Leu: Die Schweizer Armee soll nebst den halben Millionen Firmen auch noch die Privaten, welche zu Tausenden den Trickbetrügern auf dem Internet zum Opfer fallen, beschützen - das ist nach meiner Meinung ihr Job. Und wenn sie das nicht kann, sollte sie sich umstrukturieren. Oder kleiner werden und das der Polizei oder einer Spezialeinheit überlassen.
    10. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Simon Weber: Private vor Privaten zu schützen ist von Gesetzes wegen die Aufgabe der Polizei und der Zivilgerichte und nicht die Aufgabe des Militärs. Sonst wären wir in einem Militärstaat.
    11. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Simon Weber: Die Armee und der Nachrichtendienst sind zuständig, wenn fremde Staaten, nicht Privatunternehmen, betroffen sind. Es ist somit eine klare Aufgabenteilung zwischen Armee und Polizei, die auch Sinn macht und die alle demokratischen Länder so handhaben. Stellen Sie sich vor, Sie müssten bei einem Hackerangriff auf ihre Firma beim Militär und nicht bei der Polizei Strafanzeige einreichen. Das wäre doch reichlich absurd und würde wohl kaum goutiert von der Bevölkerung.