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Krieg der USA gegen den Iran Trump gegen den Ayatollah: Das sind die Ziele und Szenarien

Wochenlang schien US-Präsident Donald Trump zu zögern. Er sprach von Diplomatie, von gezielten Militärschlägen, schien den Druck auf den Iran Schritt für Schritt erhöhen zu wollen. Mit dem Beginn eines umfassenden Kriegs gemeinsam mit Israel setzen die USA nun alles auf eine Karte. Es geht in vielerlei Hinsicht um alles oder nichts – für die USA, vor allem aber für den Iran.

Vier Ziele – und ein hohes Risiko

In seiner heutigen Ansprache formuliert Trump vier Ziele. Erstens will er das iranische Atomprogramm endgültig zerstören und verhindern, dass der Iran je eine Atombombe baut. Indirekt räumt er damit ein, dass der letztjährige Zwölftagekrieg dieses Ziel nicht erreicht hat. Zweitens solle das Raketenprogramm so weit ausgeschaltet werden, dass vom Iran keine Bedrohung für die USA und ihre Verbündeten mehr ausgehe.

Drittens richten sich die Angriffe gegen Irans Fähigkeit, verbündete Milizen und Terrororganisationen zu unterstützen, namentlich gegen die Huthi im Jemen und die Hisbollah im Libanon. Viertens – und das ist bemerkenswert – ruft Trump die Führung in der iranischen Hauptstadt Teheran zur Kapitulation auf. Die Iranerinnen und Iraner sollen die «wahrscheinlich einzige Chance in Generationen» ergreifen und einen Machtwechsel herbeiführen.

Vom Zögern zur Eskalation

Spätestens seit heute wird niemand mehr Trump aussenpolitische Unentschlossenheit vorwerfen. Das Bonmot «TACO – Trump Always Chickens Out» wirkt überholt. Gelingt es ihm, zumindest einen Teil seiner Ziele zu erreichen, könnte dies als grösster Erfolg seiner zweiten Amtszeit gelten.

Mindestens so wahrscheinlich ist jedoch, dass «Iran» für Trump zur Hypothek wird. Es droht ein Flächenbrand im Nahen Osten und einer jener «endlosen Kriege», vor denen er im Wahlkampf warnte. Der Iran hat bereits Ziele in Israel sowie in mehreren Golfstaaten angegriffen.

Irans Schicksalsstunden

Für den Iran ist die Lage existenziell. Vier Szenarien sind denkbar. Erstens ein Sturz des Regimes und eine Neuordnung unter einer neuen Führung, die den USA wohlgesonnen ist. Der Mann der Stunde wäre dann vielleicht Reza Pahlavi, der Sohn des letzten iranischen Schahs (Königs). Allerdings kennt die Geschichte zahlreiche gescheiterte Versuche, Regimewechsel von aussen zu erzwingen. Mit anderen Worten – zweites Szenario: Das heutige Machtsystem könnte trotz massiver Angriffe überleben. Seine Überlebensfähigkeit hat es wiederholt bewiesen. Drittens wäre ein Machtwechsel hin zu einer anderen, aber ebenfalls islamistisch-repressiven Führung möglich. Viertens droht ein jahrelanger Bürgerkrieg.

Anders als 2003 im Irak haben die USA diesmal faktisch nur Israel als Verbündeten zur Seite. Viele Alliierte wirken überrumpelt. Das iranische Regime wiederum ist weitgehend isoliert. Russland und China dürften kaum bereit sein, militärisch einzugreifen. Die EU und die Schweiz mahnen zur Einhaltung des Völkerrechts – ohne offen auszusprechen, dass ein erzwungener Regimewechsel ohne Mandat der UNO völkerrechtswidrig ist.

Für Europa bleibt die Hoffnung, dass sich die ersten Militärschläge nicht zum Flächenbrand ausweiten und die Weltwirtschaft nicht schwer erschüttern. Viel spricht jedoch dafür, dass der 28. Februar 2026 erst der Auftakt zu einem langen Krieg ist mit unkalkulierbaren weltpolitischen Folgen.

Tagesschau Spezial, 28.02.2026, 13 Uhr

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