Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Kontrollierte Rückführung Migrationsexperte: Schweiz soll IS-Leute geregelt zurückholen

Der syrische Kurde Ashti Amir flüchtete vor rund 25 Jahren in die Schweiz. Er leitete Asylzentren in der Schweiz und ist Initiator des kleinen Hilfswerks SyrAid. Letzten November hat Amir die IS-Lager in Syrien besucht. Er warnt vor der ungebrochenen Radikalität der Insassinnen und einer drohenden unkontrollierten Freilassung von IS-Kämpfern. Für die Schweiz sei es sicherer, ihre Staatsangehörigen zurückzuholen.

Ashti Amir

Migrationsexperte

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Ashti Amir ist Mitinitiator des Vereins SyriAid. Der engagierte Exil-Syrer ist wegen seiner Menschenrechtsaktivitäten in die Schweiz geflüchtet. Auch hier engagierte er sich stets für Menschenrechte und die Demokratisierung Syriens. Er lebt mit seiner Familie in Bern.

SRF: Sie haben die IS-Lager Al-Hol und Roj besucht. Was haben Sie gesehen?

Ashti Amir: Viele bezeichnen die Insassen als Opfer. Das stimmt nicht mit dem überein, was ich gesehen habe. Die Radikalisierung und die Aggression sind bei fast 90 Prozent der Menschen dort immer noch deutlich spürbar, der Besuch ein Risiko, besonders in der Abteilung für Ausländerinnen in Al-Hol. Man wird mit Steinen beworfen. Sie rufen immer noch nach dem Kalifat und der Köpfung von Ungläubigen.

In diesen Lagern leben auch viele Kinder. Was bedeutet das für sie?

Je länger diese Kinder dort bleiben, desto schlimmer und gefährlicher wird es. Es geht nicht nur um die Schweiz, sondern um alle EU-Länder. Wenn die Mütter ihre radikale Ideologie an die Kinder weitergeben, stehen wir vor einer grossen Gefahr.

Sie haben auch mit Schweizerinnen gesprochen. Was sagten sie?

Ich habe zum Beispiel mit einer Mutter und ihrem kleinen Kind gesprochen. Sie distanziert sich vom IS und dessen Ideologie und bereut diesen Schritt. Ob es stimmt oder nicht, ist schwierig zu beurteilen. Im Camp Roj haben viele Frauen ihre Entscheidung bereut und möchten in ein normales Leben zurückkehren. In Al-Hol hingegen sind die Frauen immer noch extrem radikal.

Man hat Bilder gesehen, wie sich Soldaten und Gefangene begrüssten.

Die Lager und Gefängnisse stehen nun unter der Kontrolle der syrischen Regierungstruppen. Ist die Lage dadurch sicherer?

Nein. Man muss fragen: Wer sind diese Truppen? Das sind teils ehemalige Al-Nusra-Kämpfer, die sich vom IS abgespalten haben. Werden sie sich um ihre ehemaligen Kollegen kümmern? Man hat Bilder gesehen, wie sich Soldaten und Gefangene begrüssten. Diese werden wohl nicht in der Haft bleiben. Vielleicht werden sie in der syrischen Armee integriert. Mehr als die Hälfte der Insassinnen von Al-Hol sind bereits auf freiem Fuss. Das ist eine grosse Gefahr, die man unterschätzt.

Personen in dunklen Gewändern hinter einem Zaun mit Handys.
Legende: Das IS-Lager Al-Hol in Syrien wird vorwiegend von Frauen und deren Kindern bevölkert. Reuters/Khalil Ashawi

Die USA wollen nun Tausende IS-Kämpfer in den Irak bringen. Weshalb?

Von 9000 registrierten männlichen IS-Kämpfern wollen die USA 7000 in den Irak transportieren. Sie tun das wohl, weil sie wenig Vertrauen in das syrische Militär haben und befürchten, dass dieses die Kämpfer freilassen würde. Die Amerikaner wissen wahrscheinlich genau, wen sie da überstellen – vermutlich die gefährlichsten Köpfe.

Ich finde es besser, wenn man diese Leute kontrolliert in die Schweiz holt und sie hier vor Gericht stellt.

Sie möchten eine Rückführung der drei inhaftierten Schweizer IS-Kämpfer und der Mutter mit dem Kind. Die Schweiz macht dies aus Sicherheitsgründen jedoch nicht.

Ich finde es besser, wenn man diese Leute kontrolliert in die Schweiz holt und sie hier vor Gericht stellt. Dann weiss man genau, wo sie sind. Jetzt kann es sein, dass die Schweizer freigelassen werden und unkontrolliert in die Schweiz kommen. Niemand weiss dann, wo sie sind. Es ist für unsere Sicherheit besser, solche Leute unter Kontrolle zu haben.

Das Gespräch führte Karoline Arn.

Tagesgespräch, 26.01.2026, 13 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel