Die arabischen und türkischen Fernsehserien, die extra für den Fastenmonat Ramadan produziert werden, sind legendär – und oft politisch.
Dieses Jahr sorgt die ägyptische Serie «Suhab al-Ard» («Freunde der Erde») für Aufsehen. Sie zeigt die Geschichte der ägyptischen Ärztin Salma, die in Gaza im Freiwilligeneinsatz ist und die Schrecken des Kriegs hautnah miterlebt. Im Spital trifft sie auf den Palästinenser Nasser, der seine engsten Angehörigen bei israelischen Luftangriffen verloren hat. Nasser nimmt Salma unter seine Fittiche und führt sie durch den Kriegsalltag in Gaza. Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft.
«Ziemlich realistisch»
Eine Fernsehserie, die während des Gazakriegs spielt, wie kommt das in Gaza an? In den sozialen Netzwerken sind sehr kritische Voten zu lesen: Auf dem Buckel der noch immer notleidenden Palästinenserinnen und Palästinenser werde mit der Serie Geld gemacht, ist etwa zu lesen.
Eine kurze Umfrage von SRF in Gaza zeigt ein gnädigeres Urteil. Bei den Befragten, die via Sprachnachricht Auskunft geben, überwiegt die Freude darüber, dass ihr Schicksal Gegenstand einer populären Ramadanserie ist.
Anderer Blick auf Gaza
Die 14-jährige Hala al-Kolak schaut sich die Serie auf dem Handy an, weil es für den Fernseher nicht genügend Strom gebe, erzählt sie. Hala findet die Serie toll, und ziemlich realistisch. Sie trage dazu bei, den Palästinenserinnen und Palästinensern weltweit Gehör zu verschaffen.
Der Journalist Karam Abu Hassanein lobt die schauspielerische Leistung. Und: Was sie erlebt hätten, sei zwar viel schlimmer gewesen, als in der Serie dargestellt. «Trotzdem», sagt Abu Hassanein: «Wir spüren Verständnis für unser Leiden.»
Bei allen Befragten dringt die Sorge durch, dass sie, die Menschen in Gaza, vergessen werden könnten. Deshalb, sagt die 22-jährige Aseel, sei jede künstlerische Auseinandersetzung mit dem Gazakrieg und der Palästinafrage zu begrüssen.
Und der Regisseur Hazem Abu Hmeid findet, die Serie biete westlichen Zuschauern einen neuen Blick auf Gaza, abseits der Nachrichten, in welchen die Opfer als reine Nummern dargestellt würden, nicht als Individuen.
Der 7. Oktober wird ausgeblendet
Die Ramadan-Serie «Freunde des Landes» fokussiert auf menschliche Schicksale auf der palästinensischen Seite. Die Massaker des 7. Oktobers werden nicht thematisiert, und auch die militant-islamistische Hamas als gewalttätige Akteurin wird ausgeblendet.
Weshalb sich auch Oberstleutnant Ella Waweya in die Diskussion einbrachte, die palästinensischstämmige Sprecherin der Israelischen Armee. Die Serie sei nichts anderes als Gehirnwäsche und Geschichtsklitterung, sagte sie in einem Video.
Der Fastenmonat Ramadan ist bald vorbei, und die Serie «Freunde des Landes» ist ebenfalls zu Ende. Ein richtiges Happy End gibt es vorerst nicht. Weder für die Protagonistinnen und Protagonisten der Serie, noch für die Bevölkerung Gazas.