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Volkswagen entschädigt Opfer der Militärdiktatur in Brasilien
Aus SRF 4 News aktuell vom 25.09.2020.
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Kooperation mit Diktatur Der nächste Kratzer im Lack von Volkswagen

VW soll jahrzehntelang mit Brasiliens einstiger Militärdiktatur kooperiert haben. Nun entschädigt der Konzern die Opfer.

«Wir bedauern die Verletzungen, die in der Vergangenheit passiert sind, aufrichtig. Für die Volkswagen AG ist es wichtig, verantwortungsvoll mit diesem dunklen Kapitel in der Geschichte Brasiliens umzugehen und die Transparenz zu fördern.»

Mit diesen Worten richtet sich der Vorstand des deutschen Automobilkonzerns an die Opfer der einstigen Militärdiktatur in Brasilien (1964–1985). Und lässt anklingen, dass er in dem «dunklen Kapitel» nicht nur einfach Statist war. Denn Volkswagen soll jahrzehntelang mit dem Regime kooperiert haben, das Oppositionelle rigoros verfolgte.

VW-Logo im Hintergrund dunkle Gewitterwolken
Legende: Von 1964 bis 1985 regierte eine Militärdiktatur Brasilien – der deutsche Autobauer Volkswagen soll mit ihr kooperiert haben. Keystone

Der Konzern meldete demnach Mitarbeitende, die nicht auf Linie der Regierung waren. Diese Angestellten wurden anschliessend verhaftet und oft auch gefoltert. Nun will VW den ehemaligen Mitarbeitern, die während der Militärdiktatur in Brasilien Menschenrechtsverletzungen erlitten haben, Schadenersatz zahlen.

Marke VW ist beschädigt

Mit 5.6 Millionen Euro versucht VW, die Scharte in der Firmengeschichte auszuwetzen – und entgeht mit dem Vergleich auch einem Prozess. «Die Summe bezahlt VW quasi aus der Portokasse. Und der Konzern schliesst damit ein aus seiner Sicht sehr unangenehmes und peinliches Thema ab», sagt der Martin Seiwert, Automobilredaktor bei der «Wirtschaftswoche».

Überwachung und schwarze Listen

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Eine Studie des Historikers Christopher Kopper von der Universität Bielefeld hatte ergeben, dass der Werkschutz von Volkswagen an brasilianischen Standorten die Oppositionsaktivitäten von Beschäftigten überwachte und so auch die Verhaftung von mindestens sieben Mitarbeitern sowie Misshandlungen von Beschäftigten erleichterte. Es soll zudem «schwarze Listen» von Kollegen gegeben haben. Der VW-Konzern hatte die Analyse in Auftrag gegeben, um auf die damaligen Opfer zuzugehen.

Volkswagen ist seit 1953 im fünftgrössten Land der Welt vertreten. «Die Korrespondenz mit dem Vorstand in Wolfsburg zeigt bis 1979 eine uneingeschränkte Billigung der Militärregierung», befand Kopper. Volkswagen wollte sich demnach ein gutes Marktumfeld sichern. Der Konzern betonte, man habe nun als erstes ausländisches Unternehmen die eigene Vergangenheit während der Militärdiktatur in Brasilien transparent aufgearbeitet.

Schon seit Jahren hat der grösste Autohersteller der Welt mit Negativschlagzeilen zu kämpfen. Der Abgasskandal kam VW nicht nur teuer zu stehen – er hinterliess auch gehörig Kratzer im Lack. Die Imageprobleme könnten die Einigung in Brasilien beschleunigt haben, glaubt Seiwert: «VW möchte solche Themen aus dem Weg räumen und wieder positive Schlagzeilen machen.»

Der Konzern habe in den letzten Jahren fast 700 Millionen Euro in Compliance-Prozesse investiert, also darin, dass im Unternehmen seriös und regelkonform gehandelt wird.

Dilma Rousseff
Legende: Opfer haben 2015 in Brasilien Anzeige gegen Volkswagen erstattet. Eine Kommission, die von der damaligen Präsidentin Dilma Rousseff (Bild) eingesetzt worden war, sah klare Indizien für eine Kollaboration von VW mit dem Regime. Keystone

Nichtsdestotrotz: Die Marke VW hat in den letzten Jahren gelitten. Wie Seiwert in Erfahrung gebracht hat, habe das Unternehmen dadurch auch verstärkt Probleme bei der Rekrutierung von dringend benötigtem Personal. «Das ist gerade bei der Umstellung auf Elektroautos fatal, wo man Mitarbeiter für neue Technologien braucht», sagt der Branchen-Kenner.

Und trotz aller Bemühungen zur Imagepflege: Die nächsten Rückschläge sind programmiert. In Kürze beginnen die Prozesse gegen VW-Topmanager, die in den Abgasskandal verwickelt waren – unter anderem gegen den früheren Konzernchef Martin Winterkorn. «Da werden noch einmal viele schmutzige Details hochkommen», schliesst Seiwert.

SRF 4 News, 25.09.2020, 10:45 Uhr;

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