Kämpfe zwischen Hisbollah und Israel dauern an: Im Krieg zwischen der Hisbollah im Libanon und Israel ist kein Ende in Sicht. Beide überzogen sich in der Nacht erneut mit gegenseitigen Angriffen. Nach Angaben eines israelischen Armee-Sprechers seien dabei rund 200 Raketen und 20 Drohnen aus dem Libanon abgefeuert worden. Die Hisbollah ihrerseits hatte zuvor den Start einer neuen Operation angekündigt und mehrere Raketenangriffe auf Israel für sich reklamiert.
800'000 Vertriebene im Libanon: Durch die erneute Eskalation wurden im Libanon nach staatlichen Angaben bisher bereits mehr als 600 Menschen getötet und fast 800'000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben.
Es fehlt an allem: Heinz Wegerer war für Ärzte ohne Grenzen neun Monate vor Ort. Er schildert dramatische Zustände: «Es gibt nicht genug Notunterkünfte, nicht genug Möglichkeiten, diese Menschen zu versorgen.» Es herrsche ein dringender Bedarf für sichere Unterkünfte, Matratzen, Decken, Hygieneartikel, aber auch für Dinge wie Wasser, sanitäre Einrichtungen, andere lebensnotwendige Hilfsgüter und vor allem auch Zugang zu Gesundheitsversorgung.
So hilft Ärzte ohne Grenzen: Die Lage ist dramatisch, der Bevölkerung fehlt es an allem. Erreichen Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen diese Menschen überhaupt noch? «Wir haben in den letzten zehn Tagen auf Nothilfe umgestellt, haben unsere Programme entsprechend angepasst», erklärt Wegerer. Für Ärzte ohne Grenzen seien aktuell zehn mobile Teams in verschiedenen Regionen im Libanon unterwegs. «Mobile Kliniken, Ärztinnen, Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, aber auch Psychologinnen und Psychologen, die die Menschen genau dort erreichen, wo sie aktuell unterkommen und dort den Zugang zur Gesundheitsversorgung anbieten.»
Kriegsgebeutelter Libanon: Eine Frau berichtet gegenüber der Deutschen Depeschenagentur, dass sie aus ihrem Haus aus den Beiruter Vororten auf die Strasse in Ramlet al-Baida geflohen sei. «Warum greifen sie jetzt auch hier an?», fragte sie. «Es gibt keinen sicheren Ort mehr.» «Wir sprechen hier von einer Bevölkerung, die durch den Krieg 2024 schwer gebeutelt ist, der sogenannte Waffenstillstand im November 2024 wurde nie wirklich eingehalten», so Wegerer. Es habe weiterhin massive israelische Angriffe gegeben. «Die Menschen leiden bereits seit langer Zeit unter diesem ständigen Kreislauf aus Krieg, Vertreibung, Wiederaufbau, Hoffnung und dann wieder Krieg und wieder Vertreibung.» Vertreibung sei ein abstrakter Begriff: «Vertreibung bedeutet, das Zuhause zu verlieren, das Umfeld zu verlieren, vielleicht geliebte Familienmitglieder zurückzulassen.»
Düstere Aussichten: «Jeder Konflikt und jedes Krisengebiet hat seine eigene spezielle Herausforderung und Situation», so der Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Aber: «Im Libanon trifft es eine Zivilbevölkerung, eine Gesellschaft, die bereits vor dieser jüngsten Eskalation am Boden war.» Das Gesundheitssystem sei bereits vor dieser jüngsten Eskalation nicht in der Lage gewesen, alles abzufedern, was jeden Tag an Problemen auf die Menschen hereinprassle. «Mit dieser jüngsten Eskalation ist es nur sehr schwer vorstellbar, wie die Menschen durch diese erneute Krise kommen sollen.»