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«In der Ukraine gibt es nicht mehr Rechtsradikale als anderswo»
Aus News Plus vom 24.03.2022. Bild: SRF
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Krieg in der Ukraine Das Asow-Regiment – Heldenstatus trotz rechtsextremer Wurzeln

Ist nur das einschlägige Abzeichen geblieben? Das längst reguläre Asow-Regiment der Ukraine wirft bis heute Fragen auf.

Wenn von Rechtsextremisten und Neonazis in der Ukraine die Rede ist, mit welchen Kreml-Chef Putin seinen Angriffskrieg begründet, fällt immer auch der Begriff «Asow-Regiment». Laut russischer Propaganda haben sich in diesen Truppen die Neonazis der Ukraine militärisch organisiert und in den letzten Jahren in den Provinzen Donezk und Luhansk auch Kriegsverbrechen begangen.

Doch was hat es wirklich mit dem vielgenannten Regiment auf sich, das heute Teil der regulären ukrainischen Streitkräfte ist, und dem Innenministerium untersteht? Und wie stark sind die Rechtsextremisten in der Ukraine tatsächlich?

Fakt ist, dass die Asow-Bewegung und das spätere Asow-Bataillon von Rechtsextremen gegründet wurden, wie Politologe Andreas Umland erklärt. Er ist sowohl am Institut für Euro-Atlantische Kooperation in Kiew wie auch am Stockholmer Zentrum für Osteuropa-Studien tätig.

Asow-Bataillon – eine Reaktion auf den Krieg

Gegründet wurde das damalige Asow-Bataillon im Mai 2014 als irreguläre Einheit als Reaktion auf den russischen «Pseudo-Bürgerkrieg» in der Ostukraine, so Umland. Eine kleine Gruppe von früheren rassistischen Aktivisten der Asow-Bewegung habe mit der Schaffung dieses Freiwilligen-Bataillons Prominenz erlangt, berichtet Umland weiter: Es war im Juni 2014 auch an der Rückeroberung von Mariupol beteiligt, das eine kurze Zeit von den russischen Separatisten besetzt war.

Bereits seit Herbst 2014 untersteht der zum Regiment angewachsene Verband den Befehlen des Innenministeriums, wie eine normale bewaffnete Einheit. «Wir wissen aber nicht genau, wie die politischen Einstellungen der Soldaten dieser Einheit sind», stellt Umland fest.

Wir wissen nicht genau, wie die politischen Einstellungen der Soldaten dieser Einheit sind.
Autor: Andreas Umland Politologe

Die Wolfsangel als selbstgewählte Hypothek?

In der Bevölkerung habe das Asow-Regiment das Image einer besonders kampfstarken Truppe und nicht einer rechtsextremen ultranationalistischen Einheit. Vor allem auch junge ukrainische Männer wollten dieser Einheit dienen. Sie würden dabei regulär rekrutiert, so Umland.

Wolfsangel.
Legende: Die auch von den Nationalsozialisten verwendete Symbol der Wolfsangel ist in der neonazistischen Szene weltweit beliebt. imago images

Ungünstig habe sich wohl auch ausgewirkt, dass das reguläre Regiment das Symbol des alten Asow-Bataillons übernommen habe, so Umland. Es ist die sogenannte Wolfsangel, die übereinandergelegten Buchstaben N und I stehen für «Idee der Nation». Es hat allerdings auch im westlichen rechtsextremen Spektrum eine rechtsextreme Konnotation.

Wie gross ist das Asow-Regiment?

In Friedenszeiten hatte dieses Regiment zirka 1000 bis 2000 Kämpfer. Jetzt könnten es laut Umland etwas mehr sein. Es ist aber nur eines von vielen Regimentern der Ukraine und jetzt auch wieder in Mariupol im Einsatz.

Asow.
Legende: Basis-Kampftraining für Zivilisten: Ein Angehöriger des Asow-Regiments bereitet am 13. Februar 2022 in Mariupol die Waffen vor. Keystone

Die Kämpfer des Asow-Regiments würden in der Ukraine als Helden angesehen, weil sie schon 2014/15 und jetzt wieder ihr Leben und ihre Gesundheit für die Landesverteidigung gäben, so Umland: «Was genau der historische Hintergrund für die Entstehung der Einheit war, ist den Ukrainern, so glaube ich, letztlich egal.»

Was genau der historische Hintergrund für die Entstehung der Einheit war, ist den Ukrainern, so glaube ich, letztlich egal.
Autor: Andreas Umland Politologe

Nationalismus und Rechtsextremismus in der Ukraine

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Bereits bei den Protesten gegen den prorussischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch 2013 und 2014 auf dem Maidan-Platz spielten Rechtsradikale eine Rolle. Es gelang jedoch in der Folge keiner rechtsradikalen Bewegung, in der ukrainischen Politik Fuss zu fassen. Bei den Parlamentswahlen 2019 kam die vereinigte rechtsradikale Liste auf 2.15 Prozent, was eher unter dem EU-Durchschnitt liegt.


Eine gewisse Bedeutung erlangten lediglich die Kämpfer der Asow-Bewegung, die 2014 erfolgreich Mariupol von prorussischen Kämpfern zurückeroberten. Der Asow-Bewegung wurden enge Beziehungen zum früheren Innenminister der Ukraine, Arsen Awakow, nachgesagt. Die Euro-Maidan-Proteste und die breite Anerkennung der Asow-Bewegung in der ukrainischen Gesellschaft führten dazu, dass ursprünglich rechtsradikale Slogans wie «Slawa Ukrajini! Herojam slawa!» – «Ruhm der Ukraine! Ruhm den Helden!» normalisiert wurden.


Der Slogan geht auf die 1920er-Jahre zurück und wurde vom Ultranationalisten Stepan Bandera und seinen Anhängern geprägt. Heute wird dieser Slogan vom ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski regelmässig verwendet, wenn er seine Videobotschaften beendet. Sogar westliche Politiker wie die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses nutzen den Slogan, um ihre Unterstützung für eine unabhängige Ukraine zu markieren.

SRF 4 News, 24.03.2022, 17:15 Uhr;

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