- In der Nacht auf Freitag hat Israel neben Zielen in Teheran auch Beirut im Libanon angegriffen.
- Die israelische Aufforderung, dieses libanesische Gebiet zu verlassen, hat eine Massenflucht ausgelöst.
- Nun warnt die Hisbollah-Miliz ihrerseits die Menschen im Norden Israels.
Nach einem Fluchtaufruf für einen Grossteil der Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut hat Israels Militär am Donnerstagabend dort Angriffe begonnen. Die Armee habe «Hisbollah-Infrastruktur» ins Visier genommen, teilte das israelische Militär mit.
Der Süden Beiruts gilt als Hochburg der schiitischen Hisbollah. Die vom Iran unterstützte Miliz unterhält dort wichtige Stützpunkte. Gleichzeitig ist das Gebiet dicht besiedelt; Hunderttausende Menschen leben dort.
Unruhe nach Evakuationsanweisungen
Der vorgängige Evakuationsaufruf löste grosse Unruhe aus. «Die israelische Aufforderung, dieses ganze Gebiet zu verlassen, versetzte viele in Panik und löste eine Massenflucht aus», sagt SRF-Auslandredaktor Philipp Scholkmann. Zwar habe es auch früher Evakuationsanweisungen gegeben, «aber in dieser Dimension ist das beispiellos für den Libanon und erinnert an das israelische Vorgehen in Gaza.»
Gleichzeitig forderte die israelische Armee auch Menschen im Süden des Libanon auf, ihre Dörfer zu verlassen. Dort wird ein weiteres Vorrücken israelischer Bodentruppen erwartet.
Am Montag griff die Hisbollah erstmals seit Beginn der aktuellen Eskalation israelisches Gebiet an und griff damit selbst in den Iran-Krieg ein. Israel reagierte darauf mit einer gross angelegten Operation. Ziel sei offenbar, «die Hisbollah als militärische Organisation nun vollständig auszuschalten, an einer zweiten Front des Iran-Kriegs sozusagen», sagt Philipp Scholkmann. Israels rechtsextremer Minister Bezalel Smotrich drohte der Miliz gar offen mit «Zerstörung wie in Gaza».
Hisbollah reagiert mit Drohungen
Die Hisbollah warnte in der Nacht ihrerseits die Bevölkerung in grenznahen Dörfern im Norden Israels vor Angriffen. Die Angriffe der israelischen Armee im Libanon würden «nicht ohne Reaktion bleiben», drohte die Schiiten-Organisation. Sie rief dazu auf, alle israelischen Siedlungen innerhalb von fünf Kilometern von der Grenze entfernt zu räumen. Es war die erste Warnung der Miliz dieser Art seit Ausbruch der neuen Gewalt.
Unklar ist jedoch, wie stark die Hisbollah militärisch noch ist. «Die Hisbollah ist extrem geschwächt», sagt Scholkmann. Schon seit der letzten Konfrontation mit Israel, die Ende 2024 mit einer Waffenruhe endete, seien israelische Operationen gegen die Organisation weitergegangen. Gerade in den Wochen vor Beginn des Iran-Kriegs habe Israel seine Operationen im Süden des Libanon nochmals intensiviert. «Wie viel Kraft die Iran-treue Miliz zu wirkungsvollen Gegenschlägen überhaupt noch hat, ist fraglich», sagt der Auslandredaktor.